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Medizinratgeber: Is‘ was Doc?

Wo zwickt es denn bei Ihnen? In unserer neuen Medizin-Serie beleuchten Stefan Quirmbach und Hans-Werner Buhmann die gesundheitliche Aspekte beim Golfen, zeigen körperliche Risiken und Strategien zur Prävention für einen anhaltend gesunden Golfschwung

Ein eingespieltes Team, von links: Stefan Quirmbach, Fotograf Stefan von Stengel und Hans Werner Buhmann beim Shooting im Hamburger Fotostudio.

Ein eingespieltes Team, von links: Stefan Quirmbach, Fotograf Stefan von Stengel und Hans Werner Buhmann beim Shooting im Hamburger Fotostudio.

Wieder eine Serie zum Thema Golf & Gesundheit. Worin unterscheidet sich diese

von der vorherigen?

SQ:  In der letzten Serie lag der Fokus auf der Darstellung der dynamischen Komponente beim Golfschwung. Wir wollten damit erreichen, dass das Golfspiel sein „lahmes“ Image verliert, denn immerhin ist es die „schnellste“ Sportart der Welt, wenn man den Ball beim Verlassen der Schlagfläche misst. In der neuen Serie möchten wir den gesundheitlichen Aspekt aufzeigen.

HWB: Wie bei anderen Sportarten gibt es auch beim Golf typische Verletzungen und Überlastungen. Wir werden die am häufigsten vorkommenden Verletzungen und Sportschäden beschreiben, deren Ursachen aufzeigen sowie auf Prävention und Rehabilitation eingehen.

Sprechen Sie mit der neuen Serie den Leistungsgolfer oder den Breitensportler an?

SQ:  Wir möchten beide Zielgruppen erreichen. Ein Leistungsgolfer versucht, seinen Körper und seinen Schwung so zu optimieren, dass er von einem hohen Niveau auf ein noch höheres kommt. Der Breitensportler sollte versuchen, seinen Schwung so zu verbessern, dass er seinem Körper nicht schadet und seinen Körper so zu trainieren, dass er bereit ist für den Schwung.

HWB: Einige der angesprochenen Verletzungen treten sowohl bei Leistungs- als auch Breitensportlern auf. Von den Überlastungen sind häufig ambitionierte Amateure betroffen, die mit hoher Frequenz und technischen Fehlern ihre Sportart ausführen.

Das Setup im Fotostudio gleicht einer Orthopädiepraxis: Hans-Werner Buhmann (links) und Stefan Quirmbach legen beim Aufbau der Kulisse für das Shooting Hand an.

Das Setup im Fotostudio gleicht einer Orthopädiepraxis: Hans-Werner Buhmann (links) und Stefan Quirmbach legen beim Aufbau der Kulisse für das Shooting Hand an.

Was sind Ihre konkreten Ziele mit der Serie? 

SQ: Wir wollen Wissen über den Zusammenhang zwischen dem Golfschwung und der Wirkung auf den Körper vermitteln. Sehr viele Golfer akzeptieren stillschweigend Schmerzen und werfen Pillen vor oder nach dem Golf ein. Wir haben bei sehr vielen Spielern erreicht, dass sie nicht nur weniger Schmerzen haben, sondern dass sie auch besser spielen.

HWB: Der Leser soll sich und seine Beschwerden bei den angesprochenen Problemen wiederfinden, einiges zu den möglichen Ursachen erfahren und Hinweise erhalten, wie Verletzungen zu vermeiden sind oder was er für eine schnelle Rehabilitation tun kann.

Also, besser spielen mit weniger Schmerzen! Können Sie diese Aussage konkretisieren? 

SQ: Bernhard Langer ist ein gutes Beispiel dafür. Er wusste, dass sein Griff für seine enormen Rückenschmerzen verantwortlich war, denn er musste durch eine ungünstige Unterkörperbewegung seine geschlossene Schlagfläche zum Impact hin begradigen. Das führte aufgrund der Dauerbelastung zu dem Schmerz. Er hat viele Jahre konsequent an der Neutralisierung seines Griffs gearbeitet und ist mittlerweile schmerzfrei. Und genauso verhält es sich bei vielen Hobbygolfern: Durch ihre gewohnte Technik gefährden sie bestimmte Gelenke.

HWB: Jede unphysiologische Bewegung führt, sofern sie nur häufig genug ausgeführt wird, zu Schäden am Haltungs- und Bewegungsapparat. Die Belastung beim Golfschwung wird oft unterschätzt. Umso näher die Technik des Golfschwungs an die natürlich vorgegebenen Bewegungsmuster unserer Gelenke und Wirbelsäule anknüpft, desto weniger entsteht eine schädigende Wirkung und ein besseres Ergebnis hinsichtlich der Länge und der Präzision des Golfschlags.

Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Golfpro vor?

SQ: Bei Golfern, die bereits gesundheitliche Probleme haben, beurteile ich medizinische Befunde vom Arzt auf „Golfverträglichkeit“.  Bei gesunden Spielern achte ich darauf, dass  die Techniken nicht die Gelenke belasten.

HWB: Patienten mit Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparats haben häufig den Wunsch, möglichst schnell wieder zu spielen. Als Arzt sollte man idealerweise nicht nur die richtige Diagnose stellen, sondern auch die Belastungen und Gefahren beim Golfschwung kennen, um die Betroffenen entsprechend beraten zu können. In Zusammenarbeit mit einem Pro kann dann auf Wunsch des Patienten ein Rehabilitationskonzept entwickelt werden.

Aber Golf hat doch einen Ruf als rücken-schädliche Sportart? 

SQ: Wenn der Schwung technisch unsauber durchgeführt wird, kann es zu Problemen kommen. Aber es kann auch als Therapie bei Rückenproblemen eingesetzt werden. Und ebenso verhält es sich bei Vorschädigungen wie einem Bandscheibenvorfall. Auch damit ist der Golfsport wunderbar auszuführen, wenn die Technik beachtet wird.

HWB:  Beim Golfschwung kommt es zu Rotationsbelastungen in allen Bereichen der beweglichen Wirbelsäule. Die Brust- und Lendenwirbelsäule sind aufgrund der Stellung ihrer Zwischenwirbelgelenke nur begrenzt für Rotationsbewegungen geeignet. Eine gut ausgebildete Wirbelsäulen stabilisierende Muskulatur schützt die Bewegungs-segmente und reduziert die Belastungen. Eine harmonische Drehbewegung, ausgehend von den Hüften und gleichmäßig verteilt auf alle Bewegungssegmente der Wirbelsäule, reduziert zudem auch Belastungsspitzen an einzelnen Gelenken oder Bandscheiben.

Gilt das auch bei künstlichen Gelenken? 

SQ: Selbst mit künstlichen Gelenken kann man weiterspielen oder das Spiel beginnen. Der amerikanische Golfpro Tom Watson hat ein halbes Jahr nach dem Einsatz seiner neuen Hüfte beinahe die British Open gewonnen. Auch mit neuem Knie- oder sogar mit neuem Schultergelenk lässt sich gut golfen. Ebenso auch nach  Versteifungsoperationen an der Wirbelsäule. Bei all dem gilt, dass der Golfer lernt, welche Bewegungen günstig und welche schädlich für die neuen Gelenke und sein Golfspiel sind.

HWB: Nach erfolgten Gelenkersatzoperationen (Endoprothesen) insbesondere nach Hüft- und Knieendoprothesen ist zunächst eine Heilungsphase und Zeit der Rehabilitation zum muskulären Aufbau und zur Verbesserung der Gelenkfunktion abzuwarten. Auch hier gilt, dass die gelenkstabilisierende Muskulatur einen wichtigen Schutzfaktor für das operierte Gelenk darstellt. In der Schwungtechnik sollte dem Kunstgelenk Rechnung getragen werden, auch hier kann durch kleinere Veränderungen schon im Setup eine Reduktion der Belastung erreicht werden.