Golf auf Fuerteventura – ein Abstecher nach Spanien!

Playitas Golf©shutterstock_212454814

Vom Winde verweht – Golf auf Fuerteventura

Die zweitgrößte der Kanarischen Inseln ist vielleicht keine Top-Destination für Golfer, sie glänzt aber mit dem besten Golfklima. Außerdem ist Golf auf Fuerteventura einfach etwas ruhiger und ursprünglicher.

Kanaren-Kenner wissen es: Rein golftechnisch betrachtet, spielt Fuerteventura nicht auf dem gleichen Niveau wie Gran Canaria oder Teneriffa. Mit insgesamt gerade mal vier 18-Löcher-Anlagen gibt es weniger Spielbahnen, als die beiden Schwesterinseln jeweils allein an ihrer Südküste aufweisen können. Zudem fehlen auch optische Knaller wie Abama, Anfi Tauro und Buenavista oder Traditionsclubs wie Real Las Palmas.

In einem anderen für Golfurlauber sehr wichtigen Kriterium allerdings liegt »Fuerte«, wie Insider kurz und knapp sagen, an der Spitze: beim Klima. Denn auf der zweitgrößten Insel der Kanaren fallen, speziell in den Wintermonaten, weniger Niederschläge. Und darüber hinaus gilt das wüstenartige Vulkaneiland, zusammen mit Lanzarote, als wärmster Fleck des spanischen Archipels im Atlantik.

Kein Wunder daher, dass Fuerteventura gerne auch als der »Strand der Kanarischen Inseln« bezeichnet wird. Zumal die mehr als 150 Beach-Kilometer in den verschiedensten Schattierungen leuchten: von weiß über goldgelb bis hin zu dunkel oder gar tiefschwarz. Und wo ein Strand ist, da sind auch die Surfer. Wind und Wellen garantieren vor allem im Norden und im (Süd-)Westen paradiesische Bedingungen fürs Wind- und Kitesurfen.

Apropos: Dass sich der Name Fuerteventura von den Wörtern »fuerte« und »viento« ableitet und damit »starker Wind« meint, ist eine äußerst beliebte, aber wissenschaftlich nicht haltbare These. Fakt ist jedoch, dass hier eigentlich immer eine (oft steife) Brise weht – womit wir beim Thema Golf angelangt wären…

Vierer-Flight mit Meerblick

Denn: Wer auf dieser Insel ans Tee geht, muss damit rechnen, dass es ihm den ein oder anderen Schlag regelrecht wegbläst. Der aus dem Nordwesten kommende Passatwind ist in der Wintersaison zwar nicht so stark, beim Golfen aber ein dominierender Faktor. Auch im Fuerteventura Golf Club, dessen Design von einem gewissen Juan Catarineu de la Aldea stammt. Der Architekt aus Madrid hantiert normalerweise mit Mauerwerk und Stahlbeton, hat hier jedoch ein Layout entworfen, das 2004 sogar gut genug für die Spanish Open war.

Dass damals nur 22 von 154 European-Tour-Pros unter Par blieben, verrät dem Amateur, was ihn hier erwartet: eine echt knackige Aufgabe. Bunker, Doglegs, Wasser, Waste-Areas – alles dabei, zudem glänzt die erste Halbrunde mehrmals mit schönen Ausblicken aufs Meer. Den prächtigsten Anblick bietet allerdings das 19. Loch: Als »Clubhaus« dient das 5-Sterne-Hotel Elba Palace Golf & Vital, und ein Drink im prachtvollen Innenhof mit den riesigen Palmen lässt jeden vom Wind verwehten Schlag vergessen.

Gleich nebenan liegt der Golf Club Salinas de Antigua. Seine Topographie und Kulisse sind also praktisch identisch mit der des benachbarten »Fuerte-Platzhirschen«, sportlich kann man aber nicht ganz mithalten. Letzteres gilt auch für die 18 Löcher im rund 30 Autominuten weiter südlich gelegenen Playitas Resort. In dem ambitionierten Sportkomplex mit Villen und zwei Hotels werden knapp drei Dutzend verschiedene Disziplinen angeboten, in ein paar davon (z.B. Triathlon) schlagen sogar Spitzenathleten hier ihr Trainingslager auf.

Auf dem Parcours von Playitas Golf dagegen könnten die Top-Pros die Grüns diverser Par-4-Bahnen mit dem Driver attackieren. Denn der Platz ist sehr kurz und zudem etwas kurios. Die an sich schön zwischen zwei Hügelketten eingebettete Anlage wurde in mehreren Schritten erweitert, leider nicht optimal durchdacht. Ein Resultat sind jedenfalls acht Par-3-Löcher, allein vier davon auf den letzten fünf Bahnen. Die in ihrem Mittelteil wirklich ansprechende Runde endet damit recht unspektakulär.

