Nummer eins im Golf: Martin Kaymer

Idol Langer adelt den neuen Golfstar Kaymer

Marana (SID) – Den Ritterschlag nach der Thronbesteigung erhielt der neue deutsche Golfstar Martin Kaymer von seinem Idol und Vorgänger höchstpersönlich. „Es ist phänomenal, wie schnell er zur Nummer eins geworden ist, unglaublich. Er hat keine Grenzen“, sagte Bernhard Langer, als er während einer privaten Golfrunde von Kaymers Thronbesteigung hörte. Langer wurde am 6. April 1986 bei der Einführung des Rankings als erster und vor Kaymer einziger Deutscher auf Platz eins geführt. Er hielt sich drei Wochen an der Spitze.

Seinem Nachfolger sagt der zweimalige US-Masterssieger eine längere Regentschaft voraus. „Er schlägt den Ball weit und gerade. Sein kurzes Spiel wird auch immer besser. Für mich ist es keine Überraschung, dass er die Nummer eins ist“, sagte Bernhard Langer über die Gründe für den rasanten Aufstieg seines jungen Landsmannes, den er auf gemeinsamen Trainingsrunden kennen- und schätzengelernt hat.

Dass Kaymer bei der World Matchplay Championship in Marana durch die Final-Niederlage gegen den überragenden Engländer Luke Donald (3 und 2) das i-Tüpfelchen auf eine grandiose Woche verwehrt blieb, ging im allgemeinen Jubel unter. „Luke ist einer der konstantesten Spieler auf der Tour, und er ist wahrscheinlich derzeit der beste auf den Grüns“, sagte der 26-jährige Kaymer über seinen Bezwinger, mit dem er im vergangenen Oktober gemeinsam im siegreichen europäischen Ryder-Cup-Team stand.

Die Finalteilnahme in Marana unterstrich Langers These von den steten Weiterentwicklung Kaymers. Bis dato war das aggressive Spiel Mann gegen Mann um jedes Loch nicht so recht Kaymers Welt gewesen. In seiner Wahlheimat Arizona – er lebt nur rund 100 km entfernt von Marana in Scottsdale – zeigte er nun jedoch über mehrere Tage seine Klasse. Er ließ sich durch Rückschläge nicht aus der Ruhe bringen und überstand brenzlige Situationen durch gute Schläge im richtigen Moment.

„Seine mentale Stärke und sein Auftreten sind wirklich beeindruckend. Für den Golfsport in Deutschland ist Martin ein Glücksfall. Er wird hierzulande für einen Aufschwung sorgen. Es wird hoffentlich auch künftig mehr Golf im Fernsehen übertragen“, sagte Bernhard Langer, dessen Erfolge die Sportart in den achtziger und neunziger Jahren überhaupt erst ins Bewusstsein der Deutschen gehievt hatten. Zu mehr reichte es (damals) aber nicht, Golf fristete in der großen Tennis-Ära von Boris Becker und Steffi Graf medial ein Schattendasein.

Das könnte sich durch Martin Kaymer zumindest in Ansätzen ändern. „Das ist das, was der deutsche Golfsport braucht. Er ist ein großartiges Vorbild. Ich freue mich sehr für ihn und hoffe, dass er noch lange, lange dort oben bleiben wird“, sagte Langer.

Wohl nicht ohne einen klitzekleinen Hintergedanken, denn am 17. Mai wird im englischen Wentworth der Ryder Cup für das Jahr 2018 vergeben. Um den bewirbt sich auch Deutschland mit dem Standort Neuburg an der Donau. Frontmann und Gesicht der Bewerbung ist kein Geringerer als Bernhard Langer selbst. Und welches Argument ist bei der Kampagne stärker als das, neben dem siegreichen Ryder-Cup-Spieler und -Kapitän Langer auch die Nummer eins der Welt an Bord zu haben …