HELIGOLF: Up in the air!

HG Chr Huwerth im Cockpit

HELIGOLF: Einfach mal abheben

Im Heli zum Golfen fliegen ist eine exklusive Sache und ein unvergessliches Erlebnis für alle, die beide Leidenschaften teilen. HELIGOLF macht es möglich!

Der Hubschrauber zieht eine langsame Linkskurve über dem Golfplatz. Ganz sachte. Der Pilot muss aufpassen – es ist bei dem schönen Wetter viel Verkehr in der Luft. Behutsamer Sinkflug, noch eine kleine Kurve, dann ein paar Meter über die Landebahn – und wir setzen in Zell am See auf.

Vor knapp 55 Minuten stand ich noch in der Willy-Messerschmitt-Straße in Ottobrunn bei München. Auf dem gut bewachten Gelände, wo unter anderem Airbus eine Dependance unterhält, stehen die Hubschrauber des Heli-Charter-Unternehmens HTM. Auch »unser« Fluggerät, ein Airbus H125. Daneben zwei Piloten und drei leicht aufgeregte Gäste.

Kurzes Hallo, dann die Golf-Bags in den Außenkorb legen, einsteigen, anschnallen, Kopfhörer auf. Alles klar? Noch nicht ganz, erst kommt noch die Sicherheitseinweisung. Daumen hoch und ab die Post. Mit dem Heli zum Golfen fliegen – was für eine irre Idee…

Heli-Pilot und Golflehrer

Während des Flugs erklärt einer der Piloten ein paar technische Details. Der Mann ist Christopher Huwerth, Gründer und Chef von Heligolf. Der 36-jährige Münchner liebt das Fliegen. Nach Jahren des Überlegens packte er das Projekt Pilotenschein für Hubschrauber an. Eingeweihte wissen, wie schwer die Prüfungen sind. Huwerth hat ihn nun, den Schein, und fliegt Kundschaft mit seinem frisch gegründeten Unternehmen zu feinen Golfplätzen.

Aber der junge Mann ist nicht nur an Bord dabei, sondern begleitet seine Gäste auch auf der Golfrunde. Huwerth ist seit 16 Jahren PGA-Golf-Pro und aktuell im Tölzer GC tätig. Ein Heli-Flug mit einem Piloten, der auch noch Golftrainer ist und auf der Runde mit Rat und Tat zur Seite steht – das ist hierzulande so ziemlich einmalig.

Über Kopfhörer beschreibt Christopher wie ein Fremdenführer die Route. Rosenheim, Bad Aibling, der Chiemsee mit der Herreninsel zur Linken, die Kampenwand, die Chiemgauer Alpen, der Wilde Kaiser zur Rechten, im Hintergrund Kitzbühel mit der berühmten Hahnenkamm-Abfahrtsstrecke (Streif), links der Nationalpark Berchtesgaden, dann weiter Richtung Süden – bis der Zeller See durch die getönte Scheibe zu sehen ist. Linker Hand der Hochkönig, vor uns das imposante Kitzsteinhorn mit seinem Gletscherfeld und im Hintergrund Österreichs höchster Berg, der Großglockner.

Über Loch 15 ein Sportflugzeug

Nach der astreinen Landung fahren wir per Shuttle vom kleinen Flugplatz von Zell am See, der vor allem bei Sportfliegern beliebt ist, zum Golfclub. In vier Minuten sind wir dort – und natürlich VIP-mäßig angemeldet. Der Check-in ist schnell erledigt, und bei einem »Verlängerten« auf der Clubhausterrasse lernt man sich besser kennen.

Die beiden anderen Gäste sind Annett und Marie aus Hamburg. Annett ist ein Fliegerfan durch und durch, war früher Fallschirmspringerin und will irgendwann selbst den Pilotenschein machen. Sie hat ihr Patenkind Marie zu dem Trip eingeladen. Die Golf-Carts stehen parat, noch ein paar Schwünge auf der Driving-Range, und Christopher gibt erste Tipps.

