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Reise Südafrika: Zug um Zug

Der Rovos Rail gilt als der luxuriöseste Nostalgie-Zug der Welt. Das Beste: Man kann mit ihm in Südafrika von Golfplatz zu ­Golfplatz fahren. Wir waren auf der Tour von Pretoria nach Durban dabei  

Es gibt nur Suiten! Keine Zimmer oder Abteile, wie man es in einem Zug ja erwarten könnte. Bei Rovos Rail gibt es nur Deluxe-, Pullman- oder Royal-Suiten! Klingt aber nur logisch bei einem Gefährt, das von seinen Betreibern als „The Most Luxurious Train in the World“ gepriesen wird. Preisen ist das eine, selbst ausprobieren das andere. Deshalb stehe ich jetzt in der Capital Park Station in Pretoria, dem Heimatbahnhof der Rovos Rail. Vor 25 Jahren hat Rohan Vos seinen ersten Nostalgie-Zug auf die Reise geschickt; seitdem sind es immer mehr geworden. Über dieses Vierteljahrhundert hat er mehr als 100 zum Teil sehr alte und sehr marode Waggons irgendwo in Afrika aufgekauft und mit Hingabe, Fachkenntnis und sehr viel Geld restaurieren lassen. Herausgekommen sind auch zeitgeschichtliche Schmuck-stücke, die auf den unterschiedlichsten Strecken durch Afrika fahren, rattern, kurven und in Ländern wie Tansania, in denen das Schienennetz nicht das beste ist, aus Sicherheitsgründen schleichen.

Durban. KwaZulu Natal. South Africa.

Durban, KwaZulu Natal in Südafrika.

Ich habe mich für einen der Klassiker entschieden. Von Pretoria nach Durban in zweieinhalb Tagen. Mit dem Auto wären das gerade mal 700 Kilometer, die man locker an einem Tag schaffen könnte. Das aber ist ja nicht der Sinn dieser Tour und wäre ungefähr so, als würde man einen Atlantik-Kreuzfahrer fragen, ob er noch nichts vom Flugzeug gehört habe… Rohan Vos nimmt sich grundsätzlich die Zeit, seine Gäste in der vornehmen Wandelhalle der Capital Park Station zu begrüßen und mit warmen Worten auf die Reise vorzubereiten. Schnell wird klar: Die meisten der gut 30 Tour-Teilnehmer sind echte Eisenbahn-Freaks und haben schon alle großen, luxuriösen und teuren Touren mitgemacht. Natürlich auch die im Orient-Express, der zwar in die gleiche luxuriöse Richtung zielt, aber eben doch so ganz anders ist. Der größte Unterschied, von dem ich höre: Im Orient Express gibt es keine privaten Bäder, was vielen Gästen gelegentlich ziemlich stinkt. Bei Rovos aber bietet jede Suite ihr ganz eigenes, kompakt-komplettes Badezimmer.