Son Gual: Ein absoluter Spitzenplatz vom deutschen Architekten Thomas Himmel. Einziges Manko: Über der nord-westlichen Ausdehnung der Anlage setzen die Flieger zur Landung an.

Die Insel-Offensive

Golfplatzarchitekten bewerten die eigene Arbeit höchst ungern, und noch viel seltener lässt sich ihnen ein Urteil über den Platz eines Kollegen entlocken. Als wir aber kürzlich mit dem deutschen Star-Architekten Kurt Rossknecht den neuen, von Thomas Himmel (42 / dreifacher Deutscher Amateurmeister) gebauten Par 72-Course Son Gual auf Mallorca spielten, zollte der Lindauer seinem ehemaligen Hospitanten Himmel höchsten Respekt: „Das ist europäische Spitze. Von dieser Qualität findet man in Südeuropa nur wenige Plätze!“

Etwa Valderrama im spanischen Sotogrande oder auch Monte Rei und Vilamoura Victoria an der Algarve. Keine Frage, Son Gual ist ein absolutes Spitzenprodukt. An dem allerdings auch lange „gestrickt“ wurde. Vom Erwerb der 167 Hektar an der Landstraße Palma/Manacor durch den bayrischen Fensterbauer Adam Pamer (63) bis zur endgültigen Fertigstellung der Golfanlage gingen neun Jahre ins Land. Gäbe es einen Award für Geduld, Adam Pamer hätten ihn mehr als verdient.

In Son Gual wird oberste Qualität geboten

Mal ruinierte ein Unwetter die frische Einsaat, dann zerstörte stark verunreinigtes Brauchwasser aus Palma einige Fairways, und zuletzt verzögerten Mängel am Clubhausestrich die Eröffnung um mehrere Monate. Pamer ertrug alles mit Ruhe und Geduld, blieb seinem Credo („ist nicht alles tipp-topp, wird auch nicht eröffnet“) treu und darf sich nun über unzählige Komplimente freuen.

So einen langen Platz (6.621 m vom Championship Tee) mit so großen Grüns (im Schnitt 800 qm), so ausgedehnten Bunkerlandschaften (insgesamt 3,5 Hektar) und so viel Wasserhindernissen (28) hat die Insel noch nicht gesehen. Familie Pamer (Tochter Sabine ist Präsidentin von Golf Son Gual, Schwiegersohn Frank Fürhäusser fungiert als Golfdirektor und Vizepräsident) bietet oberste Qualität.

Amerikanisches Artificial-Design, perfekte, handgemähte Pen A-1-Grüns, die mindestens zu einer Seite in Senken auslaufen, topgepflegte Übergänge vom Fairway zu Vorgrün und Grün, 108 Abschläge (sechs pro Loch). Sportlich herausfordernd und gleichzeitig spielbar für alle Handicapklassen.    

Stichwort Wasser! Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Wer sich – speziell auf Mallorca – vor Grün- und Fairwayschäden durch verunreinigtes Wasser schützen will, errichtet eine Osmose-Anlage (Kosten rund 500.000 Euro). Familie Pamer ist aus Schaden klug geworden und verfügt mittlerweile sogar über zwei Wasseraufbereitungsanlagen. Um auch ja nichts dem Zufall oder Schicksal zu überlassen, verfügt die Osmose-Anlage in Son Gual sogar über ein Zwei-Linien-System mit Wassereingangskontrolle. Wird ein bestimmter Wert unterschritten, riegelt das Rohr automatisch ab und leitet das dreckige Palma-Wasser um. „Vor allem für die Sommer-
monate eine wichtige Einrichtung“, erklärt Golfdirektor Fürhäusser, „wenn viele Urlauber auf der Insel sind, geht die Wasserqualität nämlich deutlich runter.“

Für den Rest des Jahres gibt es  zwischen zwei und drei Stunden pro Tag Startzeiten für Greenfeespieler. Für 150 Euro pro Person – auch das ist Spitze auf Mallorca. Wer mit dem Cart fahren möchte, darf dies für 40 Euro tun, auch auf den Fairways!
2008 will man unbegrenzt Greenfeespieler zulassen, bevor man 2009 die Startzeiten für Gäste wieder limitiert und den Mitgliedern (Aufnahmebedingungen auf Anfrage) den Vortritt lässt. 400 bis 500 sollen es dann sein. Die aktuell prominenteste Anfrage stammt von Mallorcas Tennis-Held Rafael Nadal.
    
