Danny Willett im Interview: „Meine Uhr tickt anders“

Danny Willett

Danny Willett hat die DP World Tour Championship 2018 in Dubai gewonnen! Im Oktober 2017 trafen wir Danny Willett, den Masters-Sieger von 2016, zum Interview. Da verrät Danny Willett, dass es in seinem Leben inzwischen Zeiten für alles gibt: für hartes Training, gutes Golf, Hobbies und natürlich ganz besonders für seinen „Little Man“ – Sohn Zachariah James Willett…

Artikel aus GOLF MAGAZIN 12/2017:

Das Interview mit Danny Willett fand im Hauptsitz seines Uhren-Sponsors Audemars Piguet – in Le Brassus – statt.

Das Interview mit Danny Willett fand im Hauptsitz seines Uhren-Sponsors Audemars Piguet – in Le Brassus – statt.

Einen Masters-Sieger trifft man ja nicht alle Tage. Deshalb nehme ich gern die siebenstündige Anreise von Hamburg nach Le Brassus in der französischen Schweiz auf mich. Dort, im Hauptsitz von Audemars Piguet, bin ich mit Danny Willett verabredet, der bei ebendieser Uhrenfirma unter Vertrag steht – und nach einer fulminanten Saison 2016 mit dem Masters-Sieg als Krönung nicht mehr wirklich viel getroffen hat.

Als Danny Willett und ich einander vorgestellt werden, bin ich überrascht, wie klein der drahtige, angeblich knapp 1,80 Meter große Mann ohne Golfschläger in den Händen wirkt.

Das Firmengebäude von Audemars Piquet gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Nachdem wir, umringt von einigen Marketing-Mitarbeitern, an einem großen Tisch Platz genommen haben, fragt Willett: „Wie? Hier? Jetzt?“ Selbst für einen Medien-Profi wie Willett scheint es ungewohnt zu sein, im Beisein so vieler Menschen ein Interview zu führen. Ist es auch; üblicherweise sitzt höchstens noch der Manager des Spielers dabei. Dennoch legen wir los:

GOLF MAGAZIN: Herr Willett, 2016 waren Sie in den Top Ten der Welt. Gegenwärtig (Anmerkung der Redaktion: November 2017) rangieren Sie nur noch auf Platz 73. Woran liegt das?

Danny Willett (legt seine Hände in den Schoß und blickt auf den Boden): Klar, das ist nicht gut, aber ich trainiere gut (zuckt mit den Schultern). Kurz vorm Masters-Sieg 2016 ist der ,little man‘ (so nennt Willett meistens Sohn Zachariah James, der am 30. März 2016 zur Welt kam; Anmerkung der Redaktion) in mein und das Leben meiner Frau Nicole getreten. Seitdem herrschen andere Gesetzmäßigkeiten. Ich habe mir eine Auszeit genommen, um Meister im Windeln wechseln zu werden (grinst). Ich merke ganz klar, dass alles seine Zeit hat. Momentan tickt meine Uhr eben anders. Zachariah ist da, und der kleine Mann ist eine wahre Freude!

Zweite Runde PGA Championship 2017: Der MAsters-Sieger von 2016, Danny Willett, musste sich 2017 zu oft aus heiklen Lagen befreien. (getty images)

Zweite Runde PGA Championship 2017: Der MAsters-Sieger von 2016, Danny Willett, musste sich 2017 zu oft aus heiklen Lagen befreien. (getty images)

2016 war Ihr Jahr! Durch Ihren Masters-Sieg haben Sie das geschafft, was 20 Jahre lang keinem Engländer und 17 Jahre keinem Europäer gelungen war. Wie fühlte sich das an?

Das war wunderbar. Was das für Wellen geschlagen hat… Aber kein Wunder. Nicks letzter Sieg war 1996 (Nick Faldo gewann dreimal das Masters). Damals war ich neun Jahre alt. Und der letzte siegreiche Europäer beim US-Masters vor mir war José Maria Olazábal 1999. Und vorher die Geburt unseres Sohnes, die natürlich alles toppte. Das war ganz schön viel.

Ihre Eltern sprachen von einem ‚meteoritenartigen Aufstieg‘. Würden Sie dem zustimmen?

Nun ja. 2015 war auch schon ein sehr ordentliches Jahr. Da habe ich gleich zwei Turniere gewonnen. Einmal hier in der Schweiz, im Crans-sur-Sierre Golf Club, das European Masters, und zum Ende des Jahres in Sun City die Nedbank Golf Challenge. Da ging es in der Weltrangliste schon mal ordentlich nach oben. Als 2016 noch die Siege beim Dubai Desert Classic und natürlich beim Masters in Augusta dazu kamen, war für mich golfmäßig alles perfekt. Top Ten der Welt nach meinem ersten Majorsieg. Was für ein Timing.

