Montgomery Papillon GC.

Beleks Best

George spricht kein Deutsch, kein Englisch (zumindest kein dialektfreies) und Türkisch erst recht nicht. George ist Schotte – und an diesem Tag einer meiner Flightpartner auf dem neuen Montgomerie Papillon Golf Club in Belek. George (geschätzte 65, im Bild unten der 2. v. l.) trägt eine Brille und eine beigefarbene Ben Hogan-Kappe. Und George hat neben den heimischen Logobällen seine zwei Golfkumpel Allan und Clyde dabei: ebenfalls schottischer Natur, ebenfalls grinsend im Bild unten. Die Drei quasseln ein kaum zu verstehendes Kauderwelsch aus schottisch und englisch. Die Kommunikation zwischen George, Allan, Clyde und mir gestaltet sich entsprechend problematisch.

Die Herren sind ein eingeschworenes Golfteam, nehmen mich in ihren E-Carts jedoch gerne mit über die neuen Edelwiesen ihres Landsmanns. Der heißt Colin Montgomerie, ist amtierender Ryder Cup-Kapitän und hat hier gemeinsam mit „European Golf Design“ einen echten Hammer an Golfplatz erschaffen. Für 115 Euro Greenfee (im Packetpreis billiger) bekommt man eine der besten Parklandkursrunden in Europa geboten. Und das ist keineswegs übertrieben. Die Türkische Riviera strotzt vor gut gepflegten Golfclubs, und der im Oktober 2008 von Monty persönlich eröffnete 18-Löcher-Meisterschaftsplatz gehört ohne Zweifel zu Beleks Besten. Pinienwälder, alter Baumbestand soweit das Auge reicht. Waste-Bunker und fein geschwungene Sandhindernisse im Wechsel. Ondulierte und auf Tourniveau getrimmte Fairways und Grüns (pfeilschnell), die Abwechslung garantieren. Das Ganze in einem 1a-Pflegezustand. Die Marschroute von Clubmanager Cahit ahin ist dementsprechend klar geplant: „Wir wollen einer der besten Kurse in Europa
werden!“

Das Potenzial dafür hat Montys jüngste Kreation. Neben den zusätzlichen neun Übungslöchern und einem gut sortierten Trainingsgelände lockt das schmucke Clubhaus mit dem balkongespickten Turm zum Speisen und Verweilen. Auf lange Sicht gesehen soll hier sogar ein Resort entstehen, verrät ahin. Derzeit werden noch Villen um den Platz gebaut, die ab April dann zum Anmieten bereit stehen sollen. Wer so lange nicht mehr warten kann, bucht seinen schottisch angehauchten Türkeiurlaub am besten in Kombination mit den clubangehörigen Papillon-Partnerhotels (alle 5 Sterne). Und wer dann schon vor Ort ist, kann sich gleich die Jungs von der EPD-Tour (Europas dritte Golfliga) anschauen. Vom 4. bis 6. Februar findet hier erstmalig die Montgomerie Classic mit den Deutschen Pros Jochen Lupprian und Marcel Haremza statt. Sogar die Eisenhower Trophy (die Golf-WM der Amateure) ist für das Jahr 2012 in Planung. Und irgendwann, ergänzt Clubmanager ahin, „wird mit der Turkish Open auch die European Tour den Weg zu uns finden.“

Vergessene Perle in Belek

Große Pläne, große Ziele! Soweit ist man ein paar Kilometer weiter im westlicher gelegenen Tat Golf Club zwar noch nicht, doch auch hier hat man Großes vor. In diesem Jahr soll die 27-Löcher-Anlage – die einzige im Zentrum Beleks mit Meerblick – komplett überarbeitet werden, erzählt Consultant Manager Fredrik Hansson  aus Schweden. Dafür wird Beleks zweitältester Club (1996) mit Blick auf das Taurusgebirge zwischen Juni und Oktober komplett dicht gemacht. Schlecht für den Tourismus, doch nötig für den Platz. Die teils wunderschön in unmittelbarer Nähe zum Meer gelegenen, oft weitläufigen Bahnen können ein Facelifting gebrauchen. Teeboxen, Fairways und Grüns liegen zwar inmitten einer optisch sehr ansprechenden, natürlichen Dünenlandschaft, verlangen aber eine Überarbeitung, will man sich weiter an den hohen Golfstandards in Belek messen lassen.

Ganz zu schweigen von dem altbackenen (wenn auch türkisch  authentisch wirkenden) Clubhaus. „Auch das machen wir neu“, schwärmt Fredrik. Ein wichtiger Schritt, um die „vergessene Perle in Belek“, wie er den Platz nennt, wieder neu aufzupolieren. „Unser Ziel ist: mehr Prestige, mehr Qualität und mehr Service!“ Die Investition sollte sich auszahlen. Immerhin drehten hier im letzten Jahr über 35.000 Golfer* (siehe Fußzeile unter dem Kasten) ihre Runde. Das liegt zum einen an dem günstigen Greenfee (74 Euro ohne Package; preiswerter ist kein Platz in Belek), zum anderen an der unvergleichbar ruhigen, verkehrsarmen Lage sowie der grandiosen Aussicht auf das Mittelmeer.

