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Schlagvorbereitung: In Boxen denken

Schlagvorbereitung

Eine Schlagvorbereitung ist nicht nur etwas für Profis. Jeder Spieler sollte ein individuelles Ritual vorm Schlag haben. PGA-Professional Marcus Bruns erklärt das sogenannte Boxen-System und zeigt, welche Punkte eine Pre-Shot-Routine beinhalten sollte. 

Von Marcus Bruns und Isabel von Wilcke 

Auf dem Platz gibt es Bereiche, die man als Spieler beeinflussen und steuern kann. Wohingegen das Wetter, Platzverhältnisse oder Mitspieler außerhalb des Einflussbereichs liegen. Umso wichtiger ist es, die steuerbaren Bereiche stets kontrollieren zu können – dazu gehören die innere Einstellung zum Spiel und die individuelle Schlagvorbereitung. Eine stets sich wiederholende Pre-Shot-Routine sollten nicht nur Profis und Spitzenamateure haben. Insbesondere weniger erfahrene Spieler könnten dank dem monotonen Muster der Schlagroutine an Sicherheit gewinnen. Ein eingeübtes Schlagvorbereitungsritual gibt Spielern die Möglichkeit, theoretisch immer in den gleichen gewünschten Zustand zu kommen. Damit die Routine in einen erfolgreichen Schlag mündet, muss sie einstudiert und trainiert sein – dann kommt jeder Golfer in den gewünschten Gemütszustand. So ein Schlagvorbereitungsmuster verleiht das Gefühl von Sicherheit, was für die unmittelbar bevorstehende Schlagausführung essenziell ist. Hinzu kommen eine bessere Fokussierung und somit weniger Ablenkung durch die Umgebung. 

Was ist eine Pre-Shot-Routine? 

Die Pre-Shot-Routine ist das kurze Zeitfenster unmittelbar vor Schlagausführung. Sie folgt einem stets wiederholbaren Ablauf spezifischer Schritte, die jeder Spieler durchführt, um sich bestmöglich auf den Schlag vorzubereiten. Diese mentale und physische Routine dient dazu, sich auf den Schlag zu fokussieren, die Konzentration zu optimieren, durch die gewohnte Wiederholung der Routine Vertrauen aufzubauen und somit konsistente Ergebnisse zu erzielen. Die Schlagvorbereitung ist von Spieler zu Spieler individuell. Grob umfasst sie: Sondierung der Lage, Schlägerwahl, Ausrichtung, Visualisierung des Ziels, eventuell Quick-Check einiger Schwung-Basics wie Griff und schließlich dem Schlag einschließlich einer etwaigen Atemtechnik.  

Schutzschild Schlagvorbereitung 

Schlagvorbereitung
Rafael Nadal © Getty Images

Pre-Shot-Routinen und das kontinuierliche Beibehalten bewährter Abläufe gibt es in vielen Sportarten. Der spanische Tennis-Star Rafael Nadal folgt seinen kleinen Ticks und Macken akribisch. Trinkflaschen werden millimetergenau unterhalb der Sitzbank positioniert, vorm Schlag werden Hose, Hemd, Stirn und Nase mehrmals berührt – ja, bei ausnahmslosen jedem Schlag zu Spielbeginn. Beim Golfsport machte diesen Sommer bei der Open Championship ebenfalls jemand Schlagzeilen wegen seiner Ticks: Open-Champion Brian Harman waggelt, zuckt und korrigiert den Griff im Rahmen seiner Schlagroutine derart häufig, dass im TV sogar Waggle-Zähler eingeblendet wurden. Ein zeitraubendes Unterfangen und eine Geduldsprobe für die Mitspieler.

Doch der Südstaatler ist ganz Profi und bleibt stoisch seiner Routine treu und wiederholt seine Probe-Waggle so lange, bis es sich für ihn gut anfühlte. Der Erfolg gibt ihm recht: Mit einem Vorsprung von sechs Schlägen nahm er die Claret Jug mit nach Hause. Das sich stets wiederholende Ritual der Schlagvorbereitung dient dazu, den Geist zu beruhigen, den Fokus zu schärfen und somit optimale Ergebnisse zu erzielen. Australier Jason Day schließt stets die Augen, während er seinen Handschuh hochzieht und Ryder-Cup-Sieger Jon Rahm steht immer fünf bis sechs Sekunden hochkonzentriert hinterm Ball und begibt sich damit in seinen ganz persönlichen Tunnel, der ihn von etwaigen Zuschauerzwischenrufen abschirmt.  

Wie Sie die richtige Schlagbereitung für sich finden, und was es mit der Boxen-Strategie auf sich hat, lesen Sie in der neuen Ausgabe #11/23!