Die große Mastersvorschau 2019

The Masters – Final Round

Es wird viel spekuliert, wer beim Masters im April das grüne Jackett gewinnt. Wir fragten bei denen nach, die ihre Augen und Ohren ganz dicht dranhaben: die Caddies. Sie sind sich einig, dass nur noch Longhitter gewinnen können. Damit ist Bernhard Langer leider raus … oder doch nicht?

Möchte man prognostizieren, wer in diesem Jahr die größten Chancen auf den Masters-Sieg hat, sollte man die Caddies zu Rate ziehen; sie sind die beste Informationsquelle. Während der Masters-Woche kommen sie sogar noch dichter an die Profis heran, seitdem sich immer mehr Spieler am Rande des großen Trainings-areals, am sogenannten „Caddie Shack“, aufhalten – eine wachsende Tradition. Im Hinblick auf die anderen opulenten Strukturen des Geländes, das üppige Angebot an Speisen, Bildschirmen und Stühlen, verspricht dieses Kleinod eine angenehme Abwechslung vom Masters-Trubel zu sein. Tatsächlich bevorzugen ausschließlich Neulinge und einige der ehemaligen Champions das deutlich belebtere Clubhaus. 

150 Caddies, 67 Starts beim Masters – und drei Siege

Zum ersten Mal arbeitete unsere US-Schwester-Zeitschrift Golf Digest mit dem sogenannten „Caddie Network“ zusammen, um den Lesern die ungefilterten Meinungen von fünf Caddies, die beim diesjährigen Masters im Einsatz sein werden, über den möglichen Masters-Sieger 2019 zu präsentieren. Sie haben noch nichts vom „Caddie Network“ gehört? Seit 2018 besteht dieses Netzwerk aus 150 Caddies, die von ihren Erfahrungen auf der Tour berichten. Alles, was wir über diese fünf Jungs verraten möchten, ist, dass sie zusammengenommen bei 67 Masters am Start waren und gemeinsam auf 22 Top-10-Finishes sowie drei Siege kommen. Für eine entspannte Leserführung geben wir diesen fünf Stimmen passende Decknamen, für die wir die Bezeichnungen einiger Spielbahnen des Augusta National Golf Clubs ausgewählt haben:

– Tea Olive (Bahn 1, Par 4, 445 Yards)
– Juniper (Bahn 6, Par 3, 180 Yards)
– Carolina Cherry (Bahn 9, Par 4, 460 Yards)
– White Dogwood (Bahn 11, Par 4, 505 Yards) – Firethorn (Bahn 15, Par 5, 530 Yards). 

Sergio Garcia (Sieger 2017) und der amtierende Masters Champion Patrick Reed (2018). Foto:Getty Images

Wer gewinnt in diesem Jahr das Masters?

White Dogwood: Dustin Johnson. Wenn er gut drauf ist, ist er der Beste in der Welt. Mental hat er perfekte Voraussetzungen, weil er sich auch von den dramatischen Breaks auf den Grüns nicht verunsichern lässt. Ich bin verwundert, dass er das Masters noch nie gewonnen hat. Es ist für ihn an der Zeit, seinem Kumpel Brooks Koepka zu zeigen, wer auf Dauer der Bessere ist.  

Juniper: Sehe ich genauso, Dustin macht‘s. Augusta National wird länger und länger, Drives werden immer wichtiger. 

Tea Olive: Justin Rose. Er ist Weltklasse. Allein seine Ergebnisse bei den ganz großen Events: Er hat bei Majors 15 Top-10-Finishes erzielt und einen Sieg in Merion (US Open 2013). Seit 2009 hat er nur einmal das Masters außerhalb der Top 20 beendet und war zweimal Zweitplatzierter (2015 und 2017). Neue Schläger, neue Klamotten, neuer Sponsor – er wird voll zur Geltung kommen. 

Firethorn: Ich nehme auch Rosey. Wer könnte mehr Selbstvertrauen haben als er? Er hat sein Putten erheblich verbessert.  

Carolina Cherry: Bubba Watson. Er haut lange Bälle, spielt Rechts-Links-Kurven und liebt Putten auf schnellen, ondulierten Grüns. Bubba ist ein Typ, der besser spielt, wenn er sich wohl fühlt. Augusta liegt ihm. Vielleicht sind es die definierten Baumreihen, die ihm helfen, die Flugkurve genau zu visualisieren. Er wird seine Karriere mit vier grünen Jackets beenden. 