Sehenswertes neben dem Platz

Für das Kaltgetränk und den Snack danach sollten Sie unbedingt in das nur fünf Minuten entfernte Örtchen Las Playitas fahren. Dieses erinnert mit seinen weißen Häusern ganz stark an griechische Inseln. Dort könnten Sie dann am Paseo Miramar in Restaurants wie Las Playas oder La Rampa sitzen und gedankenverloren aufs Meer schauen – oder schlicht darüber nachdenken, warum man bei Playitas Golf nicht einfach die ersten gegen die zweiten Neun tauscht, denn das würde sowohl den Auftakt als auch das Finale deutlich spannender machen.

Manch einer wird vielleicht auch überlegen, ob er am nächsten Tag nicht noch den südlichsten Platz des Eilands spielen soll: Jandía Golf. Lohnenswert wäre das. Denn diese Anlage ist sportlich attraktiv und landschaftlich wohl die schönste der Insel. Und sie wird – »claro que si« – ebenfalls mal gerne vom Wind zerzaust. Dagegen spricht eigentlich nur, dass eine Woche auf »Fuerte« ohnehin sehr kurz ist, wenn man zugleich noch ein paar Sehenswürdigkeiten ansteuern will.

Viele davon locken mit Natur pur. Fuerteventura ist unberührter, »wilder« als die drei anderen großen Kanaren-Inseln und wurde von der UNESCO nicht umsonst zum Biosphärenreservat erklärt. Sichtbare Belege dafür zeigen die grandiosen Vulkanlandschaften, etwa im Monumento Natural de Montaña Cardón, der Naturpark Corralejo, mit den größten Dünen der Kanaren, und natürlich traumhafte Strände wie Playa de Cofete, Playa de Costa Calma und Playa de La Concha in El Cotillo.

Damit nicht genug, gibt es auch einige sehr charmante Ortschaften zu entdecken. Allen voran Betancuria, die älteste Stadt der Insel. Über 400 Jahre lang, bis ins 19. Jahrhundert hinein, grüßte sie als stolze Hauptstadt – davon übriggeblieben ist heute »nur« noch ein pittoreskes 800-Seelen-Dorf. Oder Antigua, ebenfalls mal Hauptstadt, mit seinen Windmühlen. Oder die zahlreichen malerischen »Küsten-Kaffs« wie etwa Ajuy, Giniginamar, Puertito los Molinos etc.

Ebenso schmeckens- wie sehenswert ist schließlich eine kulinarische Spezialität von Fuerteventura: der Majorero-Käse. Den gibt es nur hier, gewonnen aus der fetten Milch der Majorera-Ziegen, die sich perfekt an die kargen Insellandschaften angepasst haben. Alles über Geschichte und Geschmack erfährt man im Museo del Queso Majorero in Antigua, in dem man den Käse auch verkosten kann.

Hoteltipp

Ein wirklich empfehlenswertes Hauptquartier ist das Barceló Castillo Beach Resort am Strand von Caleta de Fuste. Von dem 4-Sterne-Haus fährt man keine zehn Minuten zu den Golfclubs Fuerteventura und Salinas de Antigua, das Meer liegt direkt vor der Tür, und die Restaurants an der Uferpromenade bieten ein perfektes Ambiente für Sundowner und Dinner (DZ ab 92 Euro/Nacht). Wer’s einen Tick exklusiver und noch ruhiger mag, der bucht sich im Barceló Castillo Royal Level ein: Die 70 komfortablen Suiten und Junior-Suiten liegen in einem abgeschlossenen, separaten Bereich, mit eigenem Pool samt bestens bestückter Pool-Bar (1 Ü/HP im DZ ab 171 Euro/Nacht).

Kanaren & Corona

In diesen turbulenten Zeiten ist ja nichts so sicher wie die Ungewissheit – doch Ende Oktober hat das Auswärtige Amt seine Reisewarnung für die Kanarischen Inseln, als einziger Region in ganz Spanien, aufgehoben. Zuvor schon hatte die kanarische Regierung zudem eine spezielle Reisekrankenversicherung für Touristen abgeschlossen, die bei einer Corona-Infektion im Urlaub zusätzliche Kosten abdeckt. Aber: Wer nach Fuerteventura fliegt, muss vorher grundsätzlich im Online-Portal Spain Travel Health ein Formular zur Gesundheitskontrolle ausfüllen! Dabei wird ein QR-Code erzeugt, der bei der Einreise vorzulegen ist.

