Golf auf Madeira – bei Licht besehen

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Madeira wurde im Jahr 1419 entdeckt, feiert quasi seinen 600. Geburtstag. Und das auch auf und mit drei Golfplätzen, die nicht nur sehr gut aussehen, sondern sich auch genau so gut spielen lassen. 

Madeira – die portugiesische Inselgruppe liegt rund 700 Kilometer vor der marokkanischen Küste und damit
näher an Afrika als an Europa, weil es nach Lissabon in nordöstlicher Richtung gut 1.000 Kilometer sind. Obwohl schon die Phönizier im 6. Jahrhundert vor Christus auf die Vulkaninsel gestoßen und ein britisches Liebespaar im Jahr 1346 ebenfalls zufällig auf der Hauptinsel des Archipels Madeira gestrandet war, wird 1419 als offizielles Entdeckungsjahr geführt, als João Gonçalves Zarco in der Bucht von Machico erstmals madeirischen Boden betrat.

Ein hefiger Sturm hatte den portugiesischen Seefahrer bereits ein Jahr zuvor auf die flache Nachbarinsel getrieben. Dem scheinbar sicheren Tod entkommen, nannte er das kleine Eiland aus Dankbarkeit Porto Santo, Heiliger Hafen. Auf der nur elf Kilometer langen und maximal sechs Kilometer breiten Insel gibt es heute die 18 Löcher des Porto Santo Golf Club, den kein Geringerer als Severiano Ballesteros designt hat. Doch dazu später … Die beiden anderen spektakulären Plätze, zum einen Palheiro Golf mit 18 fantastischen Löchern, zum anderen der Clube de Golf Santo da Serra (27 Bahnen), befinden sich auf der Hauptinsel des Archipels.

Golfen wie im botanischen Garten

Palheiro Golf hatte schon Ende letzten Jahres sein 25-jähriges Jubiläum; so richtig in Schwung kommen die  Feierlichkeiten aber erst jetzt, verbunden mit speziellen Preis-Arrangements und vor allem den inzwischen angeschlossenen Optimierungsarbeiten am Platz. Der Geschäftsführer von Palheiro Golf, Rodrigo Ulrich, lebt seit dreieinhalb Jahren auf Madeira. In der kurzen Zeit hat er schon viel erreicht: „Wir haben die Grüns so umstrukturiert, dass man von fast jedem Loch den herrlichen Meerblick genießen kann“, erzählt er stolz, „außerdem wurden 75.000 endemische Pflanzen in den fruchtbaren Vulkanboden gesetzt.“ Also Pflanzenarten, die nur in natürlich abgegrenzten Bereichen wie einer Insel vorkommen.

Aber der 46-Jährige hat noch viel mehr vor mit Palheiro, wie der Platz hier nur kurz genannt wird. Erfahrungen konnte Rodrigo 16 Jahre lang unter anderem an der Algarve sammeln, in der Geschäftsführung vom Boavista Golf-& Spa Resort. Während unserer Runde erzählt er: „Bis 2020 möchte ich mein Ziel erfüllt wissen, der erste ökologische Golf Course zu sein. Wir wollen als umweltfreundlichster Golfplatz in ganz Portugal anerkannt werden.“

Entsprechend umweltbewusst wird hier gehandelt, auf Pestizide komplett verzichtet. Ulrich: „Der Platz sieht mit seinen Farben gras-grün, vulkan-rot sowie der schwarz-braunen Erde sehr natürlich aus und lebt von den Kontrasten. Wir brauchen nicht unbedingt strahlend weiße Bunker, deren Sand extra nach Madeira transportiert werden muss.“

Ab und an bleiben wir stehen (ohne jemanden aufzuhalten) und bewundern die vielfältige Blütenpracht am Rande der Fairways. Sie gehört zum Konzept von Rodrigo Ulrich, dem in Mozambique geborenen Idealisten: „Madeira wird ja ,die Blumeninsel‘ und ,Insel des ewigen Frühlings‘ genannt, weil wir eine immense Vielzahl an Pflanzen und Blumen haben, die auf dem fruchtbaren Vulkanboden hervorragend gedeihen. Diesen Standortvorteil, zu dem auch die milden Temperaturen gehören, wollen wir nutzen. Man soll in Palheiro Golf spielen wie in einem botanischen Garten!“

Grüne Oase auf Madeira

Die Rahmenbedingungen sind bestens, denn der Palheiro Golfplatz ist umgeben von einem 200 Jahre alten parkähnlichen Grundstück, einer grünen Oase von mehr als 150 Hektar, die sich neben Golf hervorragend für Vogelbeobachtungen oder Trekking eignet, weil sie über 25 Kilo-meter Naturwanderpfade bietet. In diesem Palheiro Nature Estate liegen luxuriöse Villen und Appartements, das noble Relais & Châteaux-Fünf-Sterne-Hotel Casa Velha do Palheiro sowie der preisgekrönte und unbedingt sehenswerte Palheiro Garden.

