Aufmacher Loch 12

Dominikanische Republik: Golfen & Chillen auf den Antillen

Der Südosten der Dominikanischen Republik ist für Golfer das beste Reiseziel der Karibik. GOLF MAGAZIN war für Sie vor Ort und testete die Topadressen

Über die „diente del perro“ schimpften die Arbeiter beim Bau des Golfplatzes immer wieder. Gemeint waren die messerscharfen Korallenfelsen, auf denen sie nur mit Hilfe von Handwerkzeugen und Ochsenkarren versuchten, ein Golf-Eldorado für wohlhabende Urlauber zu erschaffen. So scharf wie die „Zähne des Hundes“ – Platzarchitekt Pete Dye gefiel das; der Name für sein erstes karibisches Premium-Projekt war gefunden.

Auch über 40 Jahre später ist der „Teeth of the Dog“ im Nobelresort Casa de Campo bei La Romana Golfern auf dem ganzen Globus ein Begriff und rangiert in den Bestenlisten fast aller bedeutenden Publikationen unter den Top-100-Golfplätzen der Welt. Davon, dass sich dieses Stück Land Menschen gegenüber einst recht garstig zeigte, ist längst nichts mehr zu erahnen. Die sieben direkt an der Karibischen See verlaufenden Golfbahnen – vier auf den Front Nine und drei auf den Back Nine –  gehören zu den besten Oceanside-Holes weltweit. Ihre fast quälende Schönheit erschwert die Konzentration auf das eigene Spiel immens und lässt selbst hartgesottene Kamera-Muffel zu Dauerknipsern werden. Wo sonst steht man schon beim Abschlag praktisch im Meer und sieht sich mit der Überwindung von Korallenriffen, Stränden und strahlend blauem Wasser konfrontiert?

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Loch 17 im Teeth of the Dog (Par 4, 392 m) verläuft direkt am felsigen Kliff.

Gegen diese prächtige Kulisse kommen die elf weiteren „Inland-Löcher“ des Platzes nicht an. Sie sind auch gut, zeichnen sich vor allem durch die Dye-typischen anspruchsvollen Plateaugrüns, hohe Bunkerkanten und expansive Waste-Areas aus. Aber nach der ersten gespielten Runde ist klar, welche Bahnen das Golferherz besonders in Wallung

bringen; und die liegen am Meer! Sportlich wurde der Platz 2005 in einer ausführlichen Renovierung an die Moderne angepasst. Mit 6.831 Metern von den Champions-Tees bietet das Aushängeschild des insgesamt 90 Golflöcher umfassenden Resorts auch in Zeiten großer Titan-Driver und High-Tech-Golfbällen eine meisterschaftsgeeignete Herausforderung. Doch fürchten Sie sich deswegen nicht vor dem „zähnefletschenden Biest“; es stehen fünf verschiedene Abschlagsmarkierungen zur Verfügung, sodass auch kürzere Spieler das Erlebnis genießen können. Übrigens eine Beobachtung, die wir auf allen getesteten Golfplätzen in der Dominikanischen Republik machten. Die Verantwortlichen in der gut gebuchten Urlaubsdestination sind sich über die Erwartungen der Gäste also durchaus im Klaren.

The Links ist der Name des zweitältesten 18-Löcher-Platzes im Casa de Campo Resort. Doch eines sei vorweggenommen: Der von Pete Dye 1976 gewählte Name ist in diesem Fall irreführend. Der Platz hat wenig mit einem Linkscourse im ursprünglichen Sinn gemein. Vielmehr handelt es sich um einen typischen Resort-Platz mit breiten Fairways und ohne auffallende Nähe zum Meer. Viele Bahnen schlängeln sich mit Doglegs an den Villen des Resorts entlang. Insgesamt stehen in Casa de Campo ungefähr 1.500 mehr oder weniger bescheidene Eigenheime, einige davon im Besitz prominenter Schauspieler und Popstars. Die angrenzende Bebauung und die ortstypische Flora und Fauna sind über weite Strecken auch das interessanteste Element des etwas zähen Links. Erst auf den mit einschüchternden Wasserhindernissen ausgestatteten Löchern 12 bis 16 kommt Spannung auf. In einem schwächeren Umfeld würde der „Links“ vielleicht größere Begeisterung entfachen. Doch seit 2003 muss sich der Platz nicht nur mit den angrenzenden „Hundezähnen“ messen, sondern auch mit dem dritten öffentlichen Parcours des Resorts, dem Dye Fore. Unglücklicherweise konnten wir während unseres Aufenthalts nicht auf dem jüngsten Kunstwerk von Pete Dye aufteen. Der Platz war aufgrund von Pflegemaßnahmen gesperrt, ein Jammer! Hoch über dem Chavon River, wo Teile von „Apocalipse Now“ und „Jurassic Park“ gedreht wurden, gleich neben dem Künstlerdorf Altos de Chavon, ist ein Platz entstanden, der bei einigen Stammgästen bereits noch höher im Kurs steht als der Teeth of the Dog. Der lange Platz bietet extreme Höhenunterschiede, traumhafte Blicke über die Marina, den Fluss und das Meer und sehr großzügig dimensionierte, wellige Grüns. Und weil die ursprüng-lichen 18 Bahnen des Dye Fore so gut ankamen, wurde der Platz 2011 mit dem Bau der „Lagos Nine“ um weitere – etwas flachere – neun Löcher ergänzt, sodass den Besuchern von Casa de Campo nun insgesamt 63 Golflöcher zur Verfügung stehen. Einzig der 27-Löcher-Platz des La Romana Country Club ist den betuchten Immobilienbesitzern des Resorts vorbehalten.

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Was für eine Kulisse! Loch 2, Punta Espada.

Es mag auch an der Entstehung von Multi-Millionen-Projekten wie dem Punta Espada Golf Club am wunderbaren Cap Cana gelegen haben, dass man sich in Casa de Campo veranlasst sah, mit dem Bau eines modernen Spitzengolfplatzes weiter aufzurüsten. Die Konkurrenz auf der Insel ist stark. Kein geringerer als „Golden Bear“ Jack Nicklaus entwarf 2006 mit dem Punta Espada einen 18-Löcher-Kurs, der schon jetzt bei vielen Experten und Besuchern als der beste Golfplatz in diesem Teil der Welt gilt. Die 18-Löcher-Runde als überwältigend zu bezeichnen, wäre noch untertrieben. Punta Espada ist das karibische Golfer-paradies schlechthin! Acht Bahnen verlaufen direkt an und über die tosende Küste. Dort klatscht die meterhohe Brandung gegen die Korallenfelsen und die Gischt erfrischt das strahlende Golfergesicht. Das Wasser in Cap Cana ist so karibisch-klischeehaft türkis und klar, das Grün des Salzwasser vertragenden Paspalum-Grases so leuchtend und der Sand so strahlend weiß, dass man sich in ein mit Photoshop bearbeitetes Postkartenmotiv versetzt fühlt.

Der gesamte Uferbereich steht unter Naturschutz. So war es das erklärte Ziel von Jack Nicklaus, diese gottgegebene Topografie in das Layout des Platzes zu integrieren. Es geht über Felsschluchten, vorbei an Lagunen mit natürlichen Strandbunkern und wilder Vegetation. Auch die Löcher, die nicht direkt an der Küste verlaufen sind in Punta Espada spektakulär. Erhöhte Tees mit unbezahlbaren Panoramablicken, malerischen Kokospalmen sowie Inselgrüns inmitten von Waste-Areas sorgen dafür, dass die Besgeisterung zu keinem Punkt abebbt. Mitten auf der Runde begegnet uns ein Leguan-Weibchen, herrlich! Neben der atemberaubenden Schönheit, zeichnet sich der Golfplatz auch durch hohen sportlichen Anspruch aus. Die im Proshop hängenden Original-Scorekarten von Bernhard Langer und Corey Pavin, die beim Tourstopp der amerikanischen Profisenioren in Punta Espada einst geradezu obszön tiefe Runden schossen (62 und 63 Schläge) – von den hintersten Abschlägen – beweisen, wie gut diese „Jungs“ sind. Denn der Platz ist tough! Doch wer wird sich im Paradies schon die Laune von ein paar Bogeys verhageln lassen.