SOS-Kinderdorf ebnet den Weg aus der Krise

SOS-Kinderdorf. Wenn Familien Hilfe brauchen.

Hier geht es nicht um den Golfsport im Lockdown, sondern „nur“ um Kinder. Nehmen Sie sich zwei Minuten Zeit und erfahren Sie, wie es Familien mit Kindern in der Zeit der anhaltenden Kontaktbeschränkungen geht und wie SOS-Kinderdorf diese Familien unterstützt, den Weg aus der Krise zu meistern und die Familien im Idealfall wieder zusammenführt.

Fallbeispiel Samira*

Ein gellender Schrei gefolgt von Geschimpfe, dann ein quälendes Schluchzen. Eine Tür fällt dumpf knallend ins Schloss. Was bleibt, ist das monotone Wimmern eines Kindes. Die 6-jährige Samira* versteht die Welt um sich herum nicht mehr. Nur noch selten darf sie außerhalb der Zweizimmerwohnung spielen. Einen Balkon gibt es nicht. Die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Mutter erhält Samira selten – es sei denn, sie hat in den Augen ihrer Mutter mal wieder etwas falsch gemacht. Dann kommt es auch meist zu Handgreiflichkeiten.

Bei Krisen in Familien hilft SOS-Kinderdorf. © SOS-Kinderdorf e.V./Sebastian Pfütze

Das 6-jährige zierliche Mädchen weint noch immer. Sie hat es doch nicht mit Absicht getan. Wegen ein paar verschütteter Tropfen Milch packte ihre Mutter sie rabiat am Arm. Das hinterlässt Spuren – nicht nur körperliche, sondern auch seelische.

Wenn Kinder Erwachsene überfordern

Samiras Augen brennen. Seit dem ihr Vater ausgezogen ist, weint sie noch mehr als früher. Sie vermisst ihn, doch wenn ihr Papa da ist, streiten ihre Eltern – nicht nur mit Worten. Immer wieder versucht Samira zwischen den Eltern zu vermitteln und zu schlichten, gerät dabei aber zunehmend zwischen die Fronten. Aggressionen, Handgreiflichkeiten und kaum Zeit für Zärtlichkeiten prägen den Alltag der 6-Jährigen. Geregelte Tagesabläufe mit festen Essenszeiten hat es in ihrem Leben noch nie gegeben und geborgen hat sich Samira schon lange nicht mehr gefühlt. Diese kleine Familie droht noch weiter zu zerbrechen.

Wenn Kinder missverstanden werden und es zu Gewalt kommt. © SOS-Kinderdorf e.V./Sebastian Pfütze

SOS-Kinderdorf kann helfen

Wenn Eltern hilflos sind und Kinder zu opfern werden, kann SOS-Kinderdorf mit verschiedenen Projekten und Beratungsangeboten helfen. Denn Familien in Krisen müssen nicht immer getrennt werden. Ausgebildete Pädagogen nehmen sich den kleinen und großen Familienkrisen an und arbeiten gemeinsam an Lösungsansätzen. Es gibt viele Projekte von SOS-Kinderdorf, die auf die Unterstützung von privaten Förderern angewiesen sind. Lesen Sie hier, wie Sie persönlich helfen können! Finden Sie heraus, wie Sie schon mit einem kleinen finanziellen Beitrag, großes Bewirken können. Kontakten Sie gerne Frau Schreiner von SOS-Kinderdorf: grossesbewirken@sos-kinderdorf.de

Fallbeispiel Samira drohte zu eskalieren – SOS-Kinderdorf konnte helfen

In Samiras Fall kommt es kurz vor der endgültigen Trennung ihrer Eltern zu einem Polizeieinsatz. Ein Streit der Eltern eskaliert und auch Samira, die ein zunehmend aggressiveres Verhalten aufzeigt, wird laut. Die Nachbarn rufen die Polizei. Schon wieder ist es Samiras Schuld. Immer macht sie etwas falsch. Vorübergehend zieht die Mutter mit ihrer Tochter in ein Frauenhaus. Zwar ist es dort auch nicht schön, aber da hat Samira zumindest ein paar Freundschaften geschlossen. Zurück in der Wohnung fühlt sich Samira seit dem Corona-Virus eingesperrt und ihr Verhalten hat sich in den vergangenen Monaten deutlich geändert, was auch ihren Lehrern aufgefallen ist. Fremden gegenüber ist sie distanzlos und sucht Nähe, im Unterricht wirkt sie desinteressiert und ihre Leistungen haben deutlich nachgelassen

Corona verschärft die Situation in Familien

Durch die Corona-Pandemie sind familiäre Probleme vielschichtiger geworden, weiß Heidrun Boye. Die Pädagogin arbeitet für die ambulanten Hilfen zur Erziehung im SOS-Kinderdorf in Hamburg und berät Familien in Krisen. „Früher hatten Familien, die zu uns kamen, ein oder zwei konkrete Probleme, heute haben sie mit vielen Problemen gleichzeitig zu tun“, sagt Boye. Es gibt zunehmend Fälle wie den der 6-jährigen Samira. Familienhierarchien geraten in Schieflage, wobei Kinder zu früh die Rolle der Erwachsenen übernehmen müssen.

