Nachwuchsarbeit: Kinder haben auf dem Golfplatz nichts zu suchen!

Portugal Masters 2018 – Previews

Projekte zur Förderung der Nachwuchsarbeit im Golfsport verlaufen häufig im Sand oder greifen schlicht nicht an den richtigen Stellen. Oft genug mangelt es an fachkundigem Personal und freiwilligen Helfern, die willig sind, Golf auch an die Kinder heranzutragen. Selbst innerhalb eines Golfclubs gibt es immer wieder Ärger mit den Mitgliedern, weil laute und lachende Kinder als störend empfunden werden.

Um Kinder an den Golfsport heranzuführen muss es erst einmal gelingen, sie überhaupt auf den Golfplatz zu bekommen. Und wie schafft man das? Indem man eine AG in der Schule anbietet. Das Projekt des Deutschen Golf Verbands heißt „Abschlag Schule“ und fördert unter anderem die Fahrten von und zum Golfplatz. Ein hervorragendes Projekt. Wie ich das beurteilen kann? Weil ich selbst eine von denen bin, die über dieses Projekt ihre Leidenschaft am Golfsport entdeckt hat. Ohne Abschlag Schule hätte ich diesen Kommentar nie geschrieben. Doch ich hatte Glück und das nicht nur, weil ich an einer Schule war, die dieses Projekt des DGV unterstützt hat.

Es braucht die richtigen Leute

Mein Glück war, dass ich einen Lehrer hatte, der für den Golfsport lebt und es verstand, eine Horde pubertierender Jugendlicher zu motivieren. Einen Lehrer wie Christian Davis aus meiner Schulgolf-Geschichte. Anders lassen sich nämlich die Türen in Schulen für uns Golfer nicht öffnen. Dabei hat man, selbst wenn man eine solche Person gefunden hat, bis zu diesem Punkt noch nicht einmal die Hürden überwunden, dass Schulen meist nicht in direkter Nachbarschaft zu Golfplätzen liegen, die Vorurteile der Schüler abgebaut oder Zeitfenster gefunden wurden, in denen Kinder überhaupt noch Luft haben, um nach der Schule auf den Platz zu gehen.

Als mich Christian Davis zum ersten Mal anrief, wusste ich mit dem Projekt des Schulzentrums Hösbach nahe Aschaffenburg nicht viel anzufangen. Ich dachte mir: „Ein Putting-Grün auf dem Schulhof? Wie soll das funktionieren? Und Golf im Abitur?“ In Hösbach ist das möglich und brachte mich zu der Überzeugung, dass Kinder nichts, auf dem Golfplatz zu suchen haben. Zumindest nicht, wenn es darum geht, sie näher an den Golfsport heranzubringen und definitiv nicht, als erster Schritt. Es gilt zunächst Vorurteile der Schüler gegenüber des Golfsports abzubauen. Sie langsam an die Welt des Golfsports in einem gewohnten Umfeld heranzuführen und ihnen den Spaß am Sport näherzubringen.

Man muss früher beginnen

Erst, wenn die ersten Berührungspunkte geschaffen und die Begeisterung geweckt ist, macht es Sinn, die Kinder auf den Platz zu bringen. Denn das Problem sind nicht nur nörgelnde Mitglieder, sonder auch der entscheidende Faktor Zeit. Warum sollen sich Schüler, die mit diesem Sport nichts anfangen können, nach der Schule dafür begeistern, auf den Platz zu fahren, wenn sie genauso gut mit ihren Fahrrädern zum Fußballplatz zum Toben mit den Kumpels fahren könnten. Dieser Schritt kann erst gelingen, wenn das Interesse bereits geweckt ist.

Es muss nicht direkt das teure Kunstrasengrün sein, es gibt viele Möglichkeiten, wie man Golf auch im Schulalltag integrieren kann. Es muss den Kindern nur irgendwie angeboten werden. Man kann, wie Christian Davis richtig erkannt hat, Mathematik-Aufhaben stellen oder chemische Formeln berechnen und die Kinder auf die entsprechend gekennzeichneten Ziele putten lassen und es gibt kleine Abschlagsmatten und leichte Bälle, die man auch in einer Sporthalle gut schlagen kann. Dort können die Kinder laut sein, sie können in den Pausen gemeinsam den Spaß am Golfsport entdecken und sie müssen sich keine Anfeindungen von Mitgliedern gefallen lassen, die schnell abschreckend wirken können.

Das Beispiel Hösbach zeigt jedenfalls, wie die Zukunft des Golfsports auch in Deutschland funktionieren könnte.