Kiawah Ocean Course Clubhouse & 18th

Reise South Carolina: Spurensuche

Der amerikanische Bundesstaat South Carolina ist nicht größer als Österreich, bietet aber fast 400 Golfplätze. Viele bergen interessante Geschichte(n), zu der auch Bernhard Langer beigetragen hat. Folgen Sie uns in die Regionen um Charleston und Hilton Head Island.

Seeadler spielen kein Golf! Und doch fühlt sich dieses Exemplar, dass nur ein paar Meter über unseren Köpfen kreist, offensichtlich richtig wohl. Es mag an dem fetten Fisch liegen, der in seinen Krallen hin- und herschaukelt. Vielleicht auch an den mächtigen, vom Wind gezausten und verbogenen Eichen, auf denen er sich ab und an niederlässt. Offensichtlich ist unser weißköpfiger Freund, der locker auf eine Spannweite von zwei Metern kommt, auf der Suche nach einem Speiseplatz. Er wird ihn finden, hier, auf dem Ocean Course von Kiawah Island! Der, so ganz nebenbei, einer der besten und aufregendsten Golfplätze der Welt ist.

Das sage ich, der gerade unter dem Adler und dessen Eindruck steht; das sagen aber auch andere Fachleute wie die Kollegen von Golf Digest. Vom amerikanischen Golf Magazine gab es den „Green Award Resorts“ für die „führende Rolle Kiawahs beim Umweltschutz“. Die bekannt kritischen Naturschützer der Audubon Society haben alle fünf Golfplätze, die es auf dieser Insel vor den Toren von Charleston gibt, ausgezeichnet.

Der Adler kreist noch immer über uns, die wir schon lange die Schläger ins Bag gesteckt haben. Wir können ja später weiterspielen, zumal gerade ohnehin nicht so viel los ist. Mit Golfern hinter uns, meine ich. Zum einen ist der Ocean Course mit einem normalen Greenfee von deutlich über 200 Euro alles andere als ein Schnäppchen. Zum anderen muss man den Kurs bei Startzeiten bis 12 Uhr gehen. Auch wenn man sich dann von einem der exzellenten Caddies begleiten lassen sollte, wird es bei Temperaturen von bis zu 100 Grad ein echter Schlauch. Die Amerikaner messen in Fahrenheit; umgerechnet 38 Grad Celsius klingen aber auch nicht wirklich erfrischend.

Mir ist das egal. Ich liebe es, Golfplätze zu gehen, weil sie von der Mitte der Fairways einfach echter wirken und aussehen als vom befestigten Rand. Der heißt auch hier „cart path“ und darf mit dem leise summenden Elektro-Cart je nach Wetterlage nur im 90-Grad-Winkel verlassen werden. Adler aber fliegen keine Winkel…

Alligator

Alligator

Alligatoren sind schneller…

Alligatoren tun sich mit harten Bewegungen zur Seite ebenfalls schwer. Geradeaus aber sind die Ur-Reptilien schneller als jeder Golfer. Stellen sie in der großen Zahl, in der sie auf den Golfplätzen hier vorkommen, eine Gefahr dar? „Absolut nicht“, sagt Mike Vegis und schüttelt entschieden den Kopf, „hier ist noch nie etwas Ernsthaftes passiert. Wir lassen die Alligatoren in Ruhe und sie uns. Nach seinem Ball, der irgendwo im Wasser gelandet ist, sollte man hier allerdings nicht suchen.“ Mike muss es wissen, schließlich hat er den Ocean Course „ein paar hundert Mal gespielt“. Viele Runden davon dienstlich, denn Mr. Vegis ist „Director of Public Relations“ des Kiawah Island Golf Resorts.

September 1991, Kiawah Island, letztes Grün im letzten Flight des Ryder Cups: Bernhard Langer verschiebt den 1,80-Meter-Putt zum Sieg über Hale Irwin hauchdünn. Das Match wird geteilt, die Amerikaner holen sich den Cup mit 14,5:13,5 Punkten zurück.

September 1991, Kiawah Island, letztes Grün im letzten Flight des Ryder Cups: Bernhard Langer verschiebt den 1,80-Meter-Putt zum Sieg über Hale Irwin hauchdünn. Das Match wird geteilt, die Amerikaner holen sich den Cup mit 14,5:13,5 Punkten zurück.

Der Ocean Course, der 1991 gerade nochrechtzeitig zum Ryder Cup fertig geworden war, hat viele ganz große Turniere gesehen. Zweimal zum Beispiel den World Cup (1997 gewann Irland, 2003 Südafrika), vor drei Jahren die PGA Championship mit dem glanzvollen Sieg von Rory McIlroy. Und weil dieses Major für Profis, Zuschauer und auch das Fernsehen richtig gut lief, hat die United States Professional Golf Association ihre hauseigene Meisterschaft fürs Jahr 2021 wieder an den Ocean Course vergeben.