Für Hotelgäste gibt es von dort einen direkten Zugang zum Golfplatz, dem Rodrigo ein moderneres und umweltbewusstes Gesicht formt. Das schon im Ursprung sehr anspruchsvolle Design stammt aus der Feder des bekannten Architekten Cabell B. Robinson. In den 1960-Jahren hatte sich der Amerikaner während des Studiums in Kalifornien mit Robert Trent Jones angefreundet, dessen Geschäfte er in Europa von 1971 bis 1987 sehr erfolgreich führte. Dann machte er sich selbständig und unter anderem in Palheiro an die Arbeit, dessen Kurs 1993 eröffnet und 2003 zum ersten Mal umgestaltet wurde.

Noch heute schlängelt sich der bis zu 6.086 Meter lange Platz durch eine wenig berührte Umgebung aus maritimen Kiefern und botanischen Wäldern. Während des Spiels überblickt man auf fast 500 Metern Höhe die Inselhauptstadt Funchal und genießt die Aussicht auf die Berge und den endlosen Atlantik. Robinson hat das Terrain clever genutzt und dessen Hügel und Täler ins Spiel eingebaut.
Mit allen Sinnen genießen, das kann man hier wirklich: Das abwechslungsreiche Spiel, die duftende, bunte Blütenpracht, die faszinierenden Ausblicke auch von der Terrasse des Clubhauses mit den exquisiten Speisen und Weinen. Allein dafür würde sich schon die 30-minütige Autofahrt von Funchal lohnen.

Madeira Golf

Vom Grün schweift der Blick hinunter zum Atlantik und zur Inselhauptstadt Funchal mit dem Hafen. Palheiro Golf hat während der Runde viel Meer
und noch viel mehr zu bieten.

Von Kaiserin „Sissi“ bis zu König Cristiano

Vom Putting-Green schaut man auf einen anderen Club: den Clube Desportivo Nacional mit dem 5.200 Sitzplätze umfassenden Estádio da Madeira. Hier schoss ein schmächtiger Junge namens Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro seine ersten Bälle; und manchmal auch die kleineren in Palheiro auf dem Putting-Green.

Der Ausnahme- und mehrfache Weltfußballer, der inzwischen bei Juventus Turin spielt und dieses Jahr mit dem portugiesischen Team die Nations League gewonnen hat, ist quasi der König der Insel und ihr bester Werbeträger. So trägt der Flughafen seinen Namen. In Funchal am Hafen entstand das heute meist besuchte Museum des Archipels mit mehreren 10.000 Besuchern pro Jahr, das „CR7“ (CR ist Cristiano Ronaldos Namenskürzel, 7 seine Rückennummer). Signierte Trikots, Fan-Post aus aller Welt, Poster, goldene Bälle und Fußballschuhe des Rekordspielers können in beleuchteten Vitrinen bestaunt werden.
Daneben kann man im neuen Pestana CR7 Hotel wohnen. Von der Rooftop-Bar hat man einen tollen Blick über Teile der Stadt und den quirligen Hafen.

Das Publikum ist natürlich ein ganz anderes als im 19. Jahrhundert. Damals kam der europäische Adel, um den „ewigen Frühling“ zu genießen und gesundheitliche Leiden auszukurieren. Wie „Sissi“, die österreichische Kaiserin Elisabeth, die 1860 und 1883 für jeweils ein Jahr hier verweilte. 1891 eröffnete die aus Schottland stammende Familie William Reid das Luxushotel Reid’s Palace, das noch heute zu den „Leading Hotels of the World“ gehört. Das inzwischen in Belmond Reid’s Palace umbenannte Hotel liegt inmitten einer üppig bewachsenen subtropischen Gartenanlage auf einem Plateau mit faszinierendem Ausblick über den Atlantik. Zu einem der Pools fährt man mit dem Fahrstuhl zum Meer herab. Einfach traumhaft.

Golf auf 700 Meter Höhe

Doch zurück in die Berge. Mein Tipp gilt hier besonders für Sportler jeder Art: Sonnencreme, aber auch unbedingt wärmere Sachen einpacken! Selbst wenn es in der Nähe des Meeres sonnig und warm ist, so kann es in den Bergen kalt, windig und regnerisch sein. Ich habe es im Mai erlebt: Bestens gerüstet (lange Hose, Windbreaker-Jacke) startete ich in Funchal die Tour, lieh mir aber letztlich noch die Winterjacke der stellvertretenden Managerin vom Golfclub. Die anderen im Flight trugen kurze Hosen, Poloshirts und, 18 Löcher lang, extreme Gänsehaut. Da half auch der heiße Tee im gemütlichen Clubhaus nicht.

