Lydia Ko konnte mit nur 15 Jahren die Canadian Open gewinnen.

Wie ist das mit der Jugend? Der Wandel im Golfsport

Wir haben mit Stefan Eppenberger und Daniel Gygli, zwei Experten und passionierte Golfspieler, über das aktuelle Geschehen auf der Tour und die Entwicklung zum Breitensport gesprochen. Stefan Eppenberger ist Präsident des Golfclub Universität & ETH Zürich und hat ein Handicap von 4.4. Daniel Gygli ist Betreiber von www.mygolf.ch.

Die Neuseeländerin Lydia Ko hat mit ihren erst 15 Jahren die Canadian Open gewonnen und zählt schon jetzt zu den Hoffnungsträgern im Golfsport der Damen.
Woran machen Sie diese Entwicklung fest und wird sich der Trend in den nächsten Jahren noch verstärken?

Stefan Eppenberger:
Die Schweiz bleibt im internationalen Vergleich weiter ein Entwicklungsland im Golfsport. Doch man beobachtet hier zu Lande auf lokaler Ebene ebenfalls grosse jugendliche Begeisterung für den Golfsport. Dies geschieht meist dort, wo öffentliche aber auch private Clubs attraktive Konditionen für Jugendliche anbieten und diese sich in kollegialer Atmosphäre sportlich weiterentwickeln können. In Zukunft wird es wichtig sein, dass diese Jugendliche auch nach Ablauf ihrer schulischen Ausbildung im Golfsport gehalten werden können, was wiederrum zahlbare Konditionen auch in den Privatclubs voraussetzt. Leider richten private Golfvereine in der Schweiz ihr Clubleben meistens nur an den älteren Mitgliedern aus.

In den USA, aber auch in Skandinavien ist der Golfsport teilweise als Schulsport anerkannt.
Ist es sinnvoll, Golf auch im Sportunterricht an Schulen in Deutschland oder der Schweiz anzubieten?

Daniel Gygli:
Es ist sicherlich wichtig, dass man im Schulsport eine möglichst grosse Vielfalt an Sportarten erlernen kann. Jedoch bin ich mir nicht sicher, ob es nötig ist, in der Schule Golf zu erlernen. Heutzutage werden so viele erschwingliche Junioren-Kurse angeboten, dass jeder die Möglichkeit hat, hier einen Kurs zu besuchen.

Viele Unterarten sind aus dem Golf entstanden. Cross-Golf, bei dem Golf an allen Orten gespielt wird, die es zulassen, ist bei Jugendlichen eine Trendsportart geworden.
Wie beurteilen Sie diese Entwicklung und gibt es Möglichkeiten, wie man Jugendliche für die Mitgliedschaft in einem Golfclub begeistern kann?

Daniel Gygli:
Es ist gut, die Trendbewegung im Auge zu behalten. Wichtig ist jedoch, dass für Jugendliche spezielle Konditionen gelten. Golf für junge Leute muss sicherlich erschwinglich sein. Im Moment denke ich, dass es sehr viele Jugendliche gibt, die sich für den  Golfsport begeistern und dementsprechend auch Mitglied in einem Golfclub werden. Diese haben glücklicherweise verstanden, dass die Jugendlichen  die Zukunft sind und haben dementsprechend gute Angebote bereit gestellt.

Stefan Eppenberger:
Solche Entwicklungen sind zu begrüssen, denn sie machen den Sport an sich bekannter und attraktiver. Die Anspruchsgruppen von traditionellen Golfvereinen der Schweiz sind jene Sportbegeisterte wohl eher nicht. Cross-Golf ist sozusagen die Antwort auf die elitären Privatclubs in der Schweiz, welche viel Wert auf korrekte Etikette und ansprechendes Benehmen legen. Das Phänomen Cross-Golf zeigt mir jedoch primär, dass gerade der Schweiz eine Hand voll Golfplätze gut tun würden, welche sich durch eine etwas lockere Atmosphäre auszeichnen. In den anglosächsischen Ländern haben solche Plätze längst ihre Nischenstellung gefunden.

Forschungen haben ergeben, dass der Golfsport nicht nur gesundheitsfördernd ist, sondern  auch die Konzentration und das menschliche Miteinander stärkt. Welche positiven Eigenschaften bewirkt jahrelanges Golfspiel, was ich bei anderen Sportarten nicht habe?

Daniel Gygli:
Der Golfsport erfordert sehr viel Konzentration. Dementsprechend macht es keinen Sinn, Golf zu spielen und gleichzeitig seine Gedanken im Büro zu haben. Somit bietet der Golfsport einen super Ausgleich zum Büroalltag. Man muss wirklich abschalten und kann somit die Runde Golf richtig geniessen. Sie dauert nicht selten vier bis fünf Stunden. Man muss sich also in dieser Zeit hoch konzentrieren, legt einige Kilometer zu Fuss zurück, spricht mit seinen Mitspielern und hat zusätzlich noch die Bewegung beim Spiel. Das Golfen ist also sehr vielseitig. Im Normalfall spielt man nur gegen sich selbst. Auf der Runde hat man aber auch sehr viel Zeit, neue Leute kennen zu lernen.

Stefan Eppenberger:
Meines Erachtens sollte das Golfspiel zumindest in jüngeren Jahren nicht als alleinige Sportbeschäftigung ausgeübt werden. Eine 18-Loch-Runde Golf fordert zwar auch junge Golfer körperlich und letztlich auch mental. Der offensichtliche Vorteil des Sports ist jedoch sicherlich der, dass er bis ins hohe Alter ausgeübt werden kann. Das soll heissen, im Alter ist der Golfsport eine nützliche Hilfe für genügend Bewegung, in jungen Jahren steht der gesundheitsfördernde Aspekt beim Golfen nicht im Vordergrund.

2009 hat das Internationale Olympische Komitee beschlossen, dass der Golfsport ab 2016 wieder zu einer olympischen Sportart werden soll.
Wird dieser Event zum Massenphänomen Golf beitragen und wie müssten sich die Strukturen verändern, um noch mehr Menschen für den Sport zu begeistern?

Daniel Gygli:
Es ist sicher sehr positiv für den Golfsport. Durch die Olympischen Spiele wird das mediale Interesse ansteigen. Im Moment ist es leider so, dass es von vielen Golfevents praktisch keine Fernsehübertragungen gibt (außer PayTV). Dies würde sich bei den Olympischen Spielen sicherlich ändern. Die Strukturen der Golfanlagen in der Schweiz sind aber schon ziemlich gut aufgestellt und brauchen, meiner Meinung nach, keine Veränderung. 

Mehr Infos finden Sie hier:
www.mygolf.ch und Golfclub Universiät & ETH Zürich