Heute wird auf dem Platz Schmittenhöhe gespielt, einem von zwei herrlich gelegenen 18-Löcher-Kursen des GC Zell am See-Kaprun. Ein schöner, aber kein einfacher Platz, hohe Bäume und hohes Gras sind zu vermeiden. Das Thermometer ist inzwischen auf 32 Grad geklettert, und wir sind über die Carts froh.

Da der Parcours neben dem Flugplatz liegt, fliegen die Sportflugzeuge fast im Minutentakt direkt über die Spielbahnen. Über Loch 15 segelt gerade eine Robinson R 44 im Landeanflug. Paraglider, Fallschirmspringer, Segel- und Sportflieger teilen sich heute den wolkenlosen Himmel. Fliegen und golfen ist hier in Zell am See eine ganz normale Geschichte. Wer beide Leidenschaften teilt, liegt hier richtig.

Tipps vom Profi

Christopher gibt nach ein paar Spielbahnen weitere Tipps, korrigiert etwas die Ausrichtung und die Ansprechposition, ein klein wenig am Griff. »Ich verändere auf der Runde nicht zu viel, gebe nur Hilfestellungen«, erklärt er. Die Tipps zeigen aber sofort Wirkung. Wir spielen Matchplay, Männer gegen Frauen. An Loch 16 haben die Männer verloren, aber die Runde hat trotzdem riesig Spaß gemacht. Und das Beste kommt ja noch: der Rückflug in der Abendstimmung.

Nach der Dusche noch eine kleine Stärkung, und schon heißt es wieder: Bags einladen und an Bord klettern. Die Rotorblätter drehen sich, der Geräuschpegel steigt, Kopfhörer auf und wir heben ab.

Die Sonne neigt sich langsam zum Horizont, im Abendlicht strahlen die schroffen Felswände der Berge, wir überfliegen Saalfelden, und auf der rechten Seite tauchen die imposanten Wände des Steinernen Meers auf. Im Abenddunst wird der Himmel in ein sanftes Rot getaucht. Mit Rückenwind schaffen wir die Strecke in 49 Minuten. Was für ein Tag, welch grandioses Erlebnis. »Mega! Ich liebe das«, jubelt Annett, für die das Fliegen zwar nichts Neues ist, die Helikopter-Golf aber doch sichtlich beeindruckt hat.

HELIGOLF: Ein ganz besonderer Trip

Ein Fazit nach dem Selbstversuch: Heli-Golf ist eine umwerfende Sache. Das hat mit der Exklusivität, aber auch mit dem Gesamtpaket zu tun. Ein persönlicher Begleiter in Form von Christopher Huwerth ist einmalig.

Denn er geht auch auf individuelle Wünsche ein. Unlängst wollte ein Kunde nach Südtirol fliegen, aber nur neun Löcher spielen, während seine Gattin gar nicht beim Golfen dabei sein wollte. Ein anderer Kunde wollte auch nur neun Löcher spielen und vorher ein Schwungtraining mit Video und TrackMan auf der Range haben. Auch diese Wünsche werden nach Möglichkeit berücksichtigt. Huwerth wird künftig weitere Ziele anbieten, auch verstärkt innerdeutsch.

Und der Umweltgedanke? Neulich hat mein Nachbar seinen alten Rasenmäher angeworfen. Ein lauter Benziner, eine Stunde lang Lärm… Ein Hubschrauber ist lauter, aber landet in circa zwei bis drei Minuten – dann ist Ruhe. Sie merken schon, ich will Vorurteile abbauen.

Auch der Verbrauch hält sich vergleichsweise (nicht mit dem Rasenmäher) in Grenzen. Fährt man die natürlich viel längere Strecke mit dem Auto, verbraucht man fast so viel »Treibstoff« wie mit dem Heli, da kurze Flugdauer und Direttissima. Außerdem hat Heligolf kürzlich das Zertifikat von Carbon Connect über »die Kompensation und Klimaneutralität aller durchgeführten Hubschrauberflüge« erhalten.

Mit dem Heli zum Golfen fliegen ist also eigentlich doch nicht so irre, sondern einfach ein toller Spaß-Trip für alle, die mal etwas Besonderes erleben wollen. Und: Heli-Golf hat Suchtpotenzial, denn Annett hat schon den nächsten Flug geplant und will im Frühjahr wieder abheben.

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