Reise an den Genfersee

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An den See! An den See!

Rund um den Lac Léman, wie Franzosen und Westschweizer den wasserreichsten See Mitteleuropas nennen, lockt nicht nur eine wunderbare Landschaft. Der Genfersee trumpft auch mit sehr starken Golfplätzen auf.

(T) Ralf Schwarzkopf

»In den See! In den See!“ Dieser Ruf aus »Asterix bei den Schweizern“ – wenn mal wieder das Fleisch in den Fonduetopf gefallen war – wird bei manchen Lesern vielleicht die erste Assoziation sein, wenn sie an den Genfersee denken. Denn ansonsten tun sich viele deutsche Golfer schwer, diese hinreißend schöne Landschaft in Frankreich und der Schweiz mit ihrem Lieblingssport zu verbinden.

Doch warum eigentlich? Weil wir die Sprache nicht sprechen? Pardon, aber ist das in den meisten anderen Ländern doch auch nicht auch der Fall. Weil es zu teuer ist? Pardon, aber objektiv betrachtet sind viele Plätze in Spanien, Portugal und den USA sicherlich nicht preiswerter. Weil es dort zu abgehoben ist? Pardon, aber die ganzen British-Open-Plätze wollten wir doch auch spielen. Und es liegt doch gerade an der Exklusivität, dass einige Regionen dieser Welt eben nicht so überlaufen sind.

Exakt mit diesem Argument trumpft der Lac Leman auf. Der Großteil der von uns besuchten Golfanlagen sind traditionelle Member-Clubs. Und hier sind Greenfee-Spieler zwar willkommen, die Clubs aber nicht auf sie angewiesen. Die opulenten Jahresbeiträge der Mitglieder reichen aus, um den hohen Pflegezustand und die hervorragende Infrastruktur auch so zu erhalten.

Letztendlich spricht für diese äußerst liebliche und gleichwohl spektakuläre Region außerdem, dass sich hier gemäß nationalen und internationalen Rankings zwei der drei besten Plätze der Schweiz befinden – und dazu kommt noch ein echter Kracher am französischen Ufer des Sees.

Zwei Schweizer Traditionsclubs am Genfersee

Das Eingangstor für Urlauber wird in der Regel Lausanne sein. Die »Hauptstadt« des Sports ist seit 1915 Sitz des IOC und mittlerweile Heimat von 55 internationalen Sportverbänden und -organisationen. Dass das Olympische Museum zu den Hauptsehenswürdigkeiten zählt, verwundert daher kaum. Aber auch La Cité, die Altstadt mit der Kathedrale Notre Dame und dem Chateau St.-Maire, lohnt ebenso einen Besuch wie der Hafen und die Promenade rund um das alte Schloss Ouchy.

Lausanne mag nicht so mondän wie Genf, Montreux oder Vevey sein, doch die Stadt punktet bei den Schweizern mit einer erstaunlich hohen Lebensqualität. Und Qualität bietet auch der Golf Club de Lausanne – vom ersten bis zum letzten Loch und ohne weitere Abzüge im eleganten und trotzdem äußerst gemütlichen Clubhaus. Zwar ist das Jacket nicht mehr zwingend, aber die kurze Hose sollte man nach der Runde schon wechseln, bevor man die exquisite Küche hier probiert.

Der klassische, altehrwürdige Parkland-Kurs liegt, fast schon etwas versteckt, hoch oberhalb der Stadt. Er war 1982 Schauplatz der Eisenhower Trophy und feiert 2021 sein hundertjähriges Bestehen. Das Design von Georges Narbel wurde lediglich zwei Mal mit viel Fingerspitzengefühl überarbeitet, 1960 von Donald Harradine und 1996 von Jeremy Pern, ohne auch nur annähernd seinen Gesamtcharakter zu verändern. Die idyllische, abgeschiedene Ruhe darf jedoch keinesfalls davon abhalten, jeden Schlag und jedes Risiko sorgfältig abzuwägen, sonst könnte das grüne Paradies zur Hölle werden.

Mondäne alte Hotelpaläste, eine kilometerlange, blumenübersäte Promenade, Ausblicke auf die Weite des Genfersees und den 3.257 Meter hohen Dents du Midi, die Weinberge und das berühmte Montreux Jazz Festival, all das hat dem Kurort zu weltweitem Ruhm verholfen. Es gibt nur wenige lieblichere Flecken zum Verweilen, wo die Schönheit und Einzigartigkeit des Lebens reizvoller und attraktiver in Szene gesetzt werden, wo Frieden, Ruhe, leichte Geschäftigkeit, Kultur, aber auch Selbstzufriedenheit, Reichtum und Dekadenz im Einklang stehen.

Lausanne am Genfersee

Altstadt Lausanne.

Wer einmal in den Bann der Waadtländer Riviera gezogen wurde, kam sein Leben lang wieder oder setzte sich hier gleich zur Ruhe, sei es Charlie Chaplin in Vevey oder Freddy Mercury in Montreux. Doch die Topographie mit den steil aufragenden Bergen hinter dem Seeufer gab der Stadt nie die Möglichkeit für einen citynahen Golfplatz. So fand der bereits 1900 gegründete Golf Club Montreux seine Heimat im 15 Kilometer entfernten Aigle, kurz bevor die Rhône in den Genfersee mündet.

Die Lage erscheint bei der Anfahrt überaus spektakulär, wird doch das Tal beidseitig von über 3.000 Meter hohen Bergen eingerahmt. Doch nicht nur die Augen staunen mit, manchmal leider auch die Ohren. Denn der überaus verzeihliche, immer faire, auch für Anfänger perfekt geeignete Parcours wird an drei Seiten von stark befahrenen Straßen eingerahmt, im Westen sogar von der Autobahn ins Wallis. Aber egal, es wartet eine nette Greenfee-Runde mit der Möglichkeit eines erstaunlich niedrigen Scores.

Montreux am Genfersee

Altstadt Montreux.

Den ganzen Artikel aus Ausgabe 9/21 finden Sie hier!