Der eingangs erwähnte Kurt Rossknecht legt gerade selbst auf der Insel Hand an. In einer Art Notruf-Aktion hat er das vom Spanier Ramon Espinosa begonnene Projekt „Son Quint“ der Arabella-Gruppe übernommen. Zum Glück konnte er noch in der frühen Bauphase eingreifen und verhindern, dass Mallorca einen weiteren Durchschnittsplatz bekommt. Rossknecht, der in der Vergangenheit für die Arabella-Gruppe bereits Son Muntaner entworfen hat und Son Vida redesignte, hat in den landschaftlich reizvollen Hügeln von Son Vida Grün- und Bunkerdesign geändert und für zusätzliche Championship-Abschläge gesorgt.
 
Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen und passt perfekt in die neue mallorquinische Golflinie. Sportlich anspruchsvolles Layout und Design für alle Spielstärken, guter Pflegezustand, vernünftiger Service. 6.115 Meter misst der Par 72-Platz von hinten, was ungefähr 500 Meter mehr sind als in den ursprünglichen Espinosa-Planungen. Stark: Vom nördlichen Teil des 50 Hektar-Areals hat man einen tollen Ausblick auf Palma. Weniger spannend sind dagegen die Blicke vom Clubhaus, weil das Gebäude niedriger als der Golfplatz liegt und die Behörden für einen höheren Ausbau die Genehmigung verweigerten.

Eines der besten Golfresorts in ganz Europa

 Mit drei Hotels (Castillo Son Vida, Arabella Sheraton, Mardavall Hotel & Spa) und drei Golfplätzen verfügt die Arabella-Gruppe auf Mallorca künftig über eines der besten Golf Resorts in Europa.

Eingeleitet wurde die Qualitätsoffensive auf der „Golf-Insel“ vor gut einem Jahr vom Golf Park Mallorca Puntiro an der Cintura de Sineu. Der für das Büro Jack Nicklaus arbeitende Belgier Dirk Bauts hat einen absolut stimmigen und harmonischen Par 71-Platz gezeichnet, der trotz seiner Kürze (6.027 m von hinten) echte Herausforderungen bietet. Zum einen sind das schmale, durch Bunker eingeengte Drivezonen, zum anderen verhältnismäßig kleine Grüns.
Der stärkste Abschnitt des Platzes befindet sich zwischen dem 10. Tee und 12. Grün (Par 4, Par 5, Par 4). Da wähnt man sich tatsächlich auf einem großen amerikanischen Nicklaus Course, der einen vergessen lässt, dass es auf den Front Nine zum Teil etwas beengt zuging. Wunderhübsch in dieser Passage sind die bedrohlich aussehenden, kniehohen Fescue-Roughzonen. Tatsächlich aber sind die goldgelben Gräser mager gewachsen und geben jedem Spieler die Chance, den Weg aufs Fairway zurückzufinden.
  
Wirklich stark und gleichzeitig auch schwer ist das Schlussloch (Par 4, 357 m, leicht bergauf). Nur schade, dass der Terrassen-Golfer davon so wenig mitbekommt. Beim wohlverdienten Cafe con Leche oder Cerveza kann man nur erahnen, ob das Grün getroffen oder der Putt gelocht wurde. Unerklärlicherweise sind Restaurant und Terrasse in den östlichen Flügel des durchaus charmanten Clubgebäudes verfrachte worden – mit frontalem Blick auf Bäume, Büsche und Sträucher.
Den Charme einer Bahnhofshalle besitzt das in offenem Gelände stehende Clubhaus von Golf Maioris an der Cintura Cabo Blanco. Kühl und steril wirkt das geflieste Restaurant. Aber die Wahrheit liegt ja bekanntlich auf dem Platz, und da bietet Maioris einen guten Spannungsbogen. Das Erstlingswerk des Deutschen Dieter Cabus (hauptberuflich Headpro in Pula Golf) ist zwar nicht frei von Schwächen, glänzt allerdings mit ganz starken Back Nine. Wer auf der 18 einlocht, hat das platte Auftaktloch (Par 4, 337 m) längst vergessen. 

