Mit dem Buckelwal nach Mauritius

„Wenn Sie Kontaktlinsen tragen, schließen Sie während des Sprühvorgangs lieber die Augen“, klingt es aus dem Kabinenlautsprecher, denn für die Passagiere gibt es noch vor dem Weiterflug aus Dubai nach Mauritius eine kleine Dusche mit Pestiziden. Die Schädlingsbekämpfung richtet sich selbstverständlich nicht gegen die Passagiere, sondern gegen mögliche unerwünschte Mitreisende, wie malariaübertragende Stechmücken, und gehört in einigen Ländern, darunter auch Mauritius, zur Vorschrift für die Airlines.


Seit Beginn der Reise am späten Abend in Hamburg sind 12 Stunden und, bis auf zwei 5-minütige spontan Schläfchen im Wartebereich vor dem sich verspätenden Weiterflug, 0 Stunden Schlaf vergangen. Unser Buckelwal, wie ich den A380 beschlossen habe zu nennen, quält sich zur Startbahn. Die Namensnennung viel mir während des ersten Fluges beim Abendessen, das übrigens aus Spätzle bestand, was als Schwabe auf einem Flug der arabischen Fluggesellschaft Emirates von Hamburg nach Dubai an sich schon absurd ist, ein. Es waren Turbulenzen angesagt, im Flieger selbst war davon nur ein sanftes Schaukeln zu spüren, was mich unweigerlich an den Ozeanriesen erinnerte. Am frühen Samstagabend komme ich endlich auf Mauritius an. Das Dauergrinsen und die auf den Bildschirmen immer wieder eingespielten Werbefilme mit Tanzvorführungen der Emiratesbesatzung haben sich dauerhaft in mein Gehirn eingebrannt. Koffer abholen und die Einreise sind kein Problem. Die zuständige Beamtin für Gesundheitsfragen hatte ebenfalls nur eine wichtige Nachfrage: „In welchem der Constance Hotels übernachten Sie genau?“

Nachdem ich ihr zuvorkommend weiterhelfen konnte und ich damit offiziell auf Mauritius angekommen war, ging es mit einem Fahrer weiter in Richtung Hotel. Ich sitze brav auf dem Rücksitz, während mein Handgepäckskoffer ordnungsgemäß auf dem Beifahrersitz über die Straßen holpert. Mein Fahrer, ein gebürtiger Mauritier, spricht sechs Sprachen, was keine Seltenheit auf der Insel ist, wie ich von ihm erfahre. In der Schule können die Kinder zu ihrer Muttersprache bis zu sechs weitere Sprachen lernen und neben Chinesisch steht für viele auch Russisch auf dem Lehrplan. Beeindruckend wie ich finde, denn im Vergleich dazu lernt man in Deutschland meist nur Englisch und Französisch oder Latein. Der Rest erfolgt, wenn überhaupt, nur auf freiwilliger Basis.

Vor dem Hotel warten bereits drei Angestellt auf mich, die eifrig meinen Koffer vom Beifahrersitz befreien und mir ein Erfrischungshandtuch in die Hände drücken. Es folgt ein Kokosnuss-Shake und bereits nach dem ersten Schluck bin ich auf der Insel angekommen. Im Rahmen des Finale der Staysure Tour, der Seniorentour Europas, das auf den Plätzen der Constance Hotels ausgetragen wird, findet an diesem Tag auch eine kleine Feier statt. Bei gekühltem Wein, Häppchen und lauen 26 Grad Außentemperatur ist es zugegebenermaßen nicht allzu schwer abzuschalten und spätestens das Abendessen direkt am Strand und das Abschlussfeuerwerk tun ihr übriges. Damit ist der erste wenn auch kurze Tag für mich beendet. Mal schauen, wer am morgigen Sonntag als Gewinner hervorgehen wird.