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Deutsche on Tour: Jeremy Paul

Deutsche on Tour: Jeremy Paul
Jeremy Paul auf der Korn Ferry Tour in Newburgh, Indiana

Die Karriere hatte bisher einen konstanten Verlauf. 2010 ging es in jungen Jahren in die USA. Dann: Studium an der University of Colorado, Wechsel ins Profilager. Erste Erfolge auf der Pro Golf Tour folgten. GM stellt euch Deutsche On Tour vor, heute: Jeremy Paul

Nach drei Jahren auf der PGA Tour of Canada konnte sich der heute 29-Jährige auf der Korn Ferry Tour etablieren. 2022 belegte er in der Saisonwertung der Sprungbrettliga zur PGA Tour nach einigen Top-Ergebnissen Rang 37. 2023 lief es dann nicht mehr so gut.

Zwar gehörte Paul vom langen Spiel her nach wie vor zur Elite, belohnte sich aber zu selten mit konstant niedrigen Ergebnissen. Am Ende sprang nur eine Platzierung unter den Top zehn heraus. Ein Rückschlag. Immerhin: Der Klassenerhalt gelang. Obwohl das Niveau auch in der zweiten US-Liga enorm hoch ist, ist ein Dasein im Mittelfeld nur wenig lukrativ.

Ein erfolgreiches Geschäftsmodell »Profigolfer« ist darauf ausgelegt, möglichst wenig Zeit abseits der Erstklassigkeit zu verbringen. Vor allem, wenn im März bereits der 30. Geburtstag ansteht. Es durfte also etwas passieren.

Dass Paul das Zeug hat, sich auch auf dieser Tour in den Vordergrund zu spielen – und in der Folge in Richtung PGA Tour weiterzuziehen, zeigte er gleich beim ersten Turnier der neuen Spielzeit. Und wie: Paul war am Ende der „The Bahamas Great Exuma Classic“ derjenige, der die Hose hochkrempeln und mit den Füßen im Atlantischen Ozean samt Pokal posieren durfte. Zuvor hatte er die abschließenden 43 Bahnen des Turniers ohne Schlagverlust absolviert und sich trotz später Birdie-Attacke seines Kontrahenten Kevin Roy mit einem Schlag Vorsprung durchgesetzt. Sein erster Sieg war eine Bestätigung für die harte Arbeit.

Dabei war das stabile Spiel am Finaltag keineswegs selbstverständlich. »Ich habe nicht besonders gut geschlafen«, gestand er im Tour-Interview. »Das Hotelzimmer ist der ungünstigste Ort, wenn man alleine ist und die Gedanken kreisen.«

Auf dem Platz war Paul dann wieder in seinem Element. »Ich wusste, dass ich den Ball wirklich gut treffe, und es ging nur darum, im Moment zu bleiben.« Trotz spürbarer Nervosität gelang gleich auf der Bahn 1 das erste Birdie. Die Runde kam mit weiteren Schlaggewinnen ins Rollen. Paul knüpfte an die bestechende Form der vergangenen Tage an und erlaubte sich keine Fehler.

»Überraschend stressfrei«, analysierte er seinen besonderen Arbeitstag. Und das obwohl sein Spielpartner mit drei Birdies auf den abschließenden drei Löchern den Druck erhöhte. »Ich habe den ganzen Tag nicht aufs Leaderboard geschaut und wollte einfach keine Fehler machen«, verriet der Sieger, der seinen Caddie erst beim Gang auf das 18. Grün fragte, wie es denn auf dem Leaderboard eigentlich aussehe. Ein souveränes Par besiegelte den Titel – und einen perfekten Start in die Saison.

Motivation zog Paul dabei auch von den Leistungen seines Zwillingsbruders Yannik Paul. Beide haben nun jeweils einen Tour-Titel in der Bilanz. Yannik siegte 2022 bei der Mallorca Open auf der DP World Tour und war nach konstanten Leistungen im vergangenen Jahr lange drauf und dran, sich für den Ryder Cup zu qualifizieren. Gemeinsam bereiteten sie sich auf die Saison vor. Ihr Spiel sei sehr ähnlich, kommentierte Jeremy, was ihn davon überzeugte, dass auch in ihm mehr steckt als er bisher zeigen konnte.

»Manchmal muss man an sich glauben, und manchmal ist der Weg etwas länger. Aber da er so gut spielt und wir die ganze Zeit zusammen trainieren konnten, hat mir das wirklich geholfen, denn ich habe das Gefühl, dass mein Spiel da ist.«

Die Bestätigung folgte auf den Bahamas. Auch wenn diese Saison noch jung ist: Die Grundlage ist geschaffen, dass es 2025 nach jeweils drei Jahren dritte und zweite Liga auf der großen Bühne der PGA Tour weitergeht. Die Top 30 der Saisonwertung sichern sich den Aufstieg. Vielleicht verbringen die beiden Paul-Zwillinge dann ja auch den Tour-Alltag wieder gemeinsam, sollte sich Yannik über die DP World Tour qualifizieren. Für beide würde sich ein Traum erfüllen.

Jeremy Paul

Geboren: 5. März 1994 in Frankfurt am Main
Privates: seit 2023 verheiratet mit der US-Amerikanerin Morgan Ruschmeyer
Wohnort: Scottsdale, Arizona (USA)
Profi seit: 2017
Erfolge: Sieger The Bahamas Great Exuma Classic 2024 (Korn Ferry Tour), Red Sea Ain Sokhna Classic 2019 (Pro Golf Tour)
Tour: Korn Ferry Tour
Preisgeld (Karriere): 572.758 US-Dollar
Ranking: 283. der Weltrangliste
Erste Erinnerung an Golf: ein signierter Ball von Justin Rose bei der Deutsche Bank Open