Ein völlig verunglücktes Signature Hole

Völlig verunglückt ist leider die vierte Bahn (Par 5, 437 m), die mit ihrem Inselgrün eigentlich als Signature Hole herhalten soll. Bessere Golfer sind gezwungen, über die Bäume im Dogleg abzukürzen, weil ihnen der gerade Drive mit hoher Wahrscheinlichkeit durchs Fairway ins Rough laufen würde. Die Fairwaybunker liegen auf einer Länge, wo sie eigentlich für keine Spielstärke ins Spiel kommen. Durchs Abkürzen reduziert sich das Par 5 zu einem mittleren Par 4, für das dann wiederrum ein Inselgrün zu anspruchsvoll erscheint. Vor allem wenn man auf der linken Fairwayseite liegt. Von dort kann man nämlich nicht den hinteren, linken Teil des Grüns einsehen, weil eine opulente, ungeschickt platzierte Steinbrücke die Sicht versperrt.

Danach aber legt der Platz kontinuierlich zu. Schönster Abschnitt ist ein kleines Tal, in dem die Grüns 15 und 17 sowie die Abschläge 12 und 16 liegen. Sportlich ist der Platz auf jeden Fall eine Bereicherung für die Insel, etwas mehr Aufmerksamkeit und Pflege sollte man allerdings den Bunker und Rough-Bereichen widmen.

Olazabal hat Pula Golf in Form gebracht

Eine tolle Entwicklung hat in den letzten 24 Monaten Pula Golf im Osten der Insel genommen. Was lange währt, wird endlich gut. Über Jahre hat Besitzer Romeo Sala mal hier, mal da an seinem Platz herumbauen lassen. Den finalen, entscheidenden Schritt nach vorne aber machte er erst, als er José Maria Olazábal für ein komplettes Redesign engagierte.
Und der zweifache US-Masters-Champion hat einen richtig guten Job gemacht. Aus der Durchschnittswiese ist ein guter Championship-Course geworden. Dessen Stärken ganz klar auf den Front Nine liegen. 5 (Par 4), 6 (Par 5), 7 (Par 4), 8 (Par 3, 201 m von hinten) und 9  (Par 4, 450 m von hinten) sind optisch wie spielerisch absolute Klasse-Löcher.
Etwas enger und unübersichtlicher geht es auf den Back Nine zu, wo auf den Bahnen 12, 13 und 14 um ein Privatgrundstück herumgespielt werden muss. Die Gespräche mit der Besitzerin hat Sala aber schon vor längerem erfolglos beendet. Das Filetstück mitten auf dem Golfplatz gehört seiner Ex-Frau.
Zuletzt wurde noch an der 17 (neues Grün) und 6 (Fairway-Modellierungen) gearbeitet. Zu dem European Tour-Turnier Mallorca Classic (25. bis 28. Oktober) wird sich der Platz dann aber endgültig in Top-Form präsentieren.

Sven Hanfft

Die einzelnen Clubs im Test:

Son Gual Golf

Bewertung: 6 von 6 Sternen

C 715 / Ma 15 Palma,
Mallorca
Tel: +34/971/78 58 88
www.son-gual.com
Platz: 18 Löcher, Par 72
Damen (R): 4.961 m, 72,0/127
Herren (G): 5.835 m, 72,2/130
Architekt: Thomas Himmel
Eröffnung: 2007
Greenfee: 150 Euro, Cart 40 Euro
Fazit: Schwer, aber dank sechs Teeboxen für alle Handicapklassen spielbar. Genug Bälle einstecken, Wasser und gnadenlose Roughzonen kommen regelmäßig ins Spiel. 

Pula Golf

Bewertung: 4 von 6 Sternen

07550 Son Servera, Mallorca
Tel: +34/971/81 70 34
www.pulagolf.com
Platz: 18 Löcher, Par 70
Damen (R): 5.204 m, 72,0/134
Herren (G): 5.855 m, 72,0/136
Architekt: Segales/Olazabal
Eröffnung: 1995
Greenfee: 100 Euro wochentage, Cart 36 Euro, Trolley 6 Euro; Spieler mit über Hcp 36 erst nach 14.00 Uhr.
Fazit: Guter Championship Course allmählich wird
Besitzer Sala seinen Ansprüchen gerecht.  

