Kaymer glänzte auf seinen Back Nine

Kaymers Endspurt lässt hoffen – Stenson vorne!

„Wenn ich die nächsten 54 Löcher so spiele wie die zweiten Neun, kann ich noch gewinnen“, sagte ein selbstbewusster Kaymer nach 18 trockenen Löchern mit Dustin Johnson (-2) und Titelverteidiger David Horsey (-2) im Flight. Beinahe fünf Birdies waren dem Mettmanner auf den letzten fünf Löchern im bewölkten und speziell zur Nachmittagszeit sehr regnerischen GC München Eichenried gelungen. Nur an der 8, einem unspektakulären Par 3, schob er einen vermeintlich sicheren Birdie-Putt am Loch vorbei.

Ins Turnier gestartet war der Weltranglistendritte mit zwei Bogeys. Mit Günter Kessler feilt Kaymer derzeit an seiner Technik. Noch besser, noch perfekter soll sein Schwung werden.“Ich bin eben Perfektionist und leider noch nicht da, wo ich hin möchte“, entgegnet der 26-Jährige jenen Kritikern, die sich fragen, warum ein guter Schwung überhaupt umgestellt werden musste. Für die rund 3.000 Zuschauer, die am frühen Morgen den Flight Kaymer begleiteten, tut es ihm natürlich leid: „Ich möchte den Leuten natürlich etwas bieten. Dass ich jetzt inmitten einer Schwungumstellung bin, ist ein bisschen schade. Leider kann ich nicht so aggressiv spielen wie sonst.“
Dabei spielt sich der Platz laut Kaymer, den in Eichenried wirklich jeder kennt, sehr einfach. Die übrigen Scores bestätigen das. Die Führung hat zum Abschluss des ersten Turniertags der Schwede Henrik Stenson (-8) übernommen, der am Schlussloch sogar fast das zweite Eagle spielte. „Zwei mal ein perfektes Holz 3, leider pullte ich dann meinen Putt. Immerhin wurde es noch das Birdie“, freute sich der Sieger von 2006, der nach vielen mentalen und spielerischen Tiefs (u. a. Schlusslicht beim Masters 2011) in letzter Zeit wieder mit soliden Leistungen auffiel (Rang 23, US Open). „Ich bin glücklich über mein Ergebnis, aber eine Runde sind nur 25 Prozent. Ich habe noch einen langen Weg vor mir.“
Einen langen Weg haben auch noch Marcel Siem und European Tour-Spieler 2010 Stephan Gross JR vor sich. Ein guter Anfang ist aber bereits gemacht: Beide spielten eine 69 und liegen mit Rang 14 sehr gut im Rennen. Auch Florian Fritsch (even Par) und Alex Cejka (-1) konnten zufrieden sein. Cejka: „Mir geht es viel besser. Ich habe gut schwingen können, also eigentlich keine Ausrede“, sagte der 40-jährige Wahl-Amerikaner, der zuletzt mit einem gebrochenen Zeh und einem steifen Nacken zu kämpfen hatte.
Sehr enttäuschend lief es für Bernhard Langer, der wie Stenson und viele andere die meiste Zeit bei strömendem Regen spielen musste. Der Anhausener, dessen Antreten, aufgrund eines immer noch leicht lädierten Skidaumens, lange Zeit fraglich blieb, spielte eine 76 und befindet sich aktuell auf Rang 134.

Schön zu sehen war, wie gut sich die Kumpels Kaymer und Johnson auf der Runde verstanden. Da wurde viel gequatscht, ab und zu ein Schlag, weiter ging’s. Oft flogen ihre Drives in ähnliche Richtungen. Entsprechend traten sie den Gang zu ihren Bällen als 2er-Team an, während der vom Tee meistens kürzere Titelverteidiger David Horsey (-2) seine Runde fast alleine spielte. Dustin Johnson (DJ) und Kaymer sind optisch ähnliche Typen. DJ ist etwas größer und noch athletischer. Beide verstehen es aber, verdammt cool auszusehen, wenn Sie mit ihren weißen Kappen und blauen Polo-Shirts, vorbei an tausenden Zuschauern, über die wenig glamourösen Münchner-Fairways ziehen. Johnson ist einer, der wenig nachdenkt: justieren, Ball ansprechen, Schuss! Dabei wirkt er so, als könne ihm kein Baum, kein Bunker oder sonstiges Hindernis irgendetwas anhaben. Kaymer braucht gerade in Zeiten seiner Schwungstellung etwas länger. Lieber noch einen Probeschwung mehr er grübelt viel. Man merkt das! Morgen sind die beiden wieder gemeinsam am Tee. Wer vor Ort ist, sollte King Kaymer und DJ auf jeden Fall einmal live erleben. Job