Ein starker zweiter Platz

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Ich gebe es ganz offen zu: Über den zweiten Platz von Sophia Popov bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres habe ich mich gefreut – und nicht geärgert.  Kann nicht sein, sie hätte gewinnen müssen, hallte es mal wieder unüberhörbar durch die Golf-Community.

 

Mag sein und wahrscheinlich hätte ich noch vor Jahren meinen ganzen Unmut über diese Wahl geäußert. Ich mache es aber nicht, weil es so typisch wäre: Es gibt eine positive Nachricht und wir suchen mit Akribie ein negatives Körnchen.

Ich habe mich selbst oft dabei ertappt, hart zu urteilen und gute Leistungen zu schmälern. Beispielsweise über Martin Kaymer. Wenn er ein Top-Ergebnis einspielte, fand ich, eigentlich hätte er doch gewinnen müssen. Quatsch: Der Sportler versaut sich doch nicht freiwillig einen Triumph, er hat alles gegeben und es hat einfach nicht gereicht. Genau so ist Golf. Oder streuen Sie absichtlich ein Double Bogey auf der 18 ein?

Zurück zu den Wahlen. Diesbezüglich bin ich ein gebranntes Kind. Weil ich – damals für das Golf Journal – meinte, andere Kandidaten hätten die Auszeichnung mindestens genauso verdient und dies auch mittels Fakten belegte, kassierten wir einen Shitstorm in den sozialen Medien. Es war uns eine Lehre, so wird im 21. Jahrhundert auf fundierte Kritik halt reagiert. Deshalb auf Feuer verzichten? Mit Nichten.
Aber Wahlen, besonders im Sport- und Unterhaltungsbereich, haben häufig einen überraschenden Ausgang. Frag nach beim Fußball. Ein Jürgen Klopp, zweifelsohne ein Riesen-Trainer, der Liverpool nach drei Jahrzehnten des Nachsehens endlich wieder zu Englands Meister kürte, wurde FIFA-Trainer des Jahres – zu seiner eigenen Überraschung. Schließlich hatte er, wie viele andere Experten auch, auf Hansi Flick, den Triple-Sieger-Coach des FC Bayern, gesetzt. Ätsch.

Und nun also diese Entscheidung bei der Sportlerin des Jahres. Es wurde wie schon 2019 die Leichtathletin Malaika Mihambo. Ein Kollege merkte an, dass ihn das irritiere und ich kann seine Verwunderung verstehen. Die Weitspringerin stellte persönliche Bestmarken auf, allerdings nicht bei international hochkarätigen Wettbewerben. Diese gab es ob Corona 2020 nicht. Auch Mihambo selbst hätte eher nicht auf eine Wiederholung gewettet. Sie gewann dennoch.

Nun aber zum Schluss zu kommen, dass Popov die eigentliche Sportlerin des Jahres ist, wäre nun wirklich zu einfach oder in einer extrem krummen Flugkurve gedacht. Schade, doch sehen wir es positiv und richtungsweisend. Einen zweiten Platz konnten zuvor noch nie ein Golfer oder eine Golfern erreichen. Platz drei, beispielsweise von Martin Kaymer, war bislang das beste Resultat. Es ist also noch Luft nach oben, und das gibt Hoffnung.

 

  1. club k

    Schwachsinnige Argumentation! Dann hätte man noch mehr Sportler auszeichen müssen, die keine Sportveranstaltung besucht haben, aus welchem Grund auch immer!
    Dies ist der Versuch, etwas schönzureden.

    Malaika Mihambo hat eine tolle Leistung erbracht. Ein toller Weitsprung, aber hat nicht Sophia Popov 279 top Schläge in vier Tagen mit unermäßlichem Druck erbracht?
    Alleine der „Drive from the Deck“ / https://www.golf.de/publish/tournews/lpga/60227602/popov-vor-historischem-major-sieg / ist ein Schlag der in die Geschichte des Golfs eingehen wird.

    Die British Open, überhaupt ein Major, das erste Mal in der Geschichte (seit einem Jahrhundert) für Deutschland zu gewinnen!

    Die British Open zu gewinnen und dies nicht adäquat zu würdigen ist nicht in Ordnung!
    Was ist ein starker „zweiter“ Platz?


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