Die bekommt man im benachbarten Kaya Eagles zwar nicht geboten, Wasser gibt es jedoch auch hier reichlich. An neun der 18 Bahnen kann man hier mit seinem Drive oder Pitch schon mal baden gehen. Das Besondere sind die aufgetürmten Steinwälle vor den nassen Gräben, Teichen und Seen, welche sich wie ein roter Faden durch die teilweise etwas ideenlos designte Anlage ziehen. Ansonsten ist der Kurs mit seinen breiten Spielbahnen, ebenen Fairways und den für Belek typischen Pinienwäldern relativ einfach zu spielen.
Vor über zwei Jahren weihte „Kaiser“ Franz Beckenbauer das Golfgelände höchst persönlich ein. Seitdem erfreut sich der Partnerclub des Eagles Charity Golf Club e.V. steigender Nachfrage. „30.000 Greenfeerunden wurden allein in 2009 gedreht“, verrät Clubmanagerin Alexandra Budak. „Mehr als noch 2008!“ Die Kölnerin sieht müde aus. Kein Wunder, im Herbst boomt Belek. Alle acht Minuten ein Flight. Jeden Tag, rund um die Uhr. Und das ist in vielen der zehn örtlichen Clubs mittlerweile die Regel.



Viele Angebote sind günstig, der Service ist zuverlässig

Die lassen sich übrigens durch diverse Pauschalangebote bunt miteinander kombinieren. Öger Tours (www.oegergolf.de) bietet diverse Golfpackages für Belek mit unterschiedlichen Golf- und Reisekombinationsmöglichkeiten an. Wer hier seinen Golfurlaub verbringen möchte, sollte auf jeden Fall pauschal buchen. So spart man viel Geld und Nerven. Denn viele Angebote sind günstig, und der (Golf-)Service vor Ort ist gut und zuverlässig. Und kommen Sie in der Hauptsaison: Oktober, November, März, April, Mai. Dann ist es meist sonnig und nicht zu heiß.

Krönender Abschluss im Golfmekka der Türken ist der Carya Golf Club. So viel vorweg: Der 18-Löcher-Championshipplatz ist die Wucht und optisch noch einen Tick schöner als der Montgomerie, weil er durch die markanteren Hügel noch etwas mehr Ondulierungen aufweist. Mehr kann man von einem Parklandkurs nicht verlangen: strandweiße Bunker mit viel Schnörkel, Fairways (teilweise durch Bäume geteilt) und wellige Grüns – das Ganze in einer leuchtenden Heidelandschaft, die ein Hauch britischen Charme versprüht. Peter Thomson – fünfmaliger British Open-Champ – gelang es, einen neuen, qualitativ hochwertigen Golfplatz (eröffnete 2008) in ein altes von Eukalyptus und Pinien geprägtes (ehemaliges) Sumpfgebiet zu integrieren.

Und was ist mit George? Als hätten sie auf mich gewartet, treffe ich George und seine Jungs am 18. Loch wieder. „Last Hole in Belek“, nuschelt George gewohnt unverständlich und grinst dabei. Im nächsten Jahr
wollen die drei wiederkommen.

Infos Belek

Lage: Belek liegt in der Türkei im Bezirk Serik etwa 30 km östlich von Antalya und erstreckt sich über mehrere Kilometer in unmittelbarer Nähe zum Kies- und Sandstrand. Neben Kemer und Side ist Belek einer der größten touristischen Orte an der „Türkischen Riviera“.

Klima: Die beste Reisezeit ist im Frühjahr und Herbst. Oktober und November sind sehr sonnensichere Monate. Der Winter ist zwar mild aber unbeständig, der Sommer zum Golfspielen zu heiß.

Währung: Türkische Lira. Der Euro wird fast überall akzeptiert.

Anreise: Direktflüge gibt es zum Beispiel über Türkei-Spezialist Öger Tours (www.oeger.de) oder Sun Express (www.sunexpress.de) von jedem größeren deutschen Flughafen. Hamburg International und Condor fliegen auch nach Antalya.

Unterkunft: Sehr zu empfehlen ist das 5-Sterne-Hotel Cornelia Diamond (www.corneliaresort.de). Der All-inklusive-Service ist sensationell. Es gibt Essen vom Buffet und à la carte. Der Zimmerservice ist ebenso im Paket inkludiert. Viele der schick eingerichteten Zimmer garantieren vom Bett und Balkon freie Sicht aufs Mittelmeer. Auch das Rixos Premium (5 Sterne; www.rixos.de/rixosbelek.html) lässt keine Wünsche offen, ist allerdings deutlich größer und damit etwas ungemütlicher als das Cornelia Diamond.

Gut zu wissen: Belek wurde in 2009 von diversen Hotelgästen auf dem Bewertungsportal Trivago (www.trivago.de) zum besten Badeort Europas gewählt.

Weitere Informationen: www.oegergolf.de; www.lauragolf.com; www.tourismturkey.org und Turkey Golf Specialist (www.tgspecialist.com).