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25. BMW International Open: Die Rückkehr einer Golflegende

München – Wenn man den Major-Sieger Paul Azinger nach seinem größten sportlichen Erfolg befragt, zögert der Mann, den sie Zinger nennen, nicht lange: Der Sieg als Kapitän des amerikanischen Ryder-Cup-Teams 2008 ist das Highlight meiner Karriere. Mit einer ausgefeilten Strategie, die sogar in Buchform vorliegt (Cracking the Code), gelang es Azinger vor fünf Jahren, die seit 1999 anhaltende US-amerikanische Niederlagenserie im wichtigsten Mannschaftswettbewerb des Golfsports kurzzeitig zu beenden.

 

Natürlich war der Ryder Cup auch bei Azingers Besuch anlässlich der Auftaktpressekonferenz zur 25. BMW International Open ein Thema, ehe der inzwischen zum Vollbartträger gewordene 53-Jährige eine interessante Feststellung machte: Aber nur ein ganz kleines Bisschen nach dem Ryder Cup 2008, sagt er und presste Daumen und Zeigefinder seiner rechten Hand sehr eng aufeinander, kommt dann auch schon mein Sieg bei der BMW International Open hier in München.

Kenner der bald 25-jährigen Turniergeschichte des einzigen European-Tour-Events auf deutschem Boden wissen natürlich, dass Azinger in München nicht nur einmal erfolgreich war, sondern dass er und der Däne Thomas Björn jene zwei Spieler sind, die die BMW International Open zweimal schon gewinnen konnten. Und das sehr Besondere an Azingers München-Siegen war: Sowohl 1990 als auch 1992 gewann er im Stechen, und beide Male fiel die Entscheidung auf der 16. Spielbahn des Golf Clubs München Eichenried.

Aber dass sich der Mann, der seit einigen Jahren als Experte für US-amerikanische TV-Sender arbeitet, insbesondere an seinen ersten Sieg in München noch sehr lebendig erinnert, hat nicht allein damit zu tun, dass er im Stechen nur einen Gegner hatte statt der vier Kontrahenten zwei Jahre darauf darunter übrigens auch der Deutsche und ewige Zweite der BMW International Open Bernhard Langer. Die BMW International Open, erläuterte Azinger, war nach der Open Championship das erste Turnier, das ich überhaupt in Europa gespielt habe. Und zudem ging es 1990 im Stechen nicht gegen irgendwen, sondern den damaligen Titelverteidiger David Feherty.

Die Vorkommnisse jenes 23. September 1990 sind nicht nur Azinger, sondern ebenso dem Nordiren Feherty in lebhafter Erinnerung geblieben. Kürzlich erst hatten sich die beiden Kontrahenten von damals in einem Interview für den US-TV-Sender Golf Channel noch angeregt über dieses Stechen in Aikenrikd unterhalten. Und als Azinger jetzt in München den Blick noch einmal zurück wendete, wurde ein besonders aufregendes Kapitel aus der langen Turniergeschichte der BMW International Open plötzlich noch einmal sehr gegenwärtig.

Ich erinnere mich noch sehr gut, begann Azinger. Ich spielte im Flight vor Feherty und verzog meinen Schlag auf der 18 weit nach links eigentlich out of bounds doch ich hatte Glück. Der Ball sprang vom Kopf eines Zuschauers zurück auf die Spielbahn, und so gelang mir noch das Birdie und damit der Einzug ins Stechen gegen Feherty. Und das habe ich dann für mich entschieden. Tatsächlich war es nicht nur Azingers erster Turniertitel in Europa, sondern dem Sieg in Eichenried folgten eigentlich erst die anderen großen Erfolge des Spielers Azinger: 1991 AT&T Pebble Beach National Pro-Am, 1992 Tour Championship und BMW International Open, 1993 Memorial und die US PGA Championship, was sein einziger Major-Sieg bleiben sollte.

