Harry Vardon

Harry Vardon

Land
Kanalinseln
Geburtsdatum
09.05.1870
Körpergröße
1,83 cm
Körpergewicht
91 Kg

Harry Vardon, im Mai 1870 auf der Insel Jersey geboren, hatte dort wenig Gelegenheit, Golf zu spielen. Trotzdem zog es ihn früh zu diesem Sport, in dem er mit sieben Jahren Caddie wurde. Sein Bruder Tom fand in England Arbeit als Golflehrer, und Harry folgte ihm. Auf einem 9-Löcher-Kurs in Yorkshire bekam er einen Job, obwohl man die Spiele, die er bis dahin in seinem Leben absolviert hatte, an einer Hand abzählen konnte. Später zog Harry weiter zum berühmten Heidelandkurs in Ganton, wo er schließlich als größter Spieler seiner Zeit und bedeutender Botschafter für den Golfsport von sich reden machte.

Harry Vardon (vorn links) 1908 neben seinem großen Widersacher John H. Taylor.

Es kam zu einem sensationell deutlichen 8&6-Sieg Vardons über den amtierenden Open-Champion. Einen Monat später trafen beide im Stechen der nächsten Open in Muirfield erneut aufeinander. Zu jener Zeit wurde das Stechen über 36 Löcher ausgetragen, und Harry Vardon gewann mit vier Schlägen Vorsprung. Es war der erste seiner sechs Open-Titel.

Um die Jahrhundertwende reiste Harry Vardon zusammen mit seinem guten Freund Ted Ray durch die Vereinigten Staaten, nahm an 65 Schaukämpfen teil und sorgte für viel Aufsehen. Seine beeindruckende Bilanz: 50 Siege, 13 Unentschieden und nur zwei Niederlagen. Bei der US Open 1900 trat Harry Vardon in Wheaton, Illinois, an und gewann den Titel vor seinem großen Konkurrenten, J.H. Taylor.

Zwischen 1896 und 1903 befand sich Harry Vardon auf dem Höhepunkt seiner Karriere, gewann viermal die Open. Wäre er nicht an Tuberkulose erkrankt, wovon er sich nie wieder vollständig erholte, hätte er mit großer Sicherheit noch mehr als seine insgesamt sieben Major-Titel geholt. 1911 und 1914 gewann Harry Vardon die Open zum fünften und sechsten Mal, obwohl er zu diesem Zeitpunkt beim Putten bereits sehr unter Yips, diesem Nervenzucken in den Händen und Armen, litt. Er hatte damit schon immer gewisse Probleme, doch in den letzten Jahren seiner Karriere wurde es zusehends schlimmer. Dennoch glich er dieses Problem durch seine sauberen Drives und seine ungeheure Präzision nahezu aus.

Der Vardon-Griff ist gar nicht von Harry   Harry Vardon praktizierte einen weitaus steileren Schwung, als er in jener Zeit populär war. Und er spielte mit leicht angewinkeltem linken Arm, obwohl man damals üblicherweise den linken Arm während des Schwungs relativ gerade hielt. Als Harry Vardon einmal nach seiner Meinung über den gestreckten linken Arm gefragt wurde, antwortete er: „Ich spiele gern gegen Leute, die ihren linken Arm gestreckt halten.“ Harry Vardon war auch derjenige, der die übereinandergreifende Handhaltung populär machte, bei der der kleine Finger der rechten Hand über dem Zeigefinger der linken Hand liegt, zumindest bei Rechtshändern. Dieser Griff ist als Vardon-Griff bekannt und wird noch heute von den meisten Golfern bevorzugt. Dabei war Harry Vardon gar nicht der Erfinder dieses Griffes, sondern der große Amateurspieler Johnny Laidlay, der diese Griff-Art eingeführt hatte.

Harry Vardon war das führende Mitglied des „Großen Triumvirates“ neben James Braid und J.H. Taylor. Als dieses Trio 1914 bei der Open in Prestwick antrat, hatte es sich insgesamt 15 der letzten 20 Meistertitel erspielt. Jeder von ihnen hatte fünfmal gewonnen, und obwohl alle ihren 40. Geburtstag deutlich hinter sich hatten, bestanden gute Chancen, dass einer von ihnen ein sechstes Mal gewinnen würde. Was zu dem Zeitpunkt keiner wissen konnte: Bedingt durch den Ersten Weltkrieg war dies für sechs Jahre die letzte Meisterschaft. Tatsächlich wurde es ein Duell zwischen Harry Vardon und J.H. Taylor. James Braid war nach einem vielversprechenden Start weit zurückgefallen; sehr zur Enttäuschung der vielen schottischen Zuschauer, die das Turnier im strahlenden Sonnenschein verfolgten.

Bei den Open 1894 und 1895, bei denen sich jeweils der berühmte J.H. Taylor den Titel holte, zeigte Harry Vardon bereits vielversprechende Leistungen. Deshalb hatten die Mitglieder seines Clubs in Ganton so großes Vertrauen in ihn, dass sie einen Zweikampf zwischen ihm und J.H. Taylor veranstalteten – und natürlich ihr Geld auf Harry setzten.

Harry Vardon in Puttstellung. Er war bekannt für seine elegante Spielweise. Außerdem machte er den Griff, der seinen Namen trägt, sehr populär. Harry Vardon war zwar immer gut vom Tee, hatte aber zeitweise böse Probleme beim Putten.

Der große Zweikampf 1914

J.H. Taylor war der Titelverteidiger, Harry Vardon jedoch der Favorit. In jener Zeit
wurden die British Open nur über zwei Tage gespielt, dafür aber 36 Löcher pro Tag. Durch Losglück (es gab noch nicht die Regelung, dass die Besten als Letzte
auf die Runde gehen), spielten Harry Vardon und J.H. Taylor am zweiten Tag zusammen. Es sollte ein denkwürdiger Zweikampf werden. Es waren schließlich zwei Begebenheiten, die das Match zu Vardons Gunsten entschieden. Am langen 3. Loch war das Klicken eines Fotoapparates zu hören. Irritiert pullte J.H. Taylor seinen Abschlag nach links und hatte keine Chance, das Grün mit dem zweiten Schlag zu erreichen. Vardon dagegen schaffte es und holte sich einen Schlag zurück. Am 4. Loch lag Taylor rechts im Bunker. Schlag zwei blieb auf der Uferböschung hängen, der dritte rauschte ins Wasser. Er brauchte sieben Schläge, drei mehr als Harry Vardon.
Das war die Wende im Match, Vardon gewann am Ende mit drei Schlägen Vorsprung seinen sechsten Open-Titel. Das gab den Ausschlag für sein damaliges Renommee als großartigster Golfspieler, den die Welt je gesehen hat. Seine sechs Open-Titel sind auch heute noch unangefochten. Auch 80 Jahre nach seinem Tod ist Harry Vardon noch gegenwärtig: Die PGA of America kreierte die „Vardon Trophy“, die jedes Jahr an den Tourspieler mit dem niedrigsten Durchschnittsscore übergeben wird (den Rekord mit neun Trophäen hält Tiger Woods). Die European Tour zeichnet den Gewinner der Geldrangliste am Ende der Saison mit der „Harry Vardon Trophy“ aus. Martin Kaymer konnte sie bisher einmal gewinnen (2010). Bernhard Langer nahm sie in den Jahren 1981 und 1984 mit nach Hause.

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