Bis dahin wird er durchaus anders aussehen als heute, ohne dass großes Gerät eingesetzt werden müsste. Mike Vegis erklärt: „Durch den Einfluss des Atlantiks und die zum Teil sehr starken Winde verändern sich Fairways und Grüns. Die Bunker zum Beispiel werden immer tiefer.“

Und immer ausladender, wobei Star-Architekt Pete Dye schon vor mehr als 20 Jahren riesige Bunkerlandschaften anlegen ließ. Die wechseln sich ab mit sattgrünen Fairways und großen Marschflächen, bei denen man nie weiß, ob sie noch Land oder schon Meer sind. Dazu kommen robuste, leuchtend gelb, rot und grün schimmernde Dünengräser – und die satten Blautöne des Atlantiks und des Südkarolinischen Himmels. Dyes Frau Alice hatte damals angeregt, den gesamten Kurs doch erhöht zu bauen, um von jeder Bahn den freien Blick aufs Meer zu haben.

Den hat man; dafür aber gibt es auch den Wind genauso frei dazu. Bis zu acht Schläger Unterschied, so sagen die Einheimischen, könne der Wind aus- machen. Wo bei Rückenwind ein Eisen 8 reicht, kann man bei Gegenwind schon mal locker ein Holz zücken.

Kein Wunder, dass der Ocean Course zu den schwierigsten Plätzen der USA gehört. Wer aber sagt denn, dass wir Amateure immer von den „normalen“ Tees abschlagen müssen. Nehmen Sie sich die Freiheit, weiter vorn abzuschlagen. Und die Zeit, dieses Gesamtkunstwerk zu genießen, auch wenn unser Adler vielleicht gerade einen Ausflug macht.

   Große Zedern und Eichen stehen am 3. Grün des Osprey Golf Courses auf Kiawah Island. Das Par 3 führt bis zu 160 Meter über das Marschland.


Große Zedern und Eichen stehen am 3. Grün des Osprey Golf Courses auf Kiawah Island. Das Par 3 führt bis zu 160 Meter über das Marschland.

Im Zeichen der Palmettos

Zum Kiawah Island Golf Resort gehören vier weitere richtig gute Plätze. Wenn der Ocean Course der große, ungezähmte Bruder ist, so präsentiert sich der Osprey Point Golf Course als reifere, rassige Schwester. Architekt Tom Fazio hat auf den 18 Bahnen die so verschwenderisch wuchernde Natur brillant eingesetzt. Man spielt um vier natürliche Seen herum oder auch mal darüber hinweg, umkurvt die tief in den Platz reichenden Zungen Marsch- land und liegt schon mal unter großen Kiefern, Magnolien, Eichen oder Palmetto-Palmen, die 1861 sogar in die offizielle Flagge South Carolinas eingefügt wurde.

1861 – am 12. April des Jahres begann mit dem Beschuss von Fort Sumter durch die Konföderierten der Amerikanische Bürgerkrieg. Dieser erste Schuss war, so steht es in den Annalen, auf Kiawah Island zu hören, weil die Insel nur rund 30 Kilometer von Charleston entfernt ist.

An der Stelle, wo heute der Links of Stono Ferry verläuft, war man deutlich dichter dran, hörte den Schuss also noch lauter. Fast ein Jahrhundert früher, am 20. Juni 1779, waren sie hier sogar mittendrin. Im Unabhängigkeitskrieg bekriegten sich Briten und amerikanische Patrioten genau da, wo heute die Bahnen 12, 13 und 14 verlaufen. Der Kampf verlief kurz und brutal und forderte mehr als 300 Tote in nur zwei Stunden. Beim Bau des Golfplatzes wurden Reste der Befestigungsanlagen gefunden und rechts neben dem 12. Fairway wieder aufgebaut. Die Kanone, die Sie links oben im Foto sehen können, steht an der 13 und stammt aus dem Bürgerkrieg.

Weit reichen die Ausläufer des Intracoastal Waterway an der 14. Bahn in den Stono Ferry Golf Links hinein. Das zauberhafte Par 3 ist bis zu 140 Meter lang.

Weit reichen die Ausläufer des Intracoastal Waterway an der 14. Bahn in den Stono Ferry Golf Links hinein. Das zauberhafte Par 3 ist bis zu 140 Meter lang.

Heute fliegen hier nur noch Golfbälle; die 18 Löcher des Links spielen sich ausgesprochen friedlich. Als Parkland-Platz schaukeln sie sich hoch, bis es eben auf den zweiten Neun an den Stono River und den Intracoastal Waterway geht – ein wunderschönes Szenario auf historischem Grund.

