Liebesgrüße aus Moskau

Skolkovo Golf Club, Moskau

So hieß der James-Bond-Klassiker, in dem Sean Connery 1963 als Geheimagent 007 gegen die Russen kämpfte. Heute würde der begeisterte Golfer in Moskau aber eher die Schläger schwingen als seine Fäuste. Wir stellen wir Ihnen die spannendsten Golfanlagen der russischen Hauptstadt vor.

Eine Mitgliedschaft in einem Golfclub beziehungsweise die Möglichkeit, eine Runde auf einem Golfplatz zu spielen, zählt hierzulande beinahe schon zur Normalität. In Russland dagegen ist das noch etwas Besonderes. Zahlen belegen dies eindrucksvoll. Bei 150 Millionen russischen Bürgern gibt es gerade einmal 8.000 aktive Golfer – und damit noch sehr viel Entwicklungspotenzial. Das heißt jedoch nicht, dass die vorhandenen Golfanlagen nicht internationalen Maßstäben gerecht werden, im Gegenteil!

Um die Metropolregion Moskau herum liegen mehr als ein Drittel, tatsächlich sind es acht, der insgesamt 21 russischen Spielmöglichkeiten. Betrachtet man die Golfhistorie des Landes, so ist diese Ballung kein Wunder, weil in der Hauptstadt die lokale Keimzelle des schottischen Sports liegt. Anders als sonst so oft auf der Welt aber waren es hier nicht die Briten, die „ihren Sport mitbrachten. In Moskau war es der schwedische Botschaftsangestellte Sven Johansson, mehrfacher Weltmeister mit der Eishockey Nationalmannschaft, der 1987 die Zeit von „Perestroika“ und „Glasnost“ zu nutzen wusste. Mit Hilfe seiner sehr einflussreichen Kontakte verstand er es damals sogar, den amtierenden Präsidenten Michail Gorbatschow für sein eher westliches Ansinnen zu begeistern.

City Golf Club in Moskau ist der erste Russlands

Am 15. September 1987 konnte auf einem Gelände inmitten der Metropole in einer kleinen Hütte der Grundstein für
den russischen Golfsport gelegt werden. Paten hierbei waren keine Geringeren als Staatspräsident Gorbatschow, der brasilianische Fußballstar Pele, der amerikanische Boxer Mike Tyson, der mehrfache russische Eishockey-Olympiasieger Alexander Ragulin sowie, na klar, Schwedens Eishockeystar Sven Johansson.

Ein Jahr später wurde an der Dovzhenko Straße der erste Golfclub Russlands eröffnet. Noch heute spielt man im Moskauer City Golf Club  auf einem 9-Löcher-Kurs mit Par 33 und einer maximalen Länge von 2.265 Metern. Die für einen Cityplatz recht interessanten Kurzbahnen fügen sich in die weiter wachsende und pulsierende Metropole fast schon harmonisch ein.

Endgültig akzeptiert wurde der Golfsport in der russischen Gesellschaft 1990 durch eine Zeremonie von Präsident Boris Jelzin. Nach einer kurzen Einweisung konnte dieser seinen Ball recht ordentlich auf das Inselgrün der 9. Bahn schlagen. Das „Clubhaus“ war 1992 Schauplatz eines historischen Ereignisses, als der Russische Golfverband, mit Kenntnisnahme des Europäischen Verbands und des Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews, gegründet wurde.

So kann man noch heute auf diesen neun historischen Bahnen erste russische Golf-Erfahrungen machen. Obwohl das Gelände nur überschaubaren Platz bietet, liegt zentral in der Mitte ein kleiner, künstlicher See. Daraus lugt das Inselgrün heraus,
das die finale 9. Bahn nach rund 300 Metern „Anlauf“ formvollendet abschließt. Das Greenfee für 18 Bah- nen kostet moderate 40 Euro, der Empfang der Gäste ist herzlich. Bei einer Runde sind die sechs Par-4- und drei Par-3-Bahnen zweimal zu spielen und summieren sich auf 4.530 Meter.

Gastfreundlich und elitär

Die Gastfreundschaft und Willkommenskultur des Moskauer City Golf Clubs findet man auch auf anderen Anlagen in der Metropolregion. Zwar ist der Golfsport hier, wie erwähnt, noch etwas Elitäres, weil grundsätzlich nur Mitglieder spielen dürfen. Wer sich jedoch entsprechend höflich anstellt, dem werden auch bei diesen Clubs, die sich meist mit Wachposten und Kontrollhäuschen optisch abschotten, die Tore geöffnet.

Der Skolkovo Golf Club ist das Beispiel eines elitären Privatclubs. Russlands erster Platz mit einem Jack-Nicklaus-Design präsentiert sich aufgrund der Kraft von 45 Greenkeepern in einem überragenden Pflegezustand. Wie beim amerikanischen Star-Architekten üblich, hat er breite Fairways und zum Teil riesige Bunkerlandschaften vor den Grüns angelegt.

So sind auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Gelände sehr interessante Golflöcher entstanden. Beispielsweise die Bahn 14, ein Par 4 mit maximal 318 Metern. Von der Teebox aus liegt das Grün halblinks hinter sage und schreibe siebzehn Bunkern in einem beachtlich modulierten Gelände, sodass man dann doch besser sicher und geradeaus spielen sollte, als das Dogleg abzukürzen. Die Anlage verfügt, wie Marketing-Direktorin Julia Sapozhnikova verrät, bisher nur über ein provisorisches, dafür aber vom japanischen Stararchitekten Shigeru Ban konzipiertes Clubhaus, das bei seiner Fertigstellung Maßstäbe setzen wird.

Bei einem solchen Ambiente ist es auch nicht besonders verwunderlich, wenn hin und wieder eines der insgesamt 250 Mitglieder in einer Luxuslimousine deutscher Herkunft unter Polizeischutz vor dem Clubhaus vorfährt. Bemerkenswert sind auch die Tesla-Elektroladestationen auf dem Parkplatz des Clubs.

Obwohl in der Regel für Mitglieder reserviert, so kennt doch Concierge Kirill aus dem Metropol Hotel Mittel und Wege, seinem Gast auch hier die richtigen Schlüssel zu besorgen.

Golf in Moskau


Die Runde in Skolkovo endet nach 508 Metern auf dem Grün der 18. Bahn. Das breite Wasserhindernis hat schon so manchen Score kurz vor Ende ruiniert.

Golf und Fußball im Moskau Country Club

Eine durchgehend gastfreundliche Anlage bietet der Moskau Country Club. Der im Norden der Metropole liegende 18-Löcher-Championship-Kurs schlängelt sich durch eines ehemaliges Waldgebiet. Das Gelände umfasst, neben der Golfanlage, 54 hölzerne Datschen und einen Hotelkomplex, die alle ebenfalls vom Country Club gemanagt werden. Das Hotel war 2018, nebenbei erwähnt, das WM-Quartier der belgischen Fußball-Nationalmannschaft.

Der von Robert Trent Jones Jr. (das große Interview mit dem Star-Designer haben Sie vielleicht schon ab Seite 42
gelesen) layoutete Parkland-Kurs zieht sich über rund sechseinhalb Kilometer durch besagten Mischwald. Die streckenweise recht schmalen Fairways fordern den strategisch denkenden Golfer genauso wie die vielen Bunker. Auf der Bahn 17, einem Par 5 mit 495 Metern, werden auf der rechten Seite zwei Drittel des Fairways außerdem von sehr viel Wasser bis hin zum ausladenden Grün begleitet.

Fazit: Eine Runde Golf in Moskau ist etwas Besonderes. Zumal die Anlagen aufgrund der klimatischen Verhältnisse auch nur in der Zeit von Anfang Mai bis spätestens Ende Oktober bespielbar sind.