Golf Park Puntiro

Bewertung: 4 von 6 Sternen

07198 Palma de Mallorca
Tel: +34/971/60 38 51
www.golfparkmallorca.com
Platz: 18 Löcher, Par 71
Damen (R): 4.530 m, 71,0/125
Herren (G): 5.546 m, 71,0/131
Architekt: Nicklaus Design
Eröffnung: 2006
Greenfee: 80 Euro, Cart 35 Euro, E-Trolley 15 Euro, Trolley 6 Euro
Fazit: Hübsches Setting, gutes Shaping. Trotz fehlender Meter ein sportlich heraus-
fordernder Platz. Kleine Grüns und zum Teil schmale Drivezonen.

Golf Maioris

Bewertung: 3 von 6 Sternen

07609 Llucmajor, Mallorca
Tel: +34/971/74 83 15
www.golfmaioris.es
Platz: 18 Löcher, Par 72
Damen (R): 5.301 m, 72,0/125
Herren (G): 6.000 m, 72,0/131
Architekt: Dieter Cabus
Eröffnung: 2006
Greenfee: 80 Euro, Cart 30 Euro
Fazit: Vorne etwas mau, hinten raus dafür stark.
Durch die Höhenunterschiede auf den Back Nine auch sportlich anspruchsvoll.
Zum Teil übertriebene Ondulationen in den Grüns.  

Son Quint Golf

Keine Wertung

07013 Palma, Mallorca
Tel: +34/971/78 30 30
www.mallorca-resort.com
Platz: 18 Löcher, Par 72
Damen (R): 5.025 m
Herren (G): 5.870 m
Architekt: Espinosa/Rossknecht
Eröffnung: 1.9.2007
Greenfee: 60 Euro
* War bei unserem Besuch noch nicht komplett bespielbar. Ein sportlicher Platz in sehr reizvoller Landschaft.
Könnte der neue Geheimtipp auf Mallorca werden.   

News Mallorca

Politik: Die Konservativen sind abgewählt, die Baleraren haben wieder eine Mitte-Links-Regierung. Ministerpräsident der Balearen ist nach der Legislaturperiode von 1999 bis 2003 erneut Francesc Antich.

Schulden: 2,7 Milliarden Euro Schulden haben die Konservativen hinterlassen. Ministerpräsident Antich erhofft sich nun eine stärkere finanzielle Unterstützung von Regierungschef und Parteifreund Jose Luis Rodriguez Zapatero (beide PSOE).

Rekord: Im ersten Halbjahr 2007 besuchten 4,15 Millionen Touristen Mallorca, ein plus von 4,4 Prozent zum Vorjahr. Die Zahl der Bundesbürger sank allerdings in den ers-ten sechs Monaten um 1,9 Prozent auf 1,55 Millionen. Gleichwohl stellen die Deutschen die stärkste Besuchergruppe. Für die Woche vom 27. Juli bis 2. August errechnete die Flughafendirektion eine Passagierzahl von 751.350 absoluter Rekord.

Promi-Turnier: Golf de Andratx-Chef Stefan Blöcher ist es gelungen, ein weiteres VIP-Turnier auf seine Anlage in Camp de Mar zu holen. Bei der Mercedes-Benz Open waren u. a. Estefania Küster, Boris Becker, Jürgen Hingsen, Matthias Kühn, Andy Möller und Krassimir Balakov am Start. Becker gewann die Brutto-Wertung. Das Turnier wird auch 2008 in Andratx stattfinden. Abgeben ans Arabella Resort musste Blöcher die Premiere Golf Trophy. Mit 228 Startern wurde diesmal auf den Plätzen Son Muntaner und Son Vida gespielt. Für die Franz-Beckenbauer-Stiftung kamen 85.000 Euro zusammen.

Profi-Turnier: Vom 25. bis 28. Oktober finden in Pula zum fünten Mal die Mallorca Classic der European Tour (Titelverteidiger Niclas Fasth) statt. Am Start wird u. a. die spanische Aramada um José Maria Olazábal, Sergio Garcia und Miguel Angel Jiménez sein sowie die deutschen Martin Kaymer, Sven Strüver und Marcel Siem.

Geheimtipp: Barbecue-Abend auf der schönsten Clubhausterrasse der Insel in Capdepera. Jeden Donnerstag wird ab 19 Uhr Gegrilltes, guter Wein und entspannte Live-Musik geboten.

Neues Grün: Die 18 (Par 3, 164 m) im Can-yamel Golf Club hat ein neues, teuflisches Grün mit zwei mächtigen Stufen bekommen. Drei-Putts werden hier zum Standard.