TaylorMade M5 & M6 Hölzer

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Jede wichtige Produkteinführung braucht eine große Story! Das Marketing-Narrativ zu den neuen TaylorMade M5 und M6 Drivern gehört zu den spannenderen der letzten Jahre. Und ja, es hat viel mit den roten Schräubchen auf der Schlagfläche zu tun. Doch der Reihe nach.

Die bisherige Entwicklung der TaylorMade M-Serien

Das M steht bei TaylorMade für Multi-Materialien-Konstruktion. Und diese war in der ersten M-Generation aus dem Jahr 2016 – mit den beiden Drivermodellen M1 und M2 – auch die große Geschichte. Mit der erstmaligen Verwendung von Karbonkomposit für einen großen Teil der Schläger-Krone erfolgte damals die Abkehr von komplett aus Titan gefertigten Driverköpfen (das Modell R15 war TaylorMade letzter reiner Titankopf). Es ist eine Konstruktionsart, zu der mittlerweile viele Hersteller übergangen sind (Ping und Titleist halten bisher an reinen Titanköpfen fest). Der Sinn in der Verwendung dieser Karbon-Verbundstoffe liegt darin, Gewicht dort im Schlägerkopf einsparen zu können, wo es schadet oder nicht nützt und das frei gewordene Gewicht an günstigere Positionen umverteilen zu können. Der M2 wurde ein großer Erfolg und gilt als einer der besten jemals gebauten TaylorMade-Driver. Eigentlich als breitensportlicheres der beiden Modelle konzipiert, stellte sich der M2 sogar auf den Profi-Touren als die beliebtere Variante heraus. Neben der Güte des Produkts M2 spielte jedoch ein weiterer Faktor für die Verteilung des Erfolgs eine maßgebliche Rolle: Mit auf der Gewichtsschiene nach vorne (zur Schlagfläche hin) verlagertem Gewichtsschwerpunkt war der Ur-M1 selbst für sehr gute Amateure und Tourpros praktisch kaum spielbar. Etwas Fehlertoleranz nehmen auch die Besten gern in Anspruch, vor allem, wenn der Spin dabei niedrig genug bleibt – und diesbezüglich lieferte der M2.

In der zweiten Generation zeigte sich zuerst einmal, dass man bei TaylorMade offenbar Probleme damit hatte, bis drei zu zählen: Die neuen Driver trugen die arg fantasielosen Namen „M1 (2017“) und „M2 (2017)“. Auch technologisch gesehen war The Next Big Thing nicht so richtig zu fassen. Zum einen pries TaylorMade Verbesserungen in Aerodynamik und Klang an; und erfand dafür „Geocoustics“, ein Kunstwort aus Geometry (Geometrie) und Acoustics (Akustik). Zum anderen wuchs der Karbon-Anteil in den Kronen und der neue M1-Driver erhielt zusätzlich Karbonkomposit-Elemente in der Sohle, was sich positiv auf Masseverteilung, Effizienz des T-Track-Gewichtssystems und Fehlerverzeihung auswirkte.

Die Markteinführung der dritten Generationmit den Serien M3 und M4 – brachte 2018 mit einer überraschenden, eher ungewöhnlichen Story so richtig viel Gesprächsstoff mit sich. Denn das, was der Hersteller in den M3- und M4-Drivern als bahnbrechende Innovation präsentierte, wich vom üblichen Markt-Geschreie über mehr Schlaglänge ab: „Twist Face“ war geboren. Und damit eine große Geschichte über mehr Präzision vom Tee. Durch eine riesige Menge gesammelter Daten war TaylorMade zu der Erkenntnis gelangt, dass es zwei typische Fehlschläge gibt. Hoch an der Spitze (mit dem Resultat eines Hook) und tief an der Ferse (Resultat Slice) getroffene Drives. Um diesem Phänomen entgegenzuwirken veränderte man die Schlagflächenbiegung auf beiden Achsen (Ferse-Spitze = „bulge“; Krone-Sohle = „roll“). Beim Twist Face hat der Schlagflächenteil oben an der Spitze mehr Loft und eine offenere Stellung; der Teil unten an der Ferse weniger Loft und geschlossenere Seitenneigung. Eine quasi selbstkorrigierende Schlagfläche, welche den Gear-Effect entschärft. Den Wirkungsgrad dieser andersartig gebogenen Schlagfläche zu überprüfen war nicht ganz leicht. Für eine Beurteilung sind definitiv viele gespielte Runden auf dem Platz notwendig oder ausgiebige Vergleichstests auf dem Launch Monitor gegen Drivermodelle ohne Twist Face. Alles in allem also eine ziemlich gute, zumindest gut verkaufte Idee, die TaylorMade hier hatte. Und deshalb überrascht es kaum, dass es Twist Face auch in die neueste M-Generation geschafft.

