Justin Rose

Justin Rose: Wunder gibt es immer wieder!

Zwei Siege in Folge, Justin Rose ist der Mann der Stunde auf der European Tour. Hier verrät er seine erfolgreichsten Schwungtipps.

Bei Schlägen ins Grün haben Sie nicht immer freie Bahn. Das ist einfach die Realität beim Golf. Ich verfehle Fairways, die anderen Tourpros verfehlen Fairways, und Sie und Ihre Freunde ebenso. Der Unterschied zwischen Tourpros und Wochenendgolfern ist, dass wir bestimmte Strategien für jede Situation haben, bei der der Weg zum Grün versperrt ist. In den meisten Fällen handelt es sich um Bäume, die im Weg stehen; ich hatte es allerdings schon mit vielen Arten großer Hindernisse zu tun. Amateure neigen dazu, sich in solch schwierigen Situationen auf das Glück zu verlassen. Und mal ganz ehrlich: Einfach die Augen zu schließen, hart auf den Ball zu schlagen und auf das Beste zu hoffen, geht nicht oft erfreulich aus. Man benötigt ein technisches Verständnis für den Schlag, den man abzurufen versucht und muss daran glauben, dass die jeweilige Anpassung an den regulären Schwung zum gewünschten Ergebnis führen wird. Sie können den Ball über das Hindernis hinweg, darunter hindurch und um es herum spielen. Und so nicht selten sogar noch das Grün treffen. Befolgen Sie meine Tipps in diesem Artikel und Sie werden sich nicht mehr allein auf das Glück verlassen müssen. Mit etwas Übung wird es zur Routine, diese Befreiungsschläge erfolgreich auszuführen.

Wolkenkratzer: WEITER RADIUS AUF BEIDEN SEITEN

Zwischen Ihnen und dem Grün steht ein hochgewachsener Baum. Vorausgesetzt, der Ball liegt gut genug, um einen einigermaßen sauberen Kontakt zu machen (erst Ball, dann Boden), gibt es eine Methode, wie Sie den Ball mit jedem Schläger im Bag eine Nummer höher starten lassen können. Also zum Beispiel ein Eisen 8 so schnell wie ein Eisen 9 in die Luft zu bringen. Ein Großteil dieser Technik beginnt schon in der Ansprechposition. Nehmen Sie einen breiten Stand ein, die Balllage ist weiter vorn als bei normalen Eisenschlägen.

UM DEN BALL HOCH STARTEN ZU LASSEN, MÜSSEN AUCH DIE HÄNDE EINE HOHE POSITION ERREICHEN

Die hintere Schulter ist tiefer als die vordere, fast wie beim Drive, was automatisch zu einer flacheren Schwungebene führt, die wiederum eine höhere Flugbahn unterstützt. Der Rückschwung sollte sich weit – nicht lang – anfühlen, die Hände entfernen sich fast so weit wie möglich vom Oberkörper. Achten Sie bitte auf die Position meiner Hände am Ende des Rückschwungs (Foto rechts unten): Sie sind hoch und mein Körper ist gestreckt. Der Durchschwung verläuft ebenfalls mit diesem weiten, gestreckten Gefühl. Den Ball als Fade zu schlagen lässt ihn noch höher fliegen. Halten Sie für diese Flugkurve die Schlagfläche im Impact offen, das erhöht den Loft. Anstatt den Schläger wie bei einem regulären Schwung flach um den Körper herum zu schwingen, setzen Sie die Handgelenke im Durchschwung etwas aktiver ein.

Flacher Flitzer: DAS GEWICHT BLEIBT VORN

Wenn ich den Ball flach unter Ästen halten muss, weiß ich, wie entscheidend es ist, nicht den ersten Zweig zu treffen. Sonst könnte der Ball danach noch weiter vom Grün entfernt liegen als vorher. Trifft der Ball dagegen ein weit entferntes Hindernis, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen glimpflichen Ausgang. Fast alle Zweige und Äste sind an ihren Enden am dünnsten.

Minimieren Sie Schulterdrehung und Gewichtsverschiebung, um unter den Ästen zu bleiben

Beachten Sie dies beim Zielen, nur zwei Zentimeter können in dieser Situation schon den Unterschied machen. Zur Ausführung dieses flach ausrollenden Schlags nehmen Sie ein langes Eisen und sprechen den Ball mit engem Stand vor dem hinteren Fuß an. Ungefähr 70 Prozent des Gewichtes liegt auf dem vorderen Fuß. Während des Schwungs sollte sich der Körper nicht viel bewegen, das Gewicht bleibt vorn und die Schulterdrehung ist reduziert. Ich stelle mir vor, dass meine vordere Schulter während des Rück- und Abschwungs die Position nicht verändert. Das hilft dabei, den Ball solide zu treffen.

Captain HOOK: HALTEN SIE DIE RECHTE SCHULTER OBEN

Sie haben einen großen Baum oder Fels vor der Nase und der einzige Weg dieses Hindernis zu umspielen, ist mit einer starken Rechts-Links-Kurve. Um diesen Schlag abzurufen, muss der Schwung kreisförmiger sein. Das erreicht man über eine Veränderung der Schulterdrehung. Um ein Gefühl für diese Bewegung zu entwickeln, eignet sich der von mir auf den Fotos demonstrierte Drill. Halten Sie einen Schläger vor Ihrer oberen Brust und üben Sie Schwünge, bei denen der Schaft annähernd parallel zum Boden bleibt.

Ein Hook-Schwung ist kreisförmiger. Dafür muss man die Bewegung der Schultern verändern.

Das ist deutlich weniger Schulterneigung als bei einem typischen Eisenschwung. Der Hauptgedanke ist „halte die rechte Schulter hoch“. Meine rechte Hand spiegelt die Position der Schlagfläche, die sich im Impact aggressiv schließen sollte, damit der Ball hookt (Foto links unten). Die Position meiner Hand im Finish ist nicht höher als mein Kinn. Mit diesem flacheren, kreisförmigeren Schwungpfad können Sie den Ball um das Hindernis herumkurven.

Nice Slice: DAS GEWICHT BLEIBT HINTEN

Ich bin mir zwar sicher, dass viele von Ihnen bereits einen Slice schlagen können. Wirklich hilfreich aber ist es, diesen Schlag gewollt und kontrolliert abrufen zu können. Wenn man direkt hinter einem großen Baumstamm steht und den Ball sowohl rechts als auch links herum schlagen könnte, ist die Links-Rechts-Kurve die einfachere Option. Bei Amateuren beobachte ich allerdings oft, dass sie nicht weit genug links zielen, mit dem Resultat, dass sie genau das Hindernis treffen, das sie umspielen wollten.


Geben Sie sich also ausreichend Raum, um die Kugel kurven zu lassen. Sprechen Sie den Ball mit auf den hinteren Fuß verlagertem Gewicht an und halten Sie es dort während des Schwungs. So verhindern Sie, dass Ihre Hände entlang der Ziellinie schwingen; eine Bewegung, die den Ball geradeaus oder nach links schickt. Lassen Sie Ihre Hände stattdessen die Impact-Zone mit geöffneter Schlagfläche nach links verlassen.

Handarbeit: KRAFT KOMMT AUS DEN HANDGELENKEN

Wenn Sie sich in der unglücklichen Lage wiederfinden, Ihren Ball direkt vor einem Busch spielen zu müssen, ohne Platz nach hinten für den Rückschwung zu haben, sollten Sie den Ball nicht sofort für unspielbar erklären. Meistens gibt es einen Weg, ihn über eine brauchbare Distanz voranzutreiben. Fehlt der Raum für eine Schulterdrehung, muss die Kraft aus den Handgelenken kommen. Auf diese – zugegebenermaßen etwas unbequeme – Weise lässt sich erstaunlich viel Schlägerkopfgeschwindigkeit erzeugen. Wahrscheinlich wird die Situation einen engen Stand erfordern, was gut ist, da ein solcher den steilen Eintreffwinkel unterstützt, den Sie für diesen kleinen abgehackten Schwung benötigen. Da die Hände deutlich vor dem Schlägerkopf sind, achten Sie darauf, einen Schläger mit ausreichend Loft zu wählen. Und nehmen Sie den Schläger nicht zu weit zurück. Wenn Sie den Ast – oder was immer Ihren Schwung behindert – versehentlich doch treffen, werden Sie es wahrscheinlich vermasseln. Es ist zudem eine gute Idee, reichlich Probeschwünge zu machen, um ein Gefühl für die koordinativ anspruchsvolle Aufgabe zu bekommen. Vielleicht schaffen Sie es demnächst ja immer häufiger aufs Grün.