bildschirmfoto-2016-10-12-um-17-14-23

Clubstory: Hamburg-Walddörfer – Geschliffener Diamant

Hamburg-Walddörfer gehört seit 56 Jahren zu den feinsten Adressen im Norden. Nach einjähriger Platzrenovierung feiert der Traditionsverein nun seine Wiederöffnung. Mitglieder und Gäste freuen sich auf ein „altes Juwel“ mit modernsten Qualitätsstandards.

bildschirmfoto-2016-10-12-um-17-14-48

Der Badeteich hinter dem Grün von Bahn 6 diente einst dem Gutsherren zur Erfrischung.

Was macht ein Golfclub, wenn die eigenen Mannschaftsspieler auf dem Heimatplatz weniger gefordert sind, als es einst der beste Golfspieler der Welt war? Vor diese Frage sahen sich die Mitglieder des renommierten Traditionsvereins Hamburg-Walddörfer im Nordosten Hamburgs bis vor Kurzem gestellt. Die sportliche Herausforderung auf dem ursprünglichen Layout des 1961 eröffneten 18-Löcher-Meisterschaftsparcours  war einfach nicht mehr in dem eigentlich gedachten Ausmaß gegeben. Eine Folge der immensen technologischen Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre in der Schläger- und Golfball-Konstruktion. Die immer weiter fliegenden Golfbälle drohten, den schönen Parkland-Course zum Kanonenfutter für gute Spieler werden zu lassen.

Als der große Jack Nicklaus (18 Majorsiege) – wahrlich kein Spieler mit kurzen Schlaglängen – 1977 für einen Schaukampf nach Hamburg kam und kurzerhand einen neuen Platzrekord im GC Walddörfer aufstellte (sechs unter Par), blieben ihm für die Schläge ins Grün einige Eisenlängen mehr übrig als heute den jungen Scratch-Spielern der Herrenmannschaft. So groß sind die Unterschiede zwischen den damaligen Persimmon-Hölzern und gewickelten Balata-Bällen zu den heute verwendeten Hightech-Materialien. Auch die einst von Platzarchitekt Bernhard von Limburger konzipierten Hindernisse kamen zuletzt immer seltener ins Spiel. Doch ein Abrutschen in die sportliche ­Bedeutungslosigkeit entspricht so gar nicht dem Selbstverständnis und Anspruch des Premium-Clubs Hamburg-Walddörfer, der Mitglied in der Qualitäts- und Wertegemeinschaft „The Leading Golf Courses of Germany“ ist und zahlreiche nationale und internationale Meisterschaften ausgerichtet hat. Nach dem 50-jährigen Clubjubiläum 2010 reift im Vorstand und unter den Mitgliedern der Entschluss, den Golfplatz umfassend zu modernisieren. Mit Christoph Städler (65) – der als Spieler im Walddörfer selbst die Titel Deutscher Juniorenmeister 1969 und Deutscher Meister der Herren 1979 holte – ist schnell der geeignete Golfplatzarchitekt für den Umbau gefunden.  „Im Laufe der Jahrzehnte, in denen mich mein Weg immer wieder hierher führte, machte der Golfplatz Hamburg-Walddörfer langsam, aber unaufhaltsam seinen Alterungsprozess durch“, erinnert sich Städler. „Positiv daran war die Entwicklung des üppigen Baumbestands, die zugleich aber auch negative Auswirkungen hatte, indem sie die Spiellinien verengte und für pflegetechnisch problematische Schatten sorgte.“

bildschirmfoto-2016-10-12-um-17-33-43

Herrschaftlich: Das Clubhaus aus der Vogelperspektive.

Dazu kam, dass der nach heutigen Maßstäben mangelhafte Aufbau der Grüns und Abschläge sich immer stärker im schlechten Rasenzustand bemerkbar machte. In den Herbst- und Wintermonaten hatte der Club mit Staunässe zu kämpfen. „Meist war der Platz erst ab Mitte Mai oder Anfang Juni gut bespielbar“, erzählt Clubmanager Axel Roeb.

Die Herstellung neuer Grüns und Abschläge nach dem modernsten ­Standard der Golfplatzbau-Technik war somit neben der Gestaltung des sportlichen Schwierigkeitsgrads die zentrale Aufgabe für Architekt Städler und die ausführende Baufirma Brehmer. Nachdem unter der Ägide von Clubpräsident Dr. Henning Voscherau (früher Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg) zweckgebundene Spendenzusagen in ausreichender Höhe aus der Mitgliedschaft vorlagen und die Liquidität zudem durch Mitgliederdarlehen gesichert war, fiel im März 2015 der Startschuss für die Renovationsmaßnahmen, die bis Oktober andauerten. „Wir haben die Abschläge und Grüns grundlegend erneuert und Fairwaybunker so platziert, dass sie für gute Spieler wieder ins Spiel kommen und spieltaktische Entscheidungen erfordern“, sagt Platzvorstand Ron Last. „Für Spieler mit höherem Handicap wird es dagegen leichter, gute Ergebnisse zu erzielen und damit die Golfrunde auf unserem schönen Platz zu genießen.“

Grüns und Abschläge wurden nach neuestem Stand der Technik in einem an die klimatischen Verhältnisse angepassten Schichtenaufbau erstellt. Das verwendete Saatgut ist eine widerstandsfähige Mischung aus verschiedenen Agrostis- und Festuca-Sorten. An zahlreichen Grüns wurden zudem Approach-Zonen mit dem gleichen aufwendigen Aufbau integriert.