Vorschau: 149. Open Championship in Royal St. George’s

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Die Open Championship ist zurück – und findet, wie ursprünglich für 2020 geplant, im bildhübschen Südosten Englands statt: Royal St. George’s in der Grafschaft Kent, gegründet 1887, ist nach 2011 erneut Gastgeber des ältesten Major-Turniers. 

Die Open Championship ist das einzige Herren-Major, das in der Corona-Pandemie ausgefallen ist. Einerseits wäre eine Reise von Sportlern aus allen Teilen der Welt nach England unverantwortlich und mit den Quarantäne-Auflagen kaum zu bewältigen gewesen; andererseits sind die Herren vom R&A vorausschauender als so manche andere Organisation. Denn gegen den Fall einer Seuche hat man sich versichert – genau wie übrigens das Tennisturnier in Wimbledon. Beide Großereignisse fanden 2020 erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht statt.  

Über Einzelheiten schweigen sich alle Beteiligten dezent britisch aus, doch offenbar stammt der Versicherungsschutz aus dem Jahr 2003, als die Welt knapp an einer Sars-Pandemie vorbeischrammte. Andere spekulieren, dass die Versicherungen schon in den 1950er- und 1960er-Jahren abgeschlossen wurden, als Großbritannien immer wieder von Tierseuchen heimgesucht wurde, bei denen ganze Landkreise abgeriegelt werden. Nicht auszudenken, wenn ein British-Open-Platz just in einem Bezirk liegen würde, in dem beispielsweise die Maul- und Klauenseuche ausbricht. Zuletzt ist ein solche Epidemie 2007 geschehen. 

 

 

 

 

 

In jedem Fall scheint sich die Versicherungssumme, so Insider, auf etwa 200 Millionen Pfund zu belaufen – eine stolze Summe, die den wirtschaftlichen Schaden einer Absage mehr als kompensiert. 

 

Doch jetzt blicken alle voller Vorfreude in die Grafschaft Kent, dorthin, wo die Fähren aus dem französischen Calais nach einer neunzigminütigen Fahrt in Dover anlegen. Dorthin, wo die Dörfer noch so aussehen, wie sie in England auszusehen haben: Backstein mit gepflegten Vorgärten und akkurat rasierten Hecken, und ab dem Nachmittag versammeln sich alle im Dorf-Pub. Viele Londoner haben sich in dieser heimeligen Welt ihr Refugium geschaffen, einen aparten Zweit- oder gar Erstwohnsitz, denn die Hauptstadt ist ja nur eine Stunde entfernt.  

 

Royal St. George’s gilt für viele Experten als bester Platz in England: erstklassiger Pflegezustand und büschelweise Herausforderungen – turmhohe Dünen neben metertiefen Bunkern. Eine einmalige Symbiose von Natur und Bahnenverlauf. Je nach Windrichtung ändert sich die Schwierigkeit der Löcher. Es wirkt, als hätte die Landschaft nur auf die Erfindung des Golfsports gewartet. Für den vollen Genuss ist ein Caddie unerlässlich. Dafür bekommt der Kunde aber auch tolle Geschichten erzählt, etwa jene, wie José María Olazábal einmal tolldreist versuchte, an Bahn 4 mit einem Eisen 6 aus dem Topfbunker zu schlagen, um das Grün zu erreichen, der Ball jedoch von der harten Bunkerkante zurücksprang und seinen Kopf um ein paar Millimeter verfehlte. »Seitdem weiß er, was Linksgolf wirklich bedeutet.«  

 

Royal St. George’s ist zum fünfzehnten Mal Open-Gastgeber und war 1894 der erste Platz außerhalb Schottlands, auf dem das Turnier ausgetragen wurde. Eine Prise Snobismus gehört bei so viel Tradition dazu – das Clubhaus darf nur nach rechtzeitiger Anmeldung und mit Krawatte betreten werden. Der Greenfee-Preis liegt mit 250 Pfund auch eher im gewöhnungsbedürftigen Bereich, dazu kommt die Entlohnung für den Caddie: 50 Pfund plus 20 bis 30 Pfund Trinkgeld, alles cash, of course. 

