Neues Format für den Golf Channel: Nein, danke!

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Der renommierte und weltweit anerkannte Golfjournalist Ron Sirak wagt einen ungewöhnlichen Vorstoß im Namen des Damengolfsports und schießt dabei völlig am Ziel vorbei, wie unsere Autorin Ann-Kathrin Nahl findet und in ihrem Kommentar erklärt warum. 

Ron Sirak ist einer der führenden Golfjournalisten weltweit. Er blickt auf eine Karriere von über 30 Jahren zurück, arbeitete für die Associated Press, Golf World, unser Partnermagazin Golf Digest, war laut eigener Aussage bei über 160 Frauen und Männer Grand Slam Events dabei und erhielt von der PGA of America den Lifetime Achievement in Journalism Award. Kurz um: Er ist eine Koryphäe des Golfjournalismus und nebenbei ein großer Verfechter von Damengolf.

Sein neuster Vorstoß ist ein Reality-Format für den Golf Channel indem drei männliche, einstellige Amateure gegen eine Spielerin der LPGA Tour antreten sollen. Im Grunde soll es darum gehen, die Stimmen zum Schweigen zu bringen, die auch jeder Hobbygolfer und vor allem jede Hobbygolferin kennt: Damengolf interessiert niemanden, das will niemand sehen und abgesehen davon sind diese auch nicht gut genug.

Im Grunde, ein nobler Ansatz, aber genau hier beginnt das Problem und die Kurzsichtigkeit dieses Vorstoßes überrascht mich. Was genau soll dieses Format beweisen? Ist es sinnvoll auch nur die Hoffnung aufkeimen zu lassen, dass es möglich wäre selbst als Amateur eine Proette schlagen zu können? Die Kolleginnen rund um Caroline Masson und Sandra Gal haben es nicht nötig, sich einem einstelligen Amateur-Golfspieler zu stellen und im Zweifel auch noch Häme und Spott zu ernten.

Damengolf kann in diesem Szenario nichts gewinnen. Im Gegenteil: Warum ist es selbst heute noch nötig, dass sich Damengolf selbst eine Daseinsberechtigung erkämpfen muss? Jeder, der sich schon einmal die Mühe gemacht hat, ein Damenturnier zu besuchen, weiß längst, dass diese Damen ihren männlichen Kollegen in nichts nachstehen. Im Gegenteil! In vielen Punkten sind sie der PGA Tour sogar überlegen. Hier zählt nicht nur das große Geld und welches Event die größte Antrittsprämie zahlt.

Der Großteil der Spielerinnen kämpft täglich um ihr Überleben. Es gibt nicht viele, die sich erlauben können Turniere auszusetzen oder sich das Privileg herausnehmen können zu sagen, dass sie auf das Preisgeld nicht angewiesen wären. Das Teilnehmerfeld ist bei nahezu jedem Event extrem stark und lustlose Auftritte, wie sie teils bei den Herren zu sehen sind, gibt es hier nicht. Warum macht Herr Sirak nicht den Vorschlag, wie von Sandra Gal auf Twitter angebracht, und lässt Mann gegen Mann antreten?

Natürlich, weil dieses Format langweilig wäre. Selbstverständlich würde ein PGA Tour Spieler einen Amateur schlagen. Stellt sich also die Frage, was der Sinn hinter dem vorgeschlagenen Format ist? Und die Antwort ist ebenso erschütternd wie traurig: Man möchte, dass die Amateure die Damen schlagen und damit den Damensport für alle Zeit begraben. Denn wo wäre sonst die Spannung? Leider ein sehr trauriger Vorschlag eines sonst sehr weitsichtigen Journalisten, der hoffentlich keine Beachtung findet. Damengolf hat definitiv mehr verdient!