David Feherty: Zwischen Lachen und Weinen

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– von John Feinstein

Die Leute hält es nicht in ihren Sitzen, ihr dröhnendes Gelächter durchdringt den Raum. Eine Frau platzt bei jeder Pointe beinahe vor Lachen. 24 Abende im Jahr erlebt David Feherty diese Szenerie – insgesamt drei Mal pro Woche an acht verschiedenen Orten. Eine Stunde und 40 Minuten steht er vor seinem Publikum, nippt gelegentlich an seinem Eistee. Aufrecht vor seinen Zuhörern zu stehen, ist ein Sinnbild seiner Lebensgeschichte. Und die beinhaltet neben einer guten Portion Humor jede Menge Lebenserfahrung – und einige ergreifende Momente. Vor allem, wenn er Familiäres preisgibt, von seinen Eltern und seiner Frau Anita erzählt. Interaktiv wird das Publikum integriert bei einem Frage-Antwort-Spiel. An diesem Abend in Atlanta, eine Woche vor dem Start des US Masters, wird er, wen wundert’s, gefragt, warum er nicht in Augusta sei. „Ich möchte lieber hier bei euch sein“, sagt er und weist darauf hin, dass er nicht mehr Teil des CBS-Teams sei, des Senders, der die Übertragungsrechte an diesem Major-Turnier hält.

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Was er nicht erwähnt, ist, dass der Golf Channel, sein aktueller Arbeitgeber, ihn gern während der Woche in Georgia vor Ort hätte, um die Live-Berichterstattung mit seinem typisch irischen und dringend benötigten Humor zu würzen. David Feherty hat allerdings eine vertragliche Vereinbarung, die ihn in der Masters-Woche freistellt. „Ich habe mich dort nie wohlgefühlt“, bekennt er. „Wenngleich ich dort nie ein Problem mit irgendjemandem oder irgendetwas hatte. Aber ich hatte einfach nicht das Gefühl, dort ich selbst sein zu können. Ich war zum Beispiel ein einziges Mal in 19 Jahren im Clubhaus zum Mittagessen. Das war’s.“ Er ist offen und ehrlich zu seinem Publikum, und diese Ehrlichkeit bringt es mit sich, dass er in jeder Minute an diesem Abend von einer gewissen Angst getrieben ist.

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„Der netteste Junge, den du jemals treffen würdest“ 

Nur wenige Themen sind bei David Fehertys Erzählungen „spaßbefreit“. Er spricht über seine Eltern, über seine erste Frau, über Arnold Palmer, Jack Nicklaus, Ken Venturi und Tiger Woods. Die einzige Person, über die er nicht witzelt, ist seine Frau Anita. Und es gibt ein Thema, dem er nicht nahekommen möchte – denn wenn, wäre der Abend wohl vorzeitig beendet. Shey, sein viel zu früh verstorbener Sohn. „Er war der netteste Junge, den du jemals treffen würdest“, sagt er leise – seine Stimme ist selten lauter als ein Flüstern, wenn er über ihn redet. „Er mochte Menschen, und die Menschen mochten ihn. Er war eine Persönlichkeit. Er arbeitete eine Weile in einem Restaurant, machte seinen Job ordentlich, hatte Aufstiegschancen. Aber er wollte unbedingt ein Ticket-Reselling-Geschäft starten. Er war in vielerlei Hinsicht ein naives Kind. Orientierungslos und ehrlich.“ Feherty schüttelt den Kopf. „Könnt ihr euch diesen Karriereschritt vorstellen? Er war ohne Kompass – und erinnerte mich dabei sehr an mich. Das ist nur einer der Gründe, warum ich nicht helfen konnte, aber ich fühle mich deshalb schuldig an dem, was ihm passiert ist.“

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Am 29. Juli 2017, an Sheys 29. Geburtstag, klingelte das Telefon in Fehertys Zuhause in Dallas. Es war Rory, Davids jüngerer Sohn. Shey, sein älterer Bruder aus der Ehe mit Fehertys erster Frau Caroline, war an diesem Morgen gestorben. Ein Gerichtsmediziner würde später feststellen, dass ihn eine Mischung aus Kokain und Alkohol getötet hatte. Am 4. Juli noch hatte Anita eine Nachricht von Shey erhalten, in der stand, dass er wieder in die Reha müsse. Dort war er aber nie angekommen.