Das Erste, was im RiverTowne Country Club von Charleston auffällt, ist das riesige Clubhaus. Hier wird, wie bei den gerade entstehenden Immobilien drumherum, geklotzt. Deshalb durfte es bei der Anlage der 18 Löcher auch einer der bekanntesten Architekten sein. Es ist „der King“ geworden, Arnold Palmer. Von den Pro-Tees ist der Kurs ein harter Brocken, von allen anderen ein entspanntes Vergnügen. Die Fairways sind superbreit, die Grüns megagroß und mit vielen Breaks. Das einzige „Problem“: Von einigen Abschlägen muss man erstmal über 150 Meter Marschland oder Wasser – das aber ist auf einem Palmer-Platz nun wirklich nicht zu viel verlangt.

Die Grüns in RiverTowne sind richtig groß und haben Platz für entsprechend viele Breaks.

Die Grüns in RiverTowne sind richtig groß und haben Platz für entsprechend viele Breaks.

Palmer ist schon gut, das Duo Pete Dye / Jack Nicklaus aber einen Zacken schärfer. Beide sind verantwortlich für das aktuelle Erscheinungsbild des Harbour Town Golf Links auf Hilton Head Island im Südzipfel South Carolinas. Die 18 mit dem weiß-rot gestreiften Leuchtturm (die Amerikaner sprechen vom „lollipop lighthouse“) hinter dem Grün gehört zu den bekanntesten Golfbahnen der Welt. Jedes Jahr trifft sich die Weltelite hier zur RBC Heritage, liefert entsprechend aufregende Fernsehbilder. Allein: Nur die letzten beiden Bahnen verlaufen tatsächlich zum oder am Calibogue Sound, dem idyllischen Atlantik-Ausleger. Die ersten 16 führen als sehr hochwertiger, aber doch ziemlich typischer Resort-Platz durch große Baum- und Häuserreihen. Deshalb gibt es von uns „nur“ fünf Sterne.

Ein bisschen Kunst darf sein: Dieses Foto, das Troy Merritt bei der RBC Heritage auf der berühmten „Leuchtturm-Bahn“ von Hilton Head zeigt, haben wir leicht verfremdet.

Ein bisschen Kunst darf sein: Dieses Foto, das Troy Merritt bei der RBC Heritage auf der berühmten „Leuchtturm-Bahn“ von Hilton Head zeigt, haben wir leicht verfremdet.

Harbour Town noch besser

Der hohe Qualitäts-Anspruch, den sie im vornehmen Sea Pines Resort pflegen (Harbour Town gehört dazu), soll sich im Zustand des Platzes widerspiegeln. Deshalb haben sie ihn nach der RBC Heritage im April geschlossen. Abschläge, Fairways und Rough bekamen Celebration Bermuda-Gras, das bei vielen Greenkeepern als das beste für heiße Regionen gilt. Auf den Grüns wurde das Tif-Eagle Bermuda-Gras erneuert, das sich seit 2001 bewährt hat; eine hochmoderne Beregnungsanlage sorgt für optimale Wachstumsbedingungen. Ende September wird der Harbour Town Golf Links wieder eröffnet. Ist auch höchste Zeit, denn die Buchungslisten für die kommenden Monate sind schon ziemlich voll.

Auf dem Old South Golf Links in Bluffton ist man da entspannter. Er liegt kurz vor der Brücke nach Hilton Head, also noch auf dem Festland. Das aber sieht nicht zwingend so aus, denn der Harbour River und das ihn begleitende Marschland schlängeln sich an vielen Stellen des Kurses vorbei.

Die Bahnen 13 und 15 sind die einzigen, an denen kein Wasser ins Spiel kommt. Musterbeispiel ist die 16, ein Par 4 über rund 350 Meter. Der Drive über das Marschland muss schon gut 160 Meter lang sein, um die Landezone zu erreichen. Von dort bleibt dann ein zweiter Schlag, der komplett über Wasser auf ein kleines, von zwei Pot-Bunkern bewachtes Grün führt. Sie merken schon: Hier sollten Sie ein paar Bälle mehr einpacken.

Zwischen dem Ocean Course von Kiawah und Old South kurz vor Hilton Head liegen weniger als 200 Kilometer, golferisch aber Welten – obwohl der Platz in Bluffton unsere Viereinhalb-Sterne-Wertung absolut verdient hat. Beide stehen als Beleg für die hochwertige golferische Vielfalt, die South Carolina zu bieten hat. Dabei haben wir die Region von Myrtle Beach im Norden diesmal gar nicht berücksichtigt. Das holen wir in einer späteren Ausgabe nach!