Golf auf Fuerteventura: Der Platztest

Fuerteventura Golf Club

35610 Caleta de Fuste, Calle del Golf 1

Tel. 0034/928/16 00 34, fuerteventuragolfclub.com

18 Löcher, 5.844/4.845 Meter (H/D)

Par 72, CR 72,1/72,1, Slope 136/131

Greenfee: 80 Euro (Partnerhotel-Gäste: 73 Euro)

Der 2002 eröffnete Parcours ist nicht nur der älteste 18-Löcher-Platz auf »Fuerte«, sondern mit 150 Hektar auch die größte Grünfläche der wüstenartigen Vulkaninsel überhaupt. (Wobei das mit dem Grün bei unserem Besuch so eine Sache war: Direkt nach dem heißen Sommer zeigten sich Fairways und Abschläge doch etwas lädiert, sie sollen im Winter aber wieder top in Schuss sein.) Für eine abwechslungsreiche, sportlich anspruchsvolle Runde in dem leicht hügeligen Gelände sorgen fast 70 Bunker, drei Teiche und der sie verbindende Bach, wodurch immer wieder Wasser ins Spiel kommt.

Die Fairways präsentieren sich meist weitläufig, die Putt-Flächen großzügig, spurtreu und teils interessant onduliert. Die Par-5-Löcher sind allesamt recht kurz, die One-Shotter dagegen ziemlich stramm. Im Gedächtnis haften bleiben am Ende die Ausblicke aufs Meer und etwa ein Drittel der Spielbahnen des Fuerteventura GC, allen voran das finale Duo: Die 17, ein von Gelb nur 440 Meter langes Par 5, führt steil bergauf bis zum höchsten Punkt der Anlage – und die 18 stürzt sich dann als kräftig bebunkertes Dogleg wieder tief hinunter.

Golf Score: Fuerteventura Golf Club

ANSPRUCH             15 von 24
ZUSTAND                9 von 12
DESIGN                    20 von 24
KULISSE                  8 von 20
SERVICE                  11 von 15
BONUS                     4 von 5
INDEX:                     0,95 / –

Playitas Golf

35629 Las Playitas, Urb. Las Playitas s/n,

Tel. Tel. 0034/928/86 04 00, playitas.net

18 Löcher, 4.782/4.045 Meter (H/D)

Par 67, CR 65,7/67,1, Slope 121/121

Greenfee: 69 Euro (Resort-Gäste: 15% Rabatt)

Der über die Jahre in mehreren Etappen auf 18 Löcher erweiterte Platz ist ein ziemliches Kuriosum. Zum einen, weil er bei Par 67 von Gelb nur knapp 4.500 Meter misst. Zum anderen, weil das Design des gebürtigen Schotten John Chilver-Stainer gleich acht Par-3-Löcher umfasst! Eine Art bessere Pitch&Putt-Wiese ist die zum Teil recht hügelige Anlage von Playitas Golf deshalb jedoch nicht. Denn, erstens, bläst natürlich auch hier gerne ein kräftiger Wind. Zweitens lauern vier kleine Seen zwischen den Spielbahnen. Und drittens warten in der Mitte der Runde einige Bahnen, die zwar eher kurz, aber recht tricky sind. Wer die Kunst des Shot-Making beherrscht, darf sich hier sogar mehrfach auf Risk-and-reward-Optionen freuen – alle anderen über großzügig bemessene Landezonen, nur wenige Bunker plus immer wieder mal Meerblick. Und einen Bonuspunkt verdient sich das ganz auf aktive Sportler fokussierte Resort auch für seine Übungseinrichtungen, darunter eine doppelseitige Driving-Range, Putting-, Pitching- und Chipping-Green.

Golf Score: Playitas Golf

ANSPRUCH             10 von 24
ZUSTAND                11 von 12
DESIGN                    15 von 24
KULISSE                  13 von 20
SERVICE                  8 von 15
BONUS                     0 von 5
INDEX:                     0,84 / –

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    • Günter O. Reiter

      Sehr geehrter Herr Bialluch,
      die Meldung beschränkt sich deshalb vorwiegend auf die beiden vorgestellten Golfanlagen, weil ich im Herbst 2019 dort selbst zu Gast war und daher über (vergleichsweise) aktuelle Informationen verfüge. Insofern wäre es diesen zwei Plätzen gegenüber auch unfair gewesen, die beiden anderen hier in gleichem Umfang zu präsentieren.
      Jandía Golf ist immerhin sehr lobend erwähnt, meine persönlichen Erfahrungen dort liegen jedoch schon fünf Jahre zurück – und damals berichteten wir übrigens im Heft auf einer ganzen Seite.
      Herzliche Grüße
      Günter O. Reiter (stv. Chefredakteur Golf Magazin)


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