Nicht nur seiner einzigen beiden Turniersiege auf dem europäischen Kontinent wegen, sagte Azinger, habe er viele sehr schöne Erinnerungen an München. Gern denke er auch an einen Besuch des Oktoberfestes zurück, als sein 1999 verstorbener, enger Freund und Golf-Kollege Payne Stewart beseelt auf dem Biertisch getanzt habe; in ihren Anfangsjahren fand die BMW International Open ja noch im September und Oktober statt. Auch für seine beiden kleinen Töchter, die mitsamt Mama den Papa nach Germany begleitet hatten, gab es Offenbarungen der besonderen Art. Bei einem kurzen Spaziergang im Englischen Garten begegnete uns plötzlich ein nackter Mann, da hatten die beiden Mädels dann auch das mal gesehen, erzählte Azinger und riss lachend die Augen weit auf. Und als 1991 seine Titelverteidigung wegen eines verpassten Cuts früh scheiterte, reiste er nicht wie andere Profis einfach ab: Ich habe den Veranstaltern kurzerhand angeboten, dass ich an meinem freien Samstag bei fürchterlichem Regenwetter eine Clinic fürs Publikum abhalte und wenn ich mich recht erinnere, war die ein recht anständiger Erfolg. Jedenfalls sind ein paar Leute vorbeigekommen.

Paul Azinger ist nicht nur ein ungeheuer sympathischer Zeitgenosse, sondern auch ein Mann, der Geschwindigkeit nicht abgeneigt ist. Als er bei einem Rundgang durch das BMW Museum in dem Schatzkammer genannten Raum anlangte, in dem prominente Meilensteine des BMW Designs ausgestellt werden, entfuhr es ihm beim Anblick des i8 Concept Cars: Wow! Sofort zückte Zinger sein Smartphone aus der Hosentasche und fotografierte das Fahrzeug. Das sieht sehr cool aus, sagte er und dann war es vollends um ihn geschehen. Denn in einer anderen Ecke des Raums hatte er eine BMW 90 RS, Baujahr 1973 entdeckt. Azingers Augen begannen zu strahlen wie die eines kleinen Kindes: Sie müssen wissen, ich bin ein großer Fan der BMW Bikes, sagte er und deutete auf den Klassiker: Oh Mann, seht euch diesen Motor an. Das ist noch ein Motor, oder? Und dann begann ein schier endlos scheinender Zinger-Exkurs über verschiedene Modelle, Baureihen und Designs von BMW Motorrädern.

Als Azinger wenige Stunden darauf das Clubhaus des Golf Clubs München Eichenried betrat, das er nach den zahlreichen Umbaumaßnahmen der Zwischenzeit überhaupt nicht wieder erkannte, wies Eichenried-Geschäftsführer Korbinian Kofler den Stargast auf die mit Fotos bestückte Siegerliste der BMW International Open hin. Wieder nahm sich Azinger sein Smartphone und schoss ein Erinnerungsfoto. Da konnte man durchaus auch den Stolz auf das vor mehr als 20 Jahren in München Erreichte bei der US-amerikanischen Golflegende aufblitzen sehen und natürlich drängte sich die Frage auf, ob man den mit seinem Start bei der Jubiläumsausgabe im Juni rechnen könne?

Das wäre wirklich eine schöne Sache, und ich habe heute auch erfahren, dass ich als Sieger des Turniers eine Wildcard von BMW erhalten würde, sagte Azinger. Aber ich will Ihnen nicht zu viel Hoffnung machen. Ich ringe noch mit dem Folgen einer komplizierten Schulterverletzung, und obwohl ich bald wieder ins Training einsteige werde, bin ich mir nicht sicher, ob ich bis zum Juni so weit bin. Ich will hier ja in München nicht einfach nur so mitspielen. Ich habe hier schließlich einen Ruf zu verlieren. Azinger lächelt nett, dann sagt er: Wir werden sehen.