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Langer Atem! GOLF MAGAZIN zu Hause bei Bernhard Langer

Exklusiver Besuch! Das GOLF MAGAZIN besucht Bernhard Langer zu Hause. Der Deutsche will auch 30 Jahre nach seinem ersten Masters-Sieg „immer noch besser werden“. Was und wie viel er dafür tut, erlebte das GOLF MAGAZIN in Bernhard Langers Wahlheimat Boca Raton hautnah mit!

GOLF MAGAZIN besucht Bernhard Langer

Gelenkschonend viel für Herz und Kreislauf tun – das macht Bernhard beim Spinning. Gern auch in der Gruppe, mit Instruktur und passender Musik.

„Guten Morgen, hier ist Bernhard. Wenn es euch passt, können wir uns zwischen 10 und 11 Uhr im Adios treffen. Ihr habt doch ein Navi, oder?“ Haben wir, klar, und wenn nicht, hätten wir es bei diesem Telefonat nicht zugegeben. Denn eines ist klar: Wer so intensiv wie wir in die Saisonvorbereitung eines Weltklasse-Athleten einfallen möchte, sollte entsprechend gut vorbereitet sein. Und nicht schon bei der Anfahrt die Nerven verlieren…

„Im Adios“, hat Bernhard gesagt. Das klingt hier, in Boca Raton, eher nach einem Frühstücks-Café oder spanisch-mexikanischen Restaurant. Tatsächlich verbirgt sich hinter der schweren, gusseisernen Pforte ein gediegener Golfclub mit einem richtig guten Platz. Manager Joseph R. Burch begrüßt uns mit breitem Lächeln und freundlichen Worten: „Herzlich willkommen. Bernhard wartet schon. Ich bringe euch hin.“ Der Weg führt über blank gewienerte Stufen eine Treppe hinab, durch den Proshop und von dort direkt auf die Range. Rechts üben ein paar deutlich ältere Herren, die immer noch gut in Schwung sind. Ein wenig weiter links aber trainiert jemand, der sich sportlich in einer ganz anderen Welt bewegt: Bernhard Langer. 60 Jahre ist der Mann aus dem schwäbischen Anhausen inzwischen, seit mehr als 40 Jahren Profi. Er hat zweimal das US-Masters und den World Cup gewonnen, dazu mehr als 80 weitere große Turniere in allen Ecken der Welt. Und das GOLF MAGAZIN besuchte Langer genau dort, in seiner Wahlheimat Boca Raton.


„Der Beständige“ oder dann doch eher „der Boss“?

Im Ryder Cup war als Spieler nur der Engländer Nick Faldo einen Hauch erfolgreicher; dafür triumphierte Langer 2004 als Captain. 18,5:9,5 gewann sein entfesseltes europäisches Team damals auf amerikanischem Boden, der doch schon lange auch seiner ist, nachdem Bernhard vor 31 Jahren Vikki Carol heiratete und sich mit ihr und irgendwann vier Kindern in Boca Raton niederließ. Seit 2008 spielt er auf der Champions Tour gegen die besten Ü-50-Golfer der Welt. Das Ergebnis ist bekannt: Keiner ist so beständig und erfolgreich, so beständig erfolgreich wie Langer. Nur einmal hat er die Geldrangliste in den Jahren nicht gewonnen, weil er verletzungsbedingt zu viele Turniere verpasst hatte. „Mr. Consistency“, „der Beständige“, nennen sie ihn deshalb in den USA. Auf der europäischen Senioren-Tour, auf der er allerdings nur sehr selten spielt, ist er schlicht „der Boss“. Hier und heute, an diesem sonnig-warmen Tag in Boca Raton, steht „der Boss“ in eleganten schwarzen Shorts vor uns. Bernhard Langer in kurzer Hose? Exakt, wobei es sich hier nicht um ein plumpes Wortspiel handelt, sondern ums Tagesgeschäft. Bernhard grinst: „Ich bin hier beim Training. Und in Florida. Da trage ich keine langen Hosen.“ Hmmmh, ich schon. Aber ich bin ja auch als Gast im „Adios“, einem reinen Herren-Club. Warum kommt Bernhard hierher, wo er doch rund 20 Autominuten entfernt direkt an einer Golfanlage wohnt? Langer: „Ich kann hier sehr gut und in Ruhe trainieren, weil der Platz nicht so voll ist. Und die Grüns sind besser.“ Das klingt schon ziemlich entspannt im Vergleich zu Berufskollegen wie dem Iren Padraig Harrington, der sich im Garten verschiedene Bunkerarten anlegen und mit genau den Sandsorten füllen ließ, denen er im Laufe des Jahres dienstlich begegnet. GOLF MAGAZIN besucht Bernhard Langer

Trampolin und Puttinggrün

Was hat Bernhard Langer im Garten? Einen Pool, ein in den Boden eingelassenes Trampolin, viel Platz zum Toben, einen Pavillon und daneben ein künstliches Puttinggrün mit ein paar Löchern. Wie ich später erfahren werde, ist das auf vielen Grundstücken in diesem Luxus- und Sport-Resort so etwas wie die Grundausstattung. An der Ausstattung für seinen Beruf muss Langer in diesen Tagen noch feilen. Das Problem: Ball-Produzent Titleist hat sein Modell Pro V1 von 2009 bei der Tour für 2015 erst gar nicht mehr zur Prüfung vorgelegt; deshalb gab es natürlich auch keine Zulassung. Bernhard: „Ich wäre gern bei dem Ball geblieben, weil ich mit ihm wirklich gut zurechtkam. Jetzt muss ich mir ein neues Modell suchen.“ Deshalb hat Titleist einiges an Testmaterial geschickt: den Pro V1x von 2013 sowie die brandneuen Versionen des Pro V1 und Pro V1x. Die liegen vorn rechts im Buggy, mit dem wir jetzt auf eine Bahn der zweiten Neun brausen, die frei ist und auch nach vorn noch Luft hat.