Als Geburtstermin war der 10. April berechnet worden, der Finaltag beim Masters. Wären Sie dort in jedem Fall hingefahren?

Nein, auf keinen Fall (Willett schüttelt energisch den Kopf)! Bei der Geburt wollte ich natürlich dabei sein und Nicole beistehen. Zum Glück aber kam Zachariah rechtzeitig. So konnte ich doch noch in den Flieger steigen.

Zachariah James Willett kam im März 2016 kurz vor dem Masters-Sieg seines Vaters zur Welt. Hier posiert Willett Junior neben seinem vierbeinigen Kumpel, Mops „Spike“.

Zachariah James Willett kam im März 2016 kurz vor dem Masters-Sieg seines Vaters zur Welt. Hier posiert Willett Junior neben seinem vierbeinigen Kumpel, Mops „Spike“.

Privat läuft es bei Ihnen rund, auf dem Golfplatz (Anmerkung der Redaktion: 2017) hingegen nicht. Woran trainieren Sie momentan besonders?

Zurzeit liegt mein Fokus vor allem auf der Distanzkontrolle. Und ich übe mich intensiv im variablen Zielschießen, um präziser zu werden. Genauigkeit ist für alle Golfplätze der Welt hilfreich.

Sie haben schon mal erfolgreich in Deutschland gespielt. Wie war das?

Stimmt. Das war 2012 bei der BMW Inter-national Open in Köln. Das war war mein erster Sieg auf der European Tour, und den vergisst man nicht. Zumal die deutschen Fans echt super waren.

Ehrlich?

Absolut. Die waren cool, haben fleißig geklatscht und gefeiert. So etwas hilft auf der Runde.

Welche Plätze gehören zu denen, die Sie am liebsten mögen oder auf denen Sie am besten spielen?

Plätze haben viel mit positiven Erinnerungen zu tun. Als ich 2016 die Omega Dubai Desert Classic im Emirates Golf Club gewann, war das fantastisch. Daher ist das definitv einer meiner Lieblingsplätze. Und natürlich der Augusta National Golf Club!

Sie haben bereits so viel im Golf erreicht. Haben Sie noch Träume?

Klar! Mein absoluter Traum ist, im kommenden Jahr wieder Mitglied des europäischen Ryder Cup-Teams zu werden. 2016 war super; auch wenn wir den Titel nicht verteidigen konnten. Die Amerikaner sind einfach super stark und werden es wohl auch zukünftig sein.

Alles hat also seine Zeit?

Absolut. Ich bin ja schon seit neun Jahren auf der Tour. Als Jugendlicher habe ich mich auf die Range geschlichen, obwohl ich besser zur Schule hätte gehen sollen. Ich hatte meine erfolgreichen Zeiten als Amateur und geniale Momente als Pro. Mein Ziel ist es, wieder im Ryder Cup zu spielen. Ryder Cups und Major-Turniere aber gibt es immer wieder. Den kleinen Mann hingegen aufwachsen zu sehen, das kann ich nur einmal im Leben.

Sie sind also ein Familienmensch?

Ja, Familie ist extrem wichtig. Meine Eltern (Vater Steve ist Pastor, Mutter Elisabet Mathematiklehrerin) und meine drei Brüder sind super. Sie unterstützen mich immer und überall. Und natürlich meine Frau Nicole und der kleine Mann. Mal treten sie einem in den Hintern, wenn es nötig ist, oder nehmen einen tröstend in den Arm. Dem ,Little Man‘ ist es doch völlig egal, wie ich Golf spiele. Für ihn bin ich einfach nur sein Dad! Zachariah macht keinen Unterschied zwischen einem Birdie und einem Triplebogey. Und das ist einfach gut zu wissen.

Sie sind ja auch noch Fußball-Fan!

Oh ja; ihr Deutschen doch auch. Also erinnert mich bitte nicht an das Tor… (Willett verzieht dabei das Gesicht. Er erinnert an das vermeintliche Tor von Frank Lampard im WM-Spiel Deutschland gegen England 2014 in Brasilien. Der reguläre Treffer, bei dem der Ball wieder aus dem Tor heraussprang, wurde vom Schiedsrichter nicht gegeben, Deutschland gewann 4:1 und wurde am Ende Weltmeister).

Danny Willett und GOLF MAGAZIN-Redakteurin Isabel von Wilcke in Le Brassus, Schweiz.

Danny Willett und GOLF MAGAZIN-Redakteurin Isabel von Wilcke in Le Brassus, Schweiz.

Mr. Willett, vielen Dank für das Interview und Ihre Zeit!