US Open Vorschau: Offenes Geheimnis

Die Hälfte der Löcher von Pebble Beach liegen direkt am Wasser.

Tom Watsons Glückspunkt gibt es nicht mehr! U.S. Open 1982. Jack Nicklaus und Tom Watson, die Helden der 80er, liefern sich ein hinreißendes Finale. An der 17, einem langen Par 3, verzieht Watson seinen Abschlag nach links, landet zwischen Grün und Meer im bekannt widerborstigen U.S. Open-Rough. Bruce Edwards, Toms Caddie, raunzt so was wie: Versuch, ihn dicht ran zu spielen. Watsons Antwort ist zum Klassiker geworden: Dicht ran? Ich hau ihn rein.

Genau das tut er: Der Chip steigt steil auf, steil wieder runter, prallt gegen die Fahne und zum Birdie ins Loch! Watson legt auf der 18 noch eins nach und gewinnt die U.S. Open mit zwei Schlägen. Für Nicklaus war es die größte Enttäuschung bei all seinen U.S. Open-Auftritten. Wenn der Ball nicht die Fahne getroffen hätte, wäre er drei Meter übers Loch hinausgelaufen. Mindestens.

Brutaler Sturm

Im Winter 82/83 erfasste ein brutaler Sturm die gesamte Monterey-Halbinsel, auf der sich Pebble Beach so keck in den Atlantik reckt. Zu keck, wie sich damals herausstellte, denn die riesigen Wellen rissen nachts große Teile des 17. Grüns und des 18. Abschlags in die tosende Brandung. Verschwunden war damit auch dieser kleine Hügel, von dem aus Watson eingelocht hatte. Schon im Frühjahr 1983 hatten Bauarbeiter eine neue Schutzmauer und die Greenkeeper den Platz wieder aufgebaut. Die genaue Form des Grüns aber bekamen sie nicht hin und damit war Watsons Glückspunkt für immer verschwunden.

Am Anfang fehlte das Geld! Als der Kurs in Pebble Beach im Jahr 1919 eröffnet wurde, war die 18 ein relativ simples, kurzes und gerades Par 4. Jack Neville und Douglas Grant, die Designer, hatten damals keine große Wahl. Auf der linken Seite verlief der Atlantik, auf der rechten eine Straße mit dem Namen 17 Mile Drive (die kurz darauf verlegt wurde) und direkt hinter dem Grün eine tiefe Schlucht. Neville und Grant hätten den Abschlag gern in den Pazifik gebaut, allein, es fehlte das nötige Geld.

Woran es dagegen nicht fehlte, war Kritik aus allen Lagern an dem furchtbar langweiligen Schlussloch, wie es die Californian Golf Association formulierte. Nach nicht einmal zwei Jahren machte Club- und Landbesitzer Samuel Finley Brown Morse dann das Portemonnaie doch noch mal richtig auf. Herbert Fowler, ein renommierter britischer Architekt, setzte dann die Lösung um, über die sich heute noch alle freuen: Abschlagboxen in den Pazifik, die Schlucht zugeschüttet, das Grün weit weg gestreckt und das wie ein Boomerang nach links gewundene Fairway auf hunderten von Metern mit einer robusten Mauer vom Wasser getrennt. Bei der US Open im Juni ist die finale Bahn mit rund 500 Metern vermessen, von denen die Hälfte über Wasser führt; mindestens.

Ein Geizkragen

Der erste Chef war ein Geizkragen! Samuel Finley Brown Morse, der Besitzer des zauberhaften, aber auch teuren Geländes, versuchte schon früh, damit gutes Geld zu verdienen. Zuerst bot er Baugrundstücke an, ließ sich dann aber schnell dafür begeistern, dieses begnadete Stück Land am Pazifik mit dem Namen Pebble Beach in einen entsprechenden Golfplatz zu verwandeln. Morse holte sich Angebote, Ideen und Zeichnungen von sechs Designern ein, deren Namen leider zum Teil vergessen sind. Den Zuschlag bekamen Neville und Grant, die ohne Honorar antraten. Der Grund: Beide waren sehr erfolgreiche Golfer, die ihren Amateurstatus nicht aufgeben wollten (nach den Vorgaben der United States  Golf Association galten Architekten grundsätzlich als Pros).

Nächste Idee, um Geld zu sparen: Morse setzte Schafe aus, um Fairways und Grüns kurz zu halten. Das bekam weder Grüns noch Schafen, die am Ende irgendwo auf der Speisekarte landeten. Der Einsatz von Pelikan-Kot, den Morse von den Klippen kratzen ließ, als Dünger ging ebenfalls in die Hose. Es brauchte seine Zeit, bis Morse das Geld für einen richtigen Greenkeeper locker machte.

Ein langer Weg zum perfekten Platz

Neville und Grant jedenfalls legten die Basis für das grandiose Routing, von dem der Platz heute noch profitiert. Sie schufen die 7, dieses nur scheinbar so leichte Par 3 über gerade mal 100 Meter bergab. Auf ein kleines Grün, das wie eine Stecknadel in der Bucht von Carmel thront. Wie hat John Daly mal gesagt: Je nach Wind geht hier alles, vom hingehauchten Wedge bis zum Driver. Gerade bei Gegenwind, der hier oft bläst, wird die Schägerwahl zum Glücksspiel. Die Pros der ersten Jahre behalfen sich damit, den Ball mit dem Putter über die Teebox zu schieben, so dass er den Weg runter zum Grün rollen konnte. Diese Möglichkeit ist inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes verbaut.

Bausünde der besonderen Art! Eines der ersten Grunstücke, die Morse 1915 verkauft hatte, lag direkt auf den Felsen von Stillwater Cove. William Beatty zahlte 6.000 Dollar und blockierte bald darauf und über Jahrzehnte die optimale Linienführung des neuen Golfplatzes. 1941, nach dem Tod von Beattys Witwe, kam das Grundstück wieder auf den Markt, Morse aber nicht zum Schuss, weil ihm das nötige Großgeld fehlte.
Es dauerte bis 1995, als die Pebble Beach Company das Land für acht Millionen Dollar zurückkaufen konnte. Drei Jahre später hatte Jack Nicklaus die jetzt endlich angemessene 5. Bahn fertig, die  über knapp 180 Meter auf ein wunderschönes Grün führt (Foto oben).

Palmer spielt noch mit als Architekt! Boss der Pebble Beach Company, die in den 90er-Jahren zum Entsetzen der Amerikaner in japanischem Besitz war, ist Arnold Palmer, selber mal einer der besten Spieler der Welt. Auch mit 80 Jahren war er noch immer voller Ideen, um seine Anlage für die U.S. Open 2010 noch besser und anspruchsvoller zu machen. Der wichtigste Punkt: Die Fairways der Bahnen 4, 6, 8, 9 und 10 wurden ganz dicht an die Klippen gelegt, so dass auch leicht verzogene Drives am oder im Wasser landen können. Palmer: Die Jungs sollen nicht nur draufhauen, sondern auch überlegen. Sprachs und spendierte den Bahnen 4 und 6 gleich noch neue Bunker. Arnie: „Wenn sie schon lang sind, sollten sie besser auch genau sein.“