Robert Trent Jones Jr – „Meine Bunker sind wie Leuchttürme!“

U.S. Open – Round Two

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Das trifft im Besonderen auf Robert Trent Jones Jr. zu. Der Sohn des weltweit bekannten Golfplatz-Architekten Robert Trent Jones stieg nach einem Studium in Yale und Stanford zu Beginn seines Berufslebens Anfang der 1960er-Jahre in die Firma seines Vaters ein. Nach kurzen „Lehrjahren“ machte er sich selbstständig, gründete ein eigenes Golfplatz-Architekturbüro – und entwickelte bis heute mehr als 280 Plätze. Wir haben ihn exklusiv im Interview. 

GOLF MAGAZIN: Mr. Jones, wenn Sie das Gelände sehen, auf dem ein Golfplatz entstehen soll: Dauert es lange, bis Sie eine Vorstellung von dem neuen Platz haben?

Robert Trent Jones Jr.: Ich schaue mir das Land mit meinen Füßen an, denn ich laufe über das Gelände und absorbiere damit die Geheimnisse des Bodens. Dann beginne ich mit den Überlegungen für das Design. Ich muss eine Nacht darüber schlafen, dann bekomme ich die besten Ideen für den Kurs, manchmal schon mitten in der Nacht.

Kommt es vor, dass Sie einen Helikopter mieten, um das Land zu begutachten?

Robert Trend Jones Jr. spielt auch selbst gerne Golf

Robert Trent Jones Jr. spielt auch selbst gerne Golf.

Robert Trent Jones Jr.: Normalerweise nicht, nur selten fliege ich über das Gelände, zum Beispiel bei hügeligem Terrain. In den Alpen etwa oder in den Rocky Mountains. Manchmal fahre ich auch mit einem Jeep durch die Landschaft.

Erinnern Sie noch an Ihre Gedanken, als Sie das erste Mal nach Seddin kamen?

Robert Trent Jones Jr.: Ich erinnere mich genau daran, als ich das erste Mal überhaupt in Berlin war. Meine Familie und ich waren 1961, zwei Wochen bevor die Mauer errichtet wurde, in der Stadt. 1991 kam ich dann auf Einladung von Fürst Bismarck wieder nach Berlin, das war kurz nach dem Mauerfall.

Und dann zeigte Ihnen der Fürst das Gelände, auf dem Ihr Platz entstehen sollte?

Robert Trent Jones Jr.: Es war ein gutes, friedliches Stück Land nahe des Seddiner Sees. Ein unberührtes ehemaliges Ackerbaugelände, das Ruhe und Frieden ausstrahlte.

War es schwer, den Platz zu realisieren? Deutsche Umweltgesetze dürften strenger sein als beispielsweise in den USA.

Chateau Whistler in Kanada zählt zu einem der renommiertesten Golfplätze, die Robert Trent Jones Jr. designed hat.

Chateau Whistler in Kanada zählt zu einem der renommiertesten Golfplätze, die Robert Trent Jones Jr. designed hat.

Robert Trent Jones Jr.: Ich lebe in Kalifornien, und bei uns sind die Umweltbestimmungen extrem streng. Ich habe dafür viel Verständnis, weil ich Chairman der kalifornischen Kommission für State Parks und Naturschutz war. Deswegen fiel es mir leicht, die technischen und naturschutzrechtlichen Vorgaben beim Bau des Platzes am Seddiner See zu respektieren …

Robert Trent Jones Jr. gehört zu den besten und erfolgreichsten Golfplatz-Architekten der Welt. Seine riesigen Bunker gleichen Kunstwerken, die Signalwirkung haben. Ende Juli feiert der Amerikaner, der in Deutschland „nur“ einen Platz am Seddiner See gebaut hat, seinen 80. Geburtstag. Das gesamte Interview über die Entstehungsgeschichte des Seddiner Sees, wie gut der Stararchitekt selbst auf dem Platz ist und was er von den Umbauten im Augusta National hält, können Sie in unserer August Ausgabe lesen.

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