Auf rund 700 Meter Höhe erstreckt sich der zweite Golfplatz der Hauptinsel Madeira mit seinen spannenden 27 Bahnen. Clube de Golf Santo da Serra wurde in seiner ursprünglichen Form bereits 1937 angelegt und 1991 durch besagten Robert Trend Jones Sr. umgestaltet. Der Kurs mit seinen 3 x 9 Löchern sorgte für so viel Begeisterung, dass hier ab 1993 die European Tour abschlug. Die Madeira Island Open wurde auf zwei der 9-Löcher-Schleifen, dem Machico- und dem Desertas-Platz, ausgetragen; obwohl der Serras-Course den beiden in nichts nachsteht.
In Santo da Serra, wie der Platz im Volksmund kurz heißt, spielten namhafte Profis wie Seve Ballesteros, Lee Westwood, Retief Goosen, Sam Torrance, Costantino Rocca, Henrik Stenson oder die beiden Deutschen Alex Cejka und Martin Kaymer.

Im Jahr 2015 fiel die Madeira Island Open buchstäblich ins Wasser. Starke Winde und Regen hatten die Insel tagelang überzogen und den Clube de Golf Santo da Serra überflutet; letztlich musste man alles absagen. Es war schon das zweite Mal in Folge, dass das Wetter den
Turnierverlauf beeinträchtigt hatte, denn im Jahr zuvor hatte dichter Nebel für erhebliche Verzögerungen gesorgt.

Madeiras Streben nach der Rückkehr des Profigolf

„Wir wollen die Madeira Island Open zurück“, sagt Geschäftsführer Ricardo Abreu, „deshalb arbeiten wir schon lange intensiv daran, den Platz zu verbessern. Die gesamte Be- und Entwässerungs-Anlage muss erneuert werden, womit wir damit unseren Wasserverbrauch um zwei Drittel reduzieren können. Dazu haben wir in den letzten vier Jahren 25.000 Bäume gepflanzt.“ Das sieht und spürt man. Der Platz ist in einem sehg guten Zustand, die Grüns, Semi-Roughs und Roughs sind ebenso sorgfältig gepflegt wie der Rest der Anlage. Über 300 Meter Höhenunterschied bieten ausgezeichnete Panoramablicke; dazu kommen spannende Schläge über tiefe Schluchten. Interessant wird es bei der Wahl der richtigen Schläger, weil sich der Wind meistens nicht verlässlich berechnen lässt.

Wie hatte doch Ausnahme-Golfer Severiano Ballesteros 2001 über Santo da Serra so wunderbar gesagt: „Es war eine große Ehre, hier zu spielen. Der Platz ist fantastisch, das Clubhaus sehr schön, das Essen noch besser und die Fürsorge phänomenal. Ich hoffe, dass ich wiederkommen kann …“

Madeira Golf

Die mystisch-schwarzen Felswände, davor das 13. Grün – dies ist einer der spektakulärsten Ausblicke vom Porto Santo Golf Course. Die Bahn ist mit
175 Metern ein mittleres Par 3.

Vielfalt und Feierei

Vor dem Clubhaus steht eine Bank, auf der Ballesteros gesessen und versunken übers Meer geschaut haben soll. Hinüber zur kleinen Insel Porto Santo. Dort hat er seinen eigenen Platz, Porto Santo Golfe, 2004 eröffnet. Mit bis zu 6.434 Metern ist er der längste der drei Anlagen. Um die 18 Löcher des flachen linksähnlichen Kurses oder auch den 9-Löcher-Pitch-&-Putt-Platz zu spielen, nimmt man von Funchal die Fähre (2,5 Stunden Fahrt). Oder, als noble Variante, den Klein-Flieger mit rund 15 Minuten Flugdauer und tollen Blicken über eine faszinierende Insel.

Natürlich hat der Designer auch auf seinem Kurs für spektakuläre Ausblicke gesorgt. Zwischen dem 13. Loch und 14. Abschlag steht ebenfalls eine Bank. Hier hat Seve gesessen und sein Paradies geplant. Die Bank und eine Gedenktafel erinnern an den Weltklasse-Golfer, der 2011 im Alter von nur 54 Jahren an einem Hirntumor verstorben ist.

Bei Licht besehen … gibt es auf relativ kleinem Raum drei interessante und sehr unterschiedliche Golfplätze. Die Inselgruppe hat neben ihren natürlichen Schönheiten so viel zu bieten, und die Einwohner Madeiras finden immer Gründe zum feiern. In diesem Jahr zum Beispiel ihre Entdeckung vor 600 Jahren!