Das kurze Spiel im Golf hat eine große Bedeutung für das Ergebnis. Im Training dominiert aber oft die Jagd nach dem perfekten Drive – während rund