 

Mit Martin Kaymer, Marcel Siem, Marcel Schneider und Matthias Schmid nehmen vier Deutsche an den diesjährigen The Open teil.

Der junge Amateur Matthias Schmid darf sich dank seines zweiten Titels bei der European Amateur Championship über die zweite Open-Teilnahme nach 2019 freuen. 

Matthias Schmid vom GC Herzogenaurach ist noch Amateur, darf in Royal St. George‘s aber schon zum zweiten Mal an einer Open Championship teilnehmen. (Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Ausgewählte Startzeiten

06:35 AM Richard Bland – Andy Sullivan – Marcus Armitage (alle ENG)

07:41 AM Viktor Hovland (NOR) – Ryan Palmer (USA) – Thomas Detry (BEL)

07:52 AM Paul Casey (ENG) – Abraham Ancer (MEX) – Ian Poulter (ENG)

08:03 AM Brooks Koepka (USA) – Jason Kokrak (USA) – Garrick Higgo (RSA)

08:25 AM Darren Clarke (NIR) – Bernd Wiesberger (AUT) – Joe Long (ENG/Am.)

09:25 AM Jordan Spieth (USA) – BrysonDeChambeau (USA) – Branden Grace (RSA)

09:58 AM Jon Rahm (ESP) – Louis Oosthuizen (RSA) – Shane Lowry (IRL)

10:09 AM Stewart Cink (USA) – Lee Westwood (ENG) – Martin Kaymer (GER)

 

10:20 AM Dustin Johnson (USA) – Will Zalatoris (USA) – Justin Rose (ENG)

11:04 AM Cameron Tringale (USA) – Marcel Schneider (GER) – Takumi Kanaya (JPN)

11:58 AM Harold Vaner III (USA) – Brendan Steele (USA) – Matthias Schmid (GER/Am.)

01:04 PM Patrick Cantlay (USA) – Matthew Fitzpatrick (ENG) – Ryan Fox (NZL)

01:26 PM Collin Morikawa (USA) – Corey Conners (CAN) – Sebastian Munoz (COL)

02:15 PM Matthias Schwab (AUT) – Carlos Ortiz (MEX) – Brendon Todd (USA)

02:37 PM Marcel Siem (GER) – Matt Jones (AUS) – Daniel Hillier (NZL)

02:48 PM Phil Mickelson (USA) – Tyrrell Hatton (ENG) – Kevin Kisner (USA)

02:59 PM Xander Schauffele (USA) – Robert Macintyre (SCO) – Rickie Fowler (USA)

03:10 PM Justin Thomas (USA) – Tommy Fleetwood (ENG) – Adam Scott (AUS)

03.21 PM Rory McIlroy (NIR) – Patrick Reed (USA) – Cameron Smith (AUS)

03:32 PM Henrik Stenson (SWE) – Max Homa (USA) – Matt Kuchar (USA)

 

Zahlen und Fakten 

The 149th Open Championship 

Royal St. George’s, Sandwich, Kent 

15.-18. Juli 2021 

theopen.com, royalstgeorges.com 

Titelverteidiger: Shane Lowry 

Deutsche Starter (Stand 14. Juli): Martin Kaymer, Marcel Siem, Marcel Schneider, Matthias Schmid (Amateur) 

Tickets behalten von 2020 ihre Gültigkeit, neue Tickets können voraussichtlich nicht ausgestellt werden. 

Die Sieger in Royal St. George’s 

1894: John Henry Taylor 

1899: Harry Vardon 

1904: Jack White 

1911: Harry Vardon 

1922: Walter Hagen 

1928: Walter Hagen  

1934: Henry Cotton 

1938: Reg Whitcombe 

1949: Bobby Locke 

1981: Bill Rogers 

1985: Sandy Lyle 

1993: Greg Norman 

2003: Ben Curtis 

2011: Darren Clarke