Mission Hills Star Trophy

Sie spielte das beste Golf und kannte auch die Regeln: Lorena Ochoa mit Ken Chu

Von Detlef Hennies

Lorena Ochoa war bis zum vergangenen Jahr die beste Golferin der Welt, die dann, für viele überraschend, ihren Rücktritt vom professionellen Golf erklärte. „Mein Leben findet zwar nicht mehr auf der Damen-Tour statt, besteht aber immer noch zum Großteil aus Golf“, erklärte sie zu Beginn der Star Trophy im chinesischen Urlaubsparadies Hainan. Und: „Ich habe mich intensiv vorbereitet.“ Das zahlte sich aus: Die 28-Jährige brauchte für die nur zwei Wertungsrunden der Mission Hills Star Trophy auf dem schweren Blackstone Course jeweils 71 Schläge. Das bedeutete Platz 1, mit 1,28 Millionen Dollar die höchste Prämie in der Geschichte des Damengolfs und die schöne Seite des Turniers.

Die Männer dagegen blamierten sich bis auf die Knochen. Nick Faldo wurde nach der ersten Runde disqualifiziert, weil er ein Loch nicht zu Ende gespielt hatte in der irrigen Annahme, er spiele, wie an den beiden Tagen vorher, noch nach Pro-Am-Regeln.

Ryuji Imada kassierte in derselben Runde rekordverdächtige 26 Strafschläge. Der Japaner, immerhin Mitglied der US-Tour, hatte den Ball beim Besserlegen (das war erlaubt) immer innerhalb einer Schlägerlänge platziert. Die local rules im Mission Hills Resort aber sagten klar: Platzieren innerhalb einer Scorekartenlänge so, wie es auch auf der Euro-Tour praktiziert wird. So saß Imada nach der Runde im Scorerzelt und versuchte sich zu erinnern, wie oft er den Ball denn wohl falsch platziert hatte. Man einigte sich auf 13, und weil es jedes Mal zwei Strafschläge gab, hatte Imada plätzlich eine 97 auf der Scorekarte. Bedeutet auch: Tatsächlich hatte der Japaner eine Par-Runde gespielt und hätte damit beste Chancen auf den Gesamtsieg gehabt. Auch die 72 (1 unter Par) am Sonntag konnte sich sehen lassen. Da aber war schon alles zu spät, und Imada wurde mit insgesamt 23 Schlägen über Par Letzter schön blöd!

Fehlt noch Colin Montgomerie. Der eben noch siegreiche Kapitän des europäischen Ryder Cup-Teams war bis zur 16. Bahn am Sonntag auf Millionen-Kurs, als sein Ball direkt hinter einer Werbebande landete. Monty sah dann etwas unsicher zu, als sein Caddie mit Hilfe eines Zuschauers begann, das große Plakat aus der Erde zu ziehen und hinzulegen. Irgendwann muss es ihm gedämmert haben: diese Banden galten nach den Platzregeln, die jeder Spieler und jeder Caddie vor der Runde bekam, als „zeitweilige unbewegliche Hemmnisse“. Die dürfen natürlich nicht entfernt werden; selbst der Versuch ist strafbar und bringt zwei Strafschläge. Montgomerie droppte den Ball seitlich von der Bande (straffrei) und spielte Par. Dachte er zumindest. Schon auf dem 18. Abschlag aber überbrachten die Schiris die schlechte Nachricht. Der Schotte brachte das Turnier mit zwei unter Par als Zweiter zu Ende, ward aber nach einer erregten Diskussion mit dem Hauptschiedsrichter nicht mehr gesehen.

Mit diesem haarsträubenden Fehler hatte er sich selbst die Chance aufs Stechen mit Ochoa und um die 1,28 Millionen Dollar Preisgeld genommen. Für den Zweiten nämlich gab es bei der Star Trophy in Hainan… nichts. In diesem Fall noch nicht einmal einen freundlichen Händedruck, weil die Hände zum Zeitpunkt der Siegerehrung schon lange nicht mehr greifbar waren.

Ja, und die Promis wie Catherine Zeta-Jones oder Hugh Grant, die in den ersten beiden Tagen des Pro-Ams für reichlich Auflauf im Luxusresort gesorgt hatten? Die spielten während der Finalrunden keine große Rolle mehr. Da ging es dann vorrangig um Sport und weniger um Show. Zumindest mit den Regeln aber hatte sie keine Probleme.