Martin Kaymer wird auch 2019 in Augusta an den Start gehen. Bisher meinte es der Augusta National allerdings nicht besonders gut mit dem Deutschten

 Hat Patrick Reed eine Chance, seinen Titel erfolgreich zu verteidigen? 

Juniper: Ich war überrascht, dass er im vergangenen Jahr gewonnen hat. Er hat ein beeindruckendes Kurzes Spiel. Aber er wird sich zu sehr unter Druck setzen, um seinen Titel zu verteidigen.  

White Dogwood: Patrick hat ein enormes Selbstvertrauen. Aber es ist schwer, an den Erfolg anzuknüpfen. Er hatte auch einige harte Monate nach dem Ryder Cup. Ich denke nicht, dass sein Eisenspiel konstant genug ist, um das zu wiederholen. Und auch sein Driver ist nicht mehr derselbe wie im vergangenen Jahr. 

Tea Olive: Hat man einmal in Augusta gewonnen, ist es immer möglich, dort erneut zu gewinnen. Vielleicht ist es sogar wahrscheinlicher als auf irgendeinem anderen Platz.  

 Wer kommt noch infrage? 

White Dogwood: Jordan Spieth. Er wird seine Form in Augusta finden. Der Platz ist für ihn etwas Besonderes. Ich bin beeindruckt, wie er die Grüns liest und puttet. Er hat mit einigen Dämonen an der 12 zu kämpfen, aber er ist stark genug, wird sie besiegen und mindestens ein weiteres Masters gewinnen.   

Firethorn: Louis Oosthuizen ist bereit zu gewinnen. Er war in Augusta schon so dicht dran. Und er kommt hervorragend mit schnellen Grüns zurecht.  

Juniper: Ich glaube, Phil Mickelson trägt noch so viel Power in sich, um mit 48 Jahren der älteste Masters-Champion der Ge-schichte zu werden. Er kennt wie kaum ein anderer den Platz und kann alles aus sich herausholen, wenn er es wirklich will. 

 Top-Spieler, die am Cut scheitern werden?

Tea Olive: Bryson DeChambeau. Auch wenn er bereits so viel gewonnen hat, lockt ihn dieser Platz aus seiner Komfortzone. Es gibt zu viele Slopes auf den Grüns. Er schätzt es, sich auf dem Übungsgelände mit einem Laser vorzubereiten, um das Gefälle zu erkennen. Und das ist in Augusta verboten. Ohne sein Green-Reading-Book wird er verunsichert sein.  

White Dogwood: Bryson drivt großartig, und sein aggressives Eisenspiel ist beeindruckend. Was mich besorgt, ist sein Chipping. Er ist dafür bekannt, ein äußerst emotionaler Spieler zu sein, was ihn von einem Major-Sieg abhalten kann. 

Bryson DeChambeau liebt es zu tüfteln. In Augusta dürfte er allerdings seine Schwierigkeiten haben. (Photo by Kevin C. Cox/Getty Images)

Carolina Cherry: Haltet mich nicht für verrückt, aber ich denke, dass Tiger am Cut scheitern wird. Ich habe den Eindruck, dass sein Problem mit dem Driver jederzeit wieder aufflammen kann.  

 Für wie groß halten Sie die Siegchancen von Tiger bei allen Majors des Jahres?

White Dogwood: Er ist eine harte Konkurrenz und kann in Augusta in diesem Jahr gewinnen. Er wird sich nichts mehr wünschen, als hier endlich sein 15. Major einzufahren. Er kennt den Platz besser als alle anderen. Ja, sogar besser als Phil. Tigers nächstbeste Chance, 2019 ein Major zu gewinnen, wird die PGA in Bethpage sein, weil er dort schon mal gewonnen hat. Bethpage Black ist ein langer Platz, der ein exzellentes Eisen- und ein hervorragendes Kurzes Spiel voraussetzt – beide zählen zu seinen  Stärken. Die Open in Portrush? Darüber weiß ich zu wenig, Tiger wohl auch. Daher denke ich, dass die US Open seine dritte Chance sein wird. Pebble Beach wird der kürzeste Major-Platz sein. Und er wird vermutlich die schmalsten Fairways haben. Perfekt für Tigers 2er-Eisen.