Kein Ausweg aus der Familienkrise? Bei SOS-Kinderdorf gibt es Familienberatungen. © SOS-Kinderdorf e.V./Sebastian Pfütze

„Ich habe während den Ausgangsbeschränkungen viel Überforderung erlebt. Kita, Schule, Spielplätze und Freizeitaktivitäten fielen auf einmal völlig weg. Gerade diese entlasten und strukturieren den Alltag der betreuten Familien“, berichtet die Pädagogin.

In Samiras Familie sind die Probleme vielfältig. Die getrennten Eltern sind im Dauerstreit, bedingt durch den Corona-Virus kommt es durch Kurzarbeit und Jobverlust zu finanziellen Nöten und folglich erhöhen sich die Schulden. Die verschärften Kontaktbeschränkungen zur Außenwelt und das Leben auf beengtem Wohnraum befeuern die ohnehin prekäre Lage.

Zahlen der Kindeswohlgefährdung steigen

Derartige Faktoren wie in Samiras Fall erhöhen das Risiko von Gewalt gegenüber Kindern und die Zahlen der betroffenen Kinder steigen jährlich an. Dann müssen Kinder zu ihrem Schutz aus den Herkunftsfamilien genommen werden, was immer häufiger erfolgen muss, wie die Zahlen zeigen: 1995 gab es 23.432 Inobhutnahmen wegen Kindeswohlgefährdungen oder auf Bitte der Kinder, 2018 bereits 40.389. (Hiervon ausgenommen sind 12.201 Aufnahmen minderjähriger Flüchtlinge nach unbegleiteter Einreise.) Dies entspricht: Alle 13 Minuten muss ein Kind in Deutschland zu seinem Schutz aus der Ursprungsfamilie genommen werden.

„Das Ausmaß der Pandemie für Familie können wir noch nicht absehen“, sagt SOS-Kinderdorf-Pädagogin Heidrun Boye.

Damit es erst gar nicht so weit kommen muss, hilft SOS-Kinderdorf mit verschiedenen Projekten – helfen auch Sie!

 

Wenn SOS-Kinderdorf die Rettung ist

SOS-Kinderdorf greift ein und unterstützt Familien in akuten Notsituation – so wie in Samiras Fall. Die 6-Jährige kommt in die Notbetreuung. Ihre Mutter wird von der ambulanten Hilfe von SOS-Kinderdorf und einem zusätzlichen psychologischen Dienst unterstützt. Ein Notfallplan soll der Mutter helfen, wie sie künftig bei Überforderung reagieren kann, um für sich und ihre Tochter gute Lösungen und Entlastung im Alltag zu finden.

Trotz der Nothilfe ist Samiras Zukunft ungewiss. Der Fall wird aktuell von einem Familiengericht geprüft. Dort wird über die Zukunft des 6-jährigen Mädchens entschieden. Es wird sich zeigen, ob die Eltern von Samira auch langfristig in der Lage sind, sich um das Kind zu kümmern. Im schlimmsten Fall muss Samira aus der Familie genommen werden.

SOS-Kinderdorf hilft aus dem Weg aus der Krise

Es muss nicht so weit kommen, dass Kinder wie Samira ihren Familien entrissen werden. SOS-Kinderdorf hilft Eltern, einen Weg aus der Krise zu finden und unterstützt sie in dringenden Notlagen. Dazu gibt es eine Reihe präventiver Maßnahmen, die Familien, Eltern und Kinder mit Rat und Tat zur Seite stehen und sie stärken, die nächste Krise selbst gut bewältigen zu können.

Pädagogen und Fachpersonal von SOS-Kinderdorf kümmern sich um Familien und deren Zusammenhalt. © SOS-Kinderdorf e.V./Sebastian Pfütze

„Unser Appell an die Familien ist, sich Rat zu holen, wenn die Belastungen zu hoch werden. Natürlich kommen Eltern momentan in Grenzbereiche. Aber es gibt Lösungen; durch Beratung und Unterstützung kann man sich Luft verschaffen. Wir rufen Eltern dazu auf, darauf auch zurückzugreifen und sich externe Hilfe zu holen, bevor Grenzen überschritten werden und Kinder in Gefahr geraten“, sagt Niels Meyring, Bereichsleiter im SOS-Kinderdorf Worpswede.

*Name, biografische Details und Abbildungen wurden zum Schutz der Personen geändert.

Spendenbeispiele von SOS-Kinderdorf

  • Sie können eine SOS-Kinderdorf-Gemeinschaft sowohl in Deutschland, als auch im Ausland (Europa, Afrika, Amerika, Asien) auch schon mit Kleinbeträgen unterstützen.
  • Die zahlreichen Beratungsstellen von SOS-Kinderdorf möchten auch in Zukunft rechtzeitig helfen: Die Sachkosten für Bücher und Testmaterialien übernehmen Sie zum Beispiel für 3.500 Euro.
  • Damit der Alltag wieder besser bewältigt werden kann: Die Krisenhilfe für Unterstützung in Erziehungsfragen und Konfliktsituationen finanzieren Sie beispielsweise mit 5.000 Euro.

Finden Sie heraus, wie ihr persönliches Engagement für SOS-Kinderdorf aussehen könnte. Hier erfahren Sie mehr…