Putten mit dem Fahnenstock bringt schlechtere Ergebnisse!

Omega Dubai Desert Classic – Previews

Die offiziellen Regelhüter, die United States Golf Association (USGA) und der Royal and Ancient Golf Club in St. Andrews (R&A), führten zu Beginn des Jahr fundamentale Neuerungen ein – um das Spiel zu vereinfachen, aber auch zu beschleunigen. Einige Monate nach Einführung der Regeln sind bereits hitzige Debatten entbrannt. Zum Beispiel um Regel 13.2, die besagt, dass es keine Strafschläge mehr gibt, wenn beim Putten auf dem Grün der Ball den im Loch steckenden Fahnenstock berührt. Im Glauben, es würde dem Score helfen, lassen viele Spieler nun die Fahne im Loch. Aber hilft sie wirklich?

Um Licht ins Dunkel zu bringen, habe ich mit Unterstützung meines Golfteams der California Polytechnic State University analysiert, wie der Ball mit dem Flaggenstock interagiert. Nach intensiven Tests mit Spielern, Maschinen und verschiedenen Flaggenstöcken ist das Ergebnis klar: Wer die Fahne stecken lässt, verringert die Chance, dass Putts – die ohne Flaggenstock ins Loch gefallen wären – fallen! Nur in Ausnahmefällen hält der Fahnenmast den Ball tatsächlich so auf, dass er ins Loch tropft.
Selbst den besten Spielern, die sehr gute Putt-Statistiken haben, gelingt es nur in 27,6 Prozent der Fälle, den Stock mittig zu treffen. Für die verbleibenden 72,4 Prozent, die den Fahnenstock eben nicht zentral treffen, ist die Fahne im Loch ein klarer Nachteil.

Die Methode

Die Versuchsreihen wurden im Dairy Creek Golf Club durchgeführt, als Probanden dienten College-Golfer. Verwendet wurde auch das Trainingsgerät „Perfect Putter“, eine Schiene, die eigentlich Grünlesen, Ausrichten und das richtige Einschätzen der Geschwindigkeit trainiert. So konnten nahezu identische Putts wiederholt werden. Um Schläge zu simulieren, die sowohl mit der Schlagflächenmitte als auch außerhalb des Sweetspots getroffen wurden, wurden die Bälle rund einen bis zu vier Meter hinter das Loch gespielt. Alle Versuche wurden zufällig und mit jeweils 30 Putts ausgeführt.

Zahlen und Fakten

Alle Putts, die mit einer Geschwindigkeit geputtet wurden, dass sie einen Meter hinterm Loch liegen geblieben wären, fielen ins Loch; ganz egal, ob sie Mitte Flaggenstock oder eine Nuance daneben ausgerichtet waren. Die Bälle fielen auch dann, wenn die Fahne nicht steckte. Putts, die rund eineinhalb Meter hinter dem Loch zur Ruhe gekommen wären und nicht Mitte Stock ausgerichtet waren, fanden zu 90 Prozent – ohne Flaggenstock – das Ziel. Steckte die Fahne, fielen nur 45 Prozent der Putts.

(Photo by Jamie Squire/Getty Images)

Gerade Putts

Alle Putts, die Mitte Fahnenstock ausgerichtet waren, wurden gelocht, sowohl mit als auch ohne Fahne. Selbst die schnell geputteten Bälle, die 2,50 Meter hinter dem Loch liegengeblieben wären, fielen. Alle Putts, die drei bis vier Meter hinters Loch gerollt wären, fanden – ohne Fahne – nicht das Ziel. Steckte die Flagge, gingen fast alle Putts ins Loch. Die Art des Fahnenmastes: nach unten spitz zulaufendes Fiberglas.

Der Drei-Putt-Faktor

Die Fahne im Loch zu lassen kann Drei-Putts vermeiden. Der Fahnenstock nimmt dem Ball, wenn er getroffen wird, den Großteil seines Tempos. Was bleibt, ist ein deutlich kürzerer zweiter Putt.

Die 99,9967-Prozent Lösung

Basierend auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen und Standardabweichungen der PGA Tour Statistik, treffen die besten Tourspieler aus einer Entfernung von sechs bis acht Metern die Mitte des Flaggenstocks mit einer Wahrscheinlichkeit von 3,3 Prozent. Angenommen, die besten Putter würden ihren ersten Versuch drei Meter hinters Loch spielen, was höchstens einmal in tausend Fällen passiert, wäre es bei Sechs- bis Acht-Meter-Putts  in 0,0033 Prozent der Fälle ein Vorteil, die Fahne drin zu lassen. Und das gilt für die besten Profispieler. Für einen durchschnittlichen Amateur sähe die Wahrscheinlichkeit noch deutlich geringer aus.

Die Beschaffenheit der Fahne

Getestet wurden drei Fahnenstöcke: Fiberglas (der am meisten verwendete Stock auf der PGA Tour), nach unten schmal verlaufendes Aluminium und Multi-Diameter-Aluminium. Inwieweit die Fahnen Einfluss nehmen, wurde durch Putts ermittelt, die eineinhalb Meter hinterm Loch liegen geblieben wären und nicht auf den Stock ausgerichtet waren.
Mit 61 Prozent gelochter Putts hatte der schmale Fiberglas-Stock den geringsten negativen Effekt. Beim Multi-Diameter-Aluminium fielen 38 Prozent, und nur 36 Prozent beim schmaler werdenden Aluminium. Alle drei Optionen waren schlechter, als ohne Stock zu putten; da gingen rund 90 Prozent der Bälle ins Loch.

(Photo by Michael Reaves/Getty Images)

Optische Hilfe oder Ablenkung?

Der Testlauf, ob der Flaggenstock im Loch einen zusätzlichen Nutzen bietet, lief ins Leere. 36 College-Golfer haben aus acht Metern mit und ohne Fahne geputtet. In beiden Fällen blieb der Ball durchschnittlich 60 Zentimeter vom Loch entfernt liegen. Berücksichtigt werden sollte, dass der Flaggenstock in der Pre-Shot-Routine sowohl physisch als auch psychisch einen Unterschied macht.

Bryson DeChambeaus Logik

Bryson DeChambeau ist ein Befürworter des Puttens mit Fahne: „Ich habe erlebt, dass es hilft. In Dubai hatte ich einen Putt, der ohne den Fahnenstock mindestens eineinhalb Meter am Loch vorbeigerollt wäre. Dank der Fahne ist er gefallen. Auch optisch ist es hilfreich; man sieht das Ziel besser. Es gibt Momente, in denen es hilft, die Fahne stecken zu lassen. Und ich weiß, dass es mehr als 0,0033 Prozent sind.“

Die Fahne im Wind

Bei starkem Wind kann sich der Flaggenstock biegen und in einer Lochhälfte ist mehr Platz als in der anderen. Der Test zeigte: Eine Hälfte war bis zu einem Dimple breiter. Die Fahne im Loch zu lassen ist also inkonsequent, wenn man das Loch auch vergrößern kann, indem man die Flagge einfach aus dem Loch nimmt.

Ein letztes Argument

Die erhobenen Daten zeigen deutlich: Raus mit dem Flaggenstock! Außerdem kann die Lochkante beschädigt werden, wenn die Fahne steckt und der Ball aus dem Loch gefischt wird.

Über Prof. Dr. Tom Mase: Er gehört zum Technikteam unserer amerikanischen Schwesterzeitschrift Golf Digest. Er ist Professor für mechanische Technik an der California Polytechnic State University und lehrt seit über 30 Jahren (Golf-)Wissenschaft.


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