Die vierte M-Generation – TaylorMade M5 & M6

Nun also zurück in die Gegenwart: Das Zauberwort für die vierte M-Generation, die insgesamt vier Driver-Varianten umfasst, heißt: Speed Injected Twist Face! Dahinter steckt ein neuer Ansatz für mehr Ballgeschwindigkeit und damit mehr Länge.

Was man zum Verständnis des neuen Entwicklungansatzes wissen sollte:

Die regelgebenden Institutionen R&A und USGA haben ein Limit dafür festgelegt, wie schnell, heiß, biegsam oder trampolinartig eine Driverschlagfläche sein darf. Wird dieser Grenzwert überschritten, ist der Schläger nicht regelkonform, sprich nicht im Turnier zugelassen. Auf der anderen Seite gibt es bei den Golfschläger-Herstellern in der Produktion – wie in allen anderen Industriebetrieben auch – Fertigungstoleranzen; und zwar in beide Richtungen vom Zielwert. Davon betroffen sind natürlich auch der Loft, Lie und das Gewicht.

In Bezug auf die Eigenschaften einer Driverschlagfläche muss der Zielwert des Herstellers also so gewählt werden, dass die Schlagflächen, die besonders „hot“ sind (deren CT-Wert also über dem Zielwert liegt), noch immer im legalen Bereich rangieren. Ein zu hoch gewählter Zielwert würde unweigerlich dazu führen, dass ein prozentualer Teil des Produktionsausstoßes über dem „legal limit“ läge (ein Szenario, das jeder Hersteller verständlicherweise meidet wie der Teufel das Weihwasser).

Das bedeutet aber eben auch, dass der Driver, den Sie im Ladengeschäft kaufen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht am Limit ist (was die Hersteller ungern thematisieren). Die heißesten Köpfe landen handselektiert in den Tour Vans (und manchmal bei eBay zum Verkauf für den doppelten Preis). Laut TaylorMade soll diese Situation mit Einführung der M5 & M6 Driver nun Geschichte sein. Dank Speed Injection.

Speed Injected Twist Face

 

TaylorMade M5 Driver

Es fängt damit an, dass TaylorMade sich beim Speed Injected Twist Face der möglichst vollen Ausreizung des zugelassenen Bereichs von oben statt wie bisher von unten nähert. Die Titan-Schlagflächen in den M5- und M6 Drivern sind gegenüber der Vorgängergeneration um 20 Prozent dünner. Und biegsamer. Tatsächlich sind sie sogar so biegsam, dass sie zunächst illegal sind, produziert mit einem Zielwert über dem zulässigen Limit. Ohne weitere Behandlung wären diese Schlagflächen also nicht regelkonform. Doch hier kommt die Speed Injektion ins Spiel. Jede einzelne fertige Schlagfläche wird zunächst darauf getestet, wie weit sie über dem Limit liegt. Dann folgt das Feintuning. Durch zwei Öffnungen im unteren Teil der Schlagfläche – eine an der Ferse, eine an der Spitze (siehe rote Schrauben) – wird ein Harz gespritzt; innerhalb des Kopfs auf Höhe der Öffnungen liegt eine Schaumstoffvorrichtung mit kleinen Kammern, die das Harz aufnehmen (das Harz härtet im Kopf übrigens aus). Durch dieses Verfahren wird die ursprünglich zu aktive Schlagfläche knapp in den zugelassen Bereich gebracht und damit in der Golfequipment-Rechtsprechung legalisiert. Die Bezeichnung „speed“ injected ist mithin ein wenig irreführend, da die Einspritzung die Schlagfläche ja tatsächlich drosselt und nicht schneller macht. Ein eigenentwickelter Algorithmus gibt für jeden einzelnen Kopf die jeweils exakte Menge des einzuspritzenden Materials vor. Danach werden die Schrauben eingesetzt. TaylorMade verspricht als Resultat der neuen Technologie einen im M5 um 66 Prozent größeren Sweetspot im Vergleich mit dem M3; gegenüber dem ersten M1 sogar um mehr als 100 Prozent. Wenn das mal nicht ‘ne Story ist…

Anders als Twist Face sollte das Versprechen „heißerer“ Schlagflächen (speed injected) gut überprüfbar sein, zumindest für jeden Golfer mit Zugang zu einem Launch Monitor und sonst vielleicht im direkten Vergleich auf dem Golfplatz. Wir sind gespannt!

 

Lesen Sie auf den folgenden Seiten mehr über die einzelnen Modelle der M5- und M6 Serien.