Langer Atem! GOLF MAGAZIN zu Hause bei Bernhard Langer

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Bernhard Langer: „Ich will immer noch besser werden. Das geht!“

Kleine Änderungen, große Wirkung? Bernhard Langer: „Hoffentlich, auch wenn ich weiß, dass es Monate dauern wird, bis sie in Fleisch und Blut übergegangen sind. Sie sind aber für mich unverzichtbar, weil ich im Golf immer noch besser werden will. Das geht auch im höheren Alter.“ Es ist diese extrem professionelle Einstellung, die Langer auszeichnet; es ist dieser Gedanke des „es geht immer noch besser“, der ihn sein ganzes Leben an und in die Weltspitze getrieben hat. Wo sich andere längst zur Ruhe gesetzt haben, startet er immer wieder durch! Sie waren mal die gefürchteten „Big Five“, die in den 80er-Jahren die Dominanz der Amerikaner bei Major-Turnieren und Ryder Cups gebrochen haben: Nick Faldo, Seve Ballesteros, Sandy Lyle, Ian Woosnam und eben Bernhard Langer. Alle wurden zwischen April 1957 und März 1958 in England, Spanien, Wales, Schottland und Anhausen geboren; alle drangen über die noch sehr ruppige European Tour in die Weltspitze vor; alle gewannen mindestens einmal das Masters, das amerikanischste aller Turniere.

Bernhard Langer

Fußball? Na,klar! Auch mit dem kann Bernhard umgehen. Ball und Tor waren schnell geholt, dann begann ein entspannter und technisch duchaus ansehnlicher Kick.

„Big Five“: Faldo, Woosnam, Ballesteros, Lyle und Langer

Was ist aus ihnen geworden? Severiano Ballesteros, der geniale Spanier, starb vor vier Jahren an einem Hirntumor. Sandy Lyle und Ian Woosnam spielen noch ab und an, wenn die Umstände passen, auf Senioren-Turnieren. Und Nick Faldo, der mit insgesamt sechs Major-Siegen der erfolgreichste der „Big Five“ war? „Von seinen Fähigkeiten her könnte er sicherlich noch gut mitspielen“, schätzt Langer, „er hat sich aber für einen anderen Weg entschieden.“ Faldo, früher ähnlich konsequent und erfolgsorientiert wie Langer, arbeitet inzwischen „hauptberuflich“ als Golfexperte beim amerikanischen Fernsehsender CBS sowie dem Golf Channel. Nur einer spielt noch immer auf der ganz großen Bühne des Golfs und hat nach eigener Aussage „2014 eines meiner besten Jahre überhaupt gehabt“ – Bernhard Langer. Fran Pirozzolo wundert das gar nicht! Den Kollegen von Golf World sagte er: „Bernhard ist jetzt, wenn man von Muskelkraft und Beweglichkeit absieht, in allen anderen Bereichen seines Spiels besser als früher. Er stellt sich immer wieder in Frage, ist offen für neue Ideen. Wenn er meint, dass sie Sinn machen, setzt er sie konsequent um. Seine größte Fähigkeit: Er kennt sich selbst.“

Langer arbeitet härter als der Schwergewichts-Weltmeister

Wer aber ist Fran Pirozzollo? Einer der angesehensten Neuropsychologen und Mental-Berater der USA. Der 63-Jährige hat mit den New York Yankees gearbeitet und berühmten Boxern wie Evander Holyfield, dem mehrfachen „Weltmeister aller Klassen“. Pirozollo: „Ich werde oft gefragt, wer der härteste und zielstrebigste unter den Atheleten ist, die ich betreue oder betreut habe? Die meisten erwarten dann natürlich den Namen Evander Holyfield. Tatsächlich aber ist es Bernhard, und das mit großem Abstand.“ Pirozollo ist eine weitere Konstante im Leben des Dauerbrenners Langer; der Psychologe aus Texas und der Athlet aus Deutschland arbeiten auch schon seit gut 30 Jahren zusammen. Früher gehörte auch Greg Norman zu Pirozollos Klienten, heute sind es Hunter Mahan, Billy Horschel und Jason Dufner. Und eben Langer, der mir sagt: „Fran ist über die Jahre zum Freund geworden. Wenn wir im Mai unser Tour-Turnier in Texas spielen, wohne ich bei ihm. Er hat sein Haus direkt am Platz.“

Und den Blick fürs Wesentliche – nicht nur im Sport! Pirozollo: „Im Training und im Leben machen die meisten Athleten  und Menschen am liebsten das, womit sie sich wohlfühlen, das sie ohnehin schon beherrschen. Das aber bringt einen nicht wirklich voran. Bernhard dagegen sucht das Unbequeme. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Menschen auch mit 80 Jahren noch neue Verknüpfungen im Hirn bilden können. Allerdings nur, wenn das Lernen schwerfällt, fast schon wehtut. Man muss also viel dafür tun, auch gedanklich fit zu bleiben. Bernhard versteht das nicht nur intuitiv, er sucht sogar direkt danach. Wenn ihm eine Übung nicht schwerfällt, reagiert er mit Misstrauen.“ Wie hatte Bernhard zur „Hofmannschen Mängel-liste“ gesagt: „Natürlich setze ich die Tipps von Willi im Training um, auch wenn sich das manchmal völlig falsch anfühlt. Ich könnte dann verrückt werden.“

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Heute wird er es nicht. Wir sind auf dem 18. Grün, das Urteil über die Bälle hat sich nicht verfestigt. Der Hunger schon. Bernhard lädt uns am Halfway-House zu einer Runde Hühnchen mit Salat und Süßkartoffel-Pommes ein. Sportlernahrung? Bernhard: „Nun ja. Grundsätzlich achte ich schon darauf, was ich esse. Nur selten rotes Fleisch, dafür Huhn und Fisch, auch wenn man da nicht mehr genau weiß, woher alles kommt. Sehr gern Gemüse und frische Salate.“ Alkohol? „Fast gar nicht. Wenn überhaupt, mal ein Glas Rotwein. Dafür sehr viel Wasser.“ Zucker? „Ja. Leider zu viel, weil ich bei Süß- oder Nachspeisen nur schwer widerstehen kann. Wenn ich frustriert bin, esse ich Süßes, und wenn ich gut gespielt habe, dann auch – quasi zur Belohnung. Das ist eine meiner großen Schwächen.“
Eine andere war und ist sein lädierter Rücken, der sein Leben ebenso früh wie drastisch verändert hat. Langer: „Es passierte während meiner Bundeswehr-zeit. Wir waren auf einem Gewaltmarsch, trugen 30 Kilo Gepäck und mussten uns bei simulierten Luftangriffen immer wieder hinwerfen. Da krachte mir jedes Mal der schwere Rucksack direkt ins Kreuz. Danach hatte ich fürchterliche Rückenschmerzen, über Monate.“ Später kamen Probleme mit den Halswirbeln dazu. Lan-
ger: „Das prophezeit dir jeder Arzt: Wenn unten in der Wirbelsäule irgendwas nicht passt, wird es dich auch bei den Halswirbeln erwischen. Genau so kam es. Heute kann ich den Kopf kaum noch drehen; der Blick beim Autofahren über die linke Schulter geht schon lange nicht mehr.“

Bernhard Langer

Bernhard Langer ist auch mit 58 Jahren erstaunlich beweglich – kein Wunder bei einem, der Dehnübungen im Schlafzimmer macht…

Sehr früh musste Bernhard zusätzliche Muskeln aufbauen, um die Knochen zu stützen – Krankengymnastik hieß das in den 80er-Jahren, die Langer mit der ihm eigenen Konsequenz umsetzte: „Ich war immer schon ein Sportfanatiker und wollte mich nicht unterkriegen lassen. Dafür habe ich alles gemacht, was nötig war.“ Er macht es noch heute, auch wenn sich in der Umsetzung einiges geändert hat: „Früher habe ich tatsächlich stundenlang auf der Range gestanden, bis es nicht mehr ging. Heute schlage ich eine Stunde konzentriert Bälle und hänge dann lieber noch eine Einheit im Fitness-Studio an. Das ist langfristig besser für mich.“ Da passt es doch sehr gut, dass es in Langers Resort ein formidables Gym gibt, wie es neudeutsch heißt. Auf mehr als 3.500 Quadratmetern kann man dort alles machen, was Körper, hochmoderne Geräte und Fitness-Trainer mitmachen. Jeden Tag surrt Bernhard mit seinem Buggy hinüber, um sich zwei Stunden zu dehnen, strecken, beim Spinning zu quälen, Gewichte zu stemmen oder in die Sauna zu gehen. Dass er die meisten Übungen auch in seiner Villa machen kann, versteht sich beim Fitness-Freak Langer von selbst.