An Wasser mangelt es nicht: Einer Seenlandschaft ähnelt der Golf Ria de Vigo

Reise Jakobsweg: Pilgerroute zum Green

Immer wenn der Festtag des Heiligen Jakob auf einen Sonntag fällt, dann wird in Santiago de Compostela ein Heiliges Jahr ausgerufen. 2010 ist es wieder soweit. Und deshalb sollte man früh genug Abschlagszeiten auf den Golfplätzen entlang des spanischen Pilgerweges buchen

Die Theke biegt sich unter den Köstlichkeiten: Teller mit kleinen Tintenfischen in Öl stehen neben einem mit hauchzarter Fischcreme gefüllten Canapé, außerdem gibt es verschiedenste Arten von knackigem Gemüse, Würstchen, kleine Fleischhappen. Dazu wird ein Glas Txakoli, ein regionaler Weiß- oder Rotwein, kredenzt oder ein Sagardoa, Apfelmost. Baskische Namen, eine jahrtausendealte Sprache, die in der spanischen Region Euskadi, Baskenland, bis heute gesprochen wird.

Nee, dat jeht mal so nich, meint meine Begleiterin statt auf Baskisch in breitem Berlinerisch, und schaufelt mir noch ein paar Häppchen auf meinen nur zur Hälfte gefüllten Teller. Gleich darauf wechselt sie in akzentfreies Spanisch und bestellt zwei Gläser weißen Txakoli für uns.

Claudia ist waschechte Berlinerin, aber vor mehr als zehn Jahren nach dem Studium in San Sebastiàn im Baskenland hängengeblieben. Die ausgebildete Fremdenführerin hat mich auf eine Pintxos-Tour durch die Lokale der Stadt im Norden Spaniens mitgenommen.

Pintxos sind die baskische Form von Tapas: kleine Leckereien, die man in den Bars der Region genießt. Und um die Welt der Pintxos zu entdecken, muss man eine Runde durch die vielen Bars und Restaurants von San Sebastián machen wie es die Basken selbst zu Mittag praktizieren: Man bestellt in jedem Lokal nur zwei, drei Häppchen und trinkt dazu ein Glas Wein, bevor man weiterzieht. In manchen Bars sind es rustikale Gerichte, in anderen ist die Küche minimalistisch, die Pintxos schon gehobenes Fingerfood im Stile eines Adrian Ferran. Wusstest du, dass San Sebastiàn auf Quadratmeter bezogen die größte Dichte an Michelin-Stern-Lokalen besitzt?, fragt mich Claudia noch. Das wusste ich zwar nicht, ist aber schon anhand der Pintxos glaubwürdig.

San Sebastiàn ist aber auch sonst einen Besuch wert: Kilometerlange Strände am Atlantik, eine wunderschöne Altstadt, zahllose Villen aus der Belle Epoque, internationales Flair und vor allem viel grüne Landschaft rundherum haben San Sebastiàn schon lange den Ruf eines Seebads für die Reichen und Schönen beschert.

San Sebastiàn ist der ideale Ausgangsort für unsere Pilgerreise auf den Spuren des Heiligen Jakobus bis nach Santiago di Compostela in Galicien. Dort, im Nordwestzipfel Spaniens, ist der Apostel begraben. Eine Woche im Mietwagen liegt vor uns. Wir hätten es schlimmer erwischen können: Immer wieder trifft man entlang der Route auf Wanderer mit der Jakobsmuschel auf dem Hut oder am monumentalen Rucksack. Die Pilger sind oft wochenlang unterwegs, übernachtet wird in Pilgerhospizen, in Klöstern und einfachen Herbergen.

Der Morgen hat bei strahlendem Wetter im Osten San

Sebastiàns begonnen mit einem königlichen Platz: In den grünen Hügeln nahe der französischen Grenze liegt der Real Nuevo Club Golf de San Sebastiàn Basozabal. Mit der Bezeichnung  real/königlich werden nur die besten Anlagen Spaniens bedacht.

Sichtlich stolz ist auch der quirlige Golfclubmanager Jon Urbina Antia auf seinen Platz und erwähnt gleich, dass ihn Profi José Marìa Olazábal, das baskische Golfaushängeschild, zu seinen Lieblingsplätzen zählt. Das ist leicht zu verstehen: Die Anlage liegt eingebettet in einer weiten fruchtbaren Landschaft mit vielen Apfelbäumen, der Basis für den baskischen Apfelmost, der überall in diesem Gebiet ausgeschenkt wird.

Während die ersten neun Löcher auch Fehler verzeihen, erfordern die zweiten Neun viel komprimierter vor allem exaktes Spiel. Ein guter Start für eine Golftour am Jakobsweg. Wir folgen dem nördlichen Teil des Pilgerwegs nun der Küste nach Westen. Der südliche, im Inland, streift die historischen Königsstädte Burgos oder Léon, aber der Norden ist für uns reizvoller: Immer wieder findet man hier weiße Strände, viel unberührte Natur, aber auch kleine Seebäder, in denen heute vor allem Surfer ihr Refugium gefunden haben. Und natürlich historische Plätze, die zu den ältesten in Spanien gehören.

Zum Beispiel Zarautz: Am Westrand des kleinen Städtchens in einer kleinen Bucht liegt der Real Golf Club de Zarauz mit dem Geburtsjahr 1916. Die 9-Löcher-Anlage ist ein reiner Links-Course auf Sand, ohne Wasser oder unnütze Bäume, nur durch Dünen von den Wellen des

Atlantiks abgeschirmt. Sturmböen und Wind hält das bisschen Sand allerdings kaum auf: Die steifen Brisen vom Meer, die man immer einplanen muss, machen den Platz sehr tough. Zwei Löcher 9 und 7 teilen sich sogar eine Bahn. Um ein  Verkehrschaos zu vermeiden, wurde ein Wächter mit roter Flagge abgestellt, der den Spielern signalisiert, wann die Bahn frei ist.

Ganz anders präsentiert sich Artxanda Golf auf einer Hügelkuppe nahe Bilbao: Auch diese relativ junge Anlage ist aufgrund seiner abwechslungsreichen

Architektur einen Abstecher wert: Die ersten neun Bahnen führen vom Clubhaus hügelab, sind sauber verteilt in eine weiche Landschaft mit Wasserhindernissen (an Wasser herrscht im Norden Spaniens kein Mangel), die zweiten Neun führen entlang der Bergkuppe und bieten neben fordernden Approaches immer wieder viel Ausblick.