Fore! Video-Interview mit Ecco Golfboss Michael Waack

GOLF MAGAZIN traf Ecco Golfboss Michael Waack bei der Vorstellung neuer Ecco-Golfschuhmodelle für die Saison 2016 in Kopenhagen – und auf ein paar persönliche Fragen. Sehen Sie hier unter der Rubrik „Fore!“ unser kurzes Interview.

Wer mehr über Michael Waack erfahren möchte? Vor wenigen Monaten bereits besuchten wir den Deutschen vor seiner Haustür am Ostseestrand von Neustadt in Holstein und widmeten ihm eine People-Story:

 

Ortstermin am Neustädter Ostseestrand: GM-Redakteur Kolja Hause (l.) und Michael Waack.

Ortstermin am Neustädter Ostseestrand: GM-Redakteur Kolja Hause (l.) und Michael Waack.

Der Herr der Schuhe

Michael Waack kommt unangemeldet in die GOLF MAGAZIN-Redaktion. Unter dem Arm trägt er Ecco-Golfschuhe, als er das Büro vom damaligen Chefredakteur Dieter Genske betritt. Der lässt sich vom gut gelaunten Hanseaten mit Hamburger Schnauze schnell um den Finger wickeln. Waack lädt die Redaktion ins dänische Tønder ein. Wir sollen uns die junge Golfsparte von Ecco dort einmal ansehen. Daraus könne bald mehr werden. Kurz darauf veröffentlichen wir die erste Story. Inhalt: Da tut sich was im Staate Dänemark.

Elf Jahre später treffen wir den inzwischen bei Ecco zum Head of Global Golf aufgestiegenen Waack im Hafencafé von Neustadt in Holstein, seinem Wohnort in der Lübecker Bucht. Er erscheint im Business-Look: Golfpullover, Golfhose und am Fuß das Baby, das ihn berühmt gemacht hat – der Ecco Street Golfschuh. Waack bestellt Milchkaffee und Käsebrötchen. Er weiß, er hat viel zu erzählen. Mehr als ein schmaler Happen ist nebenbei nicht drin.

Als der Ecco-Mann damals in die GOLF MAGAZIN-Redaktion kam, hatte er gerade den zuvor vom Vater übernommenen Autohandel in Hamburg samt Immobilien verkauft. 20 Jahre lang widmete er sich nach Lehre bei Unilever und Volkswirtschaftsstudium hauptsächlich Mercedes und Jaguar. Verkaufte anfänglich die Autos mit Gewinn, die er kurz zuvor selbst gekauft hatte, nachdem sie morgens im Hamburger Abendblatt annonciert waren. „Ich kann mit Geld umgehen“, sagt Waack stolz, „als Kaufmann musst du deinen Gegenüber einscannen können. Wer führt das Gespräch?“ Heute im Café führt der Ecco-Boss. Nach knapp einer halben Stunde gelingt ihm erst der erste Bissen von seiner Käsestulle. Der Kaffee ist längst kalt.

Wie kommt einer der größten Schuhhersteller der Welt ausgerechnet auf einen Autoverkäufer? „Du musst dich nachts rumtreiben“, verrät der „extrem interessierte und erfolglose Hobbygolfer“ norddeutsch platt.

Waack war längst zum „Golfnerd“ geworden

1999 traf Waack bei einem abendlichen Essen mit einem Freund auf zwei junge Schweden. Die hatten gerade Cross Sportswear gegründet. Als er deren Regenanzug mit stretchbarer Membran kurz darauf während des Pro-Am auf Gut Kaden im Zuge der Deutsche Bank Players’ Championship trug, zeigten sich seine Flightpartner tief beeindruckt. Der eine war Gordon Mackintosh, Pro im GC Hamburg-Holm. Er bat Waack, mit einer Kollektion doch einmal in seinem Club vorbeizuschauen. „Ich war doch bloß Autoverkäufer“, erinnert sich der Rumtreiber, während er sich den zweiten Bissen von seinem Käsebrötchen gönnt. „Doch mein Freund, der zu dem Zeitpunkt für Cross die Skianzüge vertrieb, meinte, keiner könne Golfklamotten besser erklären als ich.“ Waack war längst zum „Golfnerd“ geworden, sog nach einer ersten Runde im Urlaub 1994 alles mit Golfbezug in sich auf.

Kleiderstange und Klamotte ins Auto und ab nach Holm. Beide wurden sich einig. Waack ließ sich auf Thermopapier ein Orderformular faxen und schon hatte er seinen ersten Deal in der Tasche. Die Kleiderstange blieb im Auto und da der damalige Mannschaftskapitän vom GC Brodauer Mühle ständig auf den Anlagen zwischen Ostsee und Hamburg unterwegs war, bot er die Cross-Ware auch anderen Proshops an. „Alle wollten die Dinger haben. Es entwickelte sich eine Eigendynamik“, schwärmt der Norddeutsche. Dank einem Mini-Stand auf der Golf Europe-Messe wurde auch Karstadt auf- merksam, dann Golf House. Ehe er es sich versah, war Waack Distributeur für Cross Deutschland. Für ihn bedeutete das drei Monate im Sommer Spaß und Neben- erwerb neben dem Autohandel. Leben konnte er davon nicht.

Kurz darauf trat auch schon Ecco in sein Leben. Den Teilzeit-Klinkenputzer trieb es mal wieder ins Hamburger Nachtleben. Im weltbekannten Jazzlokal „Onkel Pö“ traf er auf einer Geburtstagsparty einen Freund, der Verkaufsleiter bei Ecco war.

Ecco wolle auch ins Golfgeschäft einsteigen. Er bat Waack, von dessen Verkaufsgeschick er bereits Wind bekommen hatte, mal in der deutschen Geschäftsstelle vorbeizuschauen. Mit dem damaligen Geschäftsführer Flemming O. Nielsen hat es sofort gefunkt. „Es folgte echte Pionierarbeit“, erinnert sich Waack. „Ich besuchte die Clubs in ganz Deutschland, von denen ich mir Streuwirkung versprach.“ Knapp 100.000 Kilometer fuhr er mit seinem Privatwagen pro Jahr. „Hätte es nicht funktioniert, hätte man sich in Dänemark nur einmal kurz geschüttelt und aus.“ Waack aber setzte alles auf ein Karte. Verkaufte sein Autohaus und baute Schritt für Schritt einen Ecco-Golfvertrieb in den deutschsprachigen Ländern auf. In dieser Zeit brachten die Dänen zum Beispiel mit dem Casual Cool erstmals Farbe in die Schuhwände der Retailer. Und auch wenn die Branche anfangs lächelte – die Schuhe wurden gekauft.

„Bislang hatte ich ein schönes Leben“

2007 kam dann der Anruf der „Big Bosse“, als Waack gerade bei der BMW International Open in München arbeitete. Er flog sofort nach Tønder. Beim Barbecue wurde ihm die Leitung der Golfsparte angeboten. Doch der Deutsche zögerte. Noch nie war er fest angestellt. „Außerdem hatte ich bislang ein schönes Leben“, dachte er sich damals. Neben dem Schuhbusiness, betreute der Wasserliebhaber dank einer Neustädter Connection mehrfach im Jahr Golfreisegruppen bei Kreuzfahrten der Reederei Deilmann. „Ich konnte mich richtig ausleben“, schwelgt Waack noch heute.

Doch Ecco ließ nicht locker. Beim zweiten Treffen kam es zum Vertrag. Seitdem ist er Head of Global Golf bei Ecco. Alles, was bei den Dänen mit Golf zu tun hat, läuft über sein Büro. „Du hast
all die Jahre für Schuhe gekämpft, die du nicht bekommen hast, jetzt darfst du entscheiden“, überzeugte ihn CEO Dieter Kasprzak.