The Masters – Round One

Wenn Bernhard Langer die Knie wackeln

Sogar der zweimalige Masters-Sieger Bernhard Langer kennt das Gefühl, vor Aufregung die Kontrolle zu verlieren. Zu Beginn des US Masters ist er sogar immer nervös. Aber er weiß, was er dagegen tun kann.

Von Reinhold Schnupp

GOLF MAGAZIN: Herr Langer, kennen Sie nach mehr als 40 Jahren als Profi noch das Gefühl, aufgeregt zu sein?

Bernhard Langer: Auf jeden Fall, sogar bei fast jedem Turnier. Beim Masters muss ich damit sogar ganz sicher rechnen. Dort herrscht einfach eine besondere Atmosphäre, es ist ein Major-Turnier. Wenn dann vor dem ersten Abschlag der Name Bernhard Langer aus Deutschland aufgerufen wird, dann ist das schon eine kleine Aufregung wert. Oder eher sogar eine große. Aber ich finde das ganz normal. Ich behaupte, wenn jemand sagt, er sei nicht nervös in einer solchen Situation, dann lügt er.

GOLF MAGAZIN: Wie äußert sich das denn bei Ihnen?

Langer: Manchmal ist der Herzschlag schneller. Ich erkenne das bei mir jedenfalls genau daran. Bei mir selbst habe ich festgestellt, dass ich in solchen Situationen sogar mehr wahrnehme. Es gab aber auch schon Momente in meiner Karriere, in denen ich das Gefühl hatte, ich bin außer Kontrolle. Die Knie haben mir gewackelt, und manchmal hatte ich sogar den Eindruck, dass ich mich nicht mehr, wie gewünscht, kontrollieren konnte.

GOLF MAGAZIN: Bei welchen Gelegenheiten ist das vorgekommen?

Langer: Bei größeren Turnieren. Ich hatte dann das Gefühl: Oh, das ist jetzt ein bisschen viel. Ich habe dann versucht, ruhig zu atmen oder meinen Schritt zu verlangsamen. Oder ich habe mich auf andere Gedanken konzentriert, um wieder das gewohnte Gefühl zu bekommen.

GOLF MAGAZIN:  Am US Masters haben Sie 1982 das erste Mal teilgenommen, und seitdem waren Sie fast immer dabei.

Langer: Einmal habe ich gefehlt, und einmal musste ich absagen, weil ich am Daumen operiert wurde. Es waren also bis jetzt fast 35 Turniere, die ich in Augusta gespielt habe.

GOLF MAGAZIN: Können Sie das Masters heute eher genießen als in Ihren ersten Jahren dort? Sie haben ja in Augusta alles erreicht, Sie haben zweimal gewonnen. Sie müssen sich nicht mehr unter Erfolgsdruck setzen.

Langer: Das ist tatsächlich so. Ich sehe mehr, ich spüre mehr und bemerke auch, wie viel in Augusta für die Veranstaltung geleistet wird. Früher bin ich zum Masters in der Hoffnung gefahren, dort zu gewinnen. Es waren auch in der Vorbereitung des Turniers alle Gedanken auf das Masters ausgerichtet. Heute bin ich da schon ein wenig gelassener. Und aus diesem Grund habe ich einen Blick, der über den Tellerrand meiner eigenen Ambitionen hinaus geht. Was in Augusta in den letzten zehn Jahren geleistet wurde, ist wirklich unglaublich. Ich denke an die neue Driving Range, die vielen neuen Gebäude, die errichtet wurden. Der Club hat enorm viele Grundstücke aufgekauft, nur um allen einen Parkplatz bieten zu können. Und das für nur eine Gelegenheit im Jahr. Es gibt keine Zelte wie bei anderen Veranstaltungen. In Augusta jedenfalls haben sie sich noch mehr als früher von anderen Turnieren abgesetzt.

GOLF MAGAZIN: Sollten Sie tatsächlich noch einmal das Masters gewinnen, gibt es dann eine große Party? Holen Sie alle Ihre Kinder zusammen und die Langers zusammen hauen dann mal richtig auf den Putz?

Langer (lacht): Das passiert dann vermutlich eher spontan. Zum Masters sind sowieso alle unsere Kinder mit dabei. Die gesamte Familie kommt, und was dann danach passieren würde? Ich weiß es wirklich nicht. Aber sehr wahrscheinlich ist ein dritter Erfolg von mir in Augusta ja nicht. Dafür sind die jungen Spieler einfach zu stark.  Die hauen den Ball einfach zu weit.

GOLF MAGAZIN: Vor dem Turnier findet ja immer das Champions Dinner statt, ein gemeinsames Essen der ehemaligen Sieger. Gibt es für diesen Anlass eine feste Sitzordnung?

Langer: Nein, überhaupt nicht. Es gibt einen sehr langen Tisch, und an der einen Seite sitzt der Chairman des Clubs und der Sprecher von uns. Früher war das Byron Nelson, heute ist es Ben Crenshaw. Und dann sitzt an der Spitze des Tisches noch der Sieger des vergangenen Jahres. Auf die anderen Stühle kann sich dann von uns setzen, wer will.

GOLF MAGAZIN: Haben Sie unter den Masters-Siegen einen, der Ihnen besonders nahe steht?

Langer: Mit Larry Mize bin ich sehr gut befreundet. Wir sitzen meist nebeneinander und haben dann unseren Spaß zusammen. Zach Johnson zählt auch zu meinen Freunden. Ein gutes Verhältnis habe ich aber eigentlich zu allen früheren Siegern.

GOLF MAGAZIN: Martin Kaymer gehört in diesen Kreis nicht, oder vielleicht anders gesagt, noch nicht. Er durchlebt gerade eine schwierige Phase in seiner Karriere, können Sie ihm helfen?

Langer: Wir haben länger nicht miteinander gesprochen, sondern nur ein paar SMS ausgetauscht. Er hat mir dabei nicht geschrieben, welche Probleme er hat. Ich werde ihn auch nicht danach fragen, sofern er mir das nicht von sich aus sagt. Ich kann keine Ferndiagnosen stellen, beim Golf können die Ursachen für Rückschläge so verschieden sein. Er wird selbst am besten wissen, was zu tun ist. Aber selbst, wenn er kein Turnier mehr gewinnen sollte, wovon ich nicht ausgehe, kann er auch in diesem Fall sagen, eine großartige Karriere gehabt zu haben.