15-07-22 Vorgabensystem 2016

Mehr Spaß bei Turnieren? Der EGA vereinfacht Vorgabensystem

Der Europäische Golf Verband vereinfacht das Vorgabensystem. Heißt: ab 2016 ist Schluss mit Pufferzonen und CBA. Verstanden hatten dies wahrscheinlich eh nur die wenigsten

 

Alle vier Jahre überarbeitet der Europäische Golf Verband (EGA) die Vorgabenbestimmungen für die jeweiligen Mitgliedsnationen in Kontinental-Europa. Und bei diesem hat sich der Deutsche Golf Verband (DGV) nun erfolgreich für eine Vereinfachung der Regularien für Freizeit-Golfer stark gemacht. Damit soll das vorgabenwirksame Spiel vor allem für höhere Handicapspieler attraktiver gemacht werden.

So entfällt in Zukunft die Heraufsetzung des Handicaps in der Vorgabenklasse 5 (Hcp 26,5 – 36). Ab 2016 kann man sich in dieser Handicapklasse also nach einzelnen vorgabenwirksamen Wettspiel- oder EDS-Runden nicht mehr verschlechtern. Die oft als kompliziert kritisierte Pufferzonensystematik entfällt dort. Für die „wettkampforientierten Spieler (laut DGV Handicap 26,4 und besser) wird die automatische Anpassung der Vorgabe nach einer vorgabenwirksamen Runde beibehalten.

Eine weitere Änderung zur nächsten Saison: die computergesteuerte Pufferzonenanpassung (CBA) wird abgeschafft – für alle! Diese hatte bisher bei überdurchschnittlich guten oder schlechten Ergebnissen vieler Wettspielteilnehmer zu einer automatisierten Anpassung der Spielergebnisse geführt. So kam es vor, dass man sich trotz eines „Puffer-Scores“ doch im Handicap verschlechtert hat, da die Großzahl des Turnierfeldes extrem gut gespielt hat und einem aufgrund dessen ein Punkt abgezogen wurde.

Auch die Automatik der jährlichen Vorgabenanpassung fällt weg und damit wird die Kennzeichnung der Vorgaben als aktiv oder inaktiv, wenn man im Vorjahr nicht mindestens drei Turnier gespielt hat, abgeschafft.

Aber es gibt auch Neuerungen: Man darf nun private vorgabenwirksame Runden (EDS) auf allen Golfanlagen spielen, die dem DGV angeschlossen sind. Bisher durfte man diese nur auf dem Heimatplatz spielen. Sich vorher im Sekretariat anmelden, muss man aber nach wie vor. EDS-Runden dürfen alle Golfer der Handicapklassen 2-6 spielen (also ab einem Handicap von -4,5).

Und: Das erste Handicap muss ab 2016 tatsächlich mit der nötigen Stableford-Nettopunktzahl erreicht werden. Mit dem Bestehen der Platzreifeprüfung hat man also ab nächster Saison nicht automatisch auch ein Handicap. Im DGV-Ausweis steht nun vorerst der Eintrag „PR“. Ein Handicap von 54 kann nun nur durch ein Spielergebnis aus einer vorgabenwirksamen Runde mit 36 Stableford-Nettopunkten über 18 Löcher oder 18 Stableford-Nettopunkten über neun Löcher erreicht werden. Falls der Spieler mehr Punkte erreicht, so erhält er auch dementsprechend das niedrigere Handicap.

Der Grund für die Änderungen? Spieler der höheren Vorgabenklassen nehmen laut Statistik immer seltener an vorgabenwirksamen Wettspielen teil. Mit den Vereinfachungen wollen EGA und DGV mehr Spieler auf den Platz und zu den Turnieren bringen – und damit auch das Clubleben wieder attraktiver machen.

Und ich glaube auch, dass das funktioniert. Die CBA-Systematik haben wahrscheinlich die wenigsten Golfer wirklich verstanden. Ab 2016 kommen die Spieler also wieder mit einem Ergebnis vom Platz,  das nicht noch einmal vom Computer analysiert und verändert wird. Denn tatsächlich ist es ja so, dass der Score auf dem Platz zählt – alle spielen bei Regen oder bei extremer Hitze. Manche kommen damit gut zurecht, andere weniger. Dennoch sollte man nicht den Computer über auf dem Platz erzielte Punkte entscheiden lassen. Fairer ist diese Regelung in jedem Fall – für alle Handicapklassen.

Super finde ich, dass man sich in der Vorgabenklasse 5 nun nur noch verbessern kann. Das nimmt auf jeden Fall die Angst vor Turnieren und macht den Spielern auch mehr Spaß. Und auch die Abschaffung eines inaktiven und aktiven Handicaps macht Sinn! Klar, gibt es „Handicapschoner“, die schwarzen Schafe der Golfclubs, die nur vereinzelt vorgabenwirksame Turniere spielen, um dann bei Team-Wettspielen von großen Sponsoren die Preise abräumen zu können. Aber man hat mit dieser Regelung auch alle anderen Spieler auf eine Art bestraft und das war nicht fair.

Ich glaube, dass man mit den Anpassungen tatsächlich wieder mehr Spieler der höheren Handicapklassen zu den Turnieren führen kann. Und den Dschungel aus komplizierten Richtlinien im Golfsport entwirrt es in jedem Fall – zumindest ein wenig.

Ab Herbst 2015 wird der DGV seine Mitglieder umfassend über alle Neuerungen informieren.

Mehr Infos zu den Neuerungen des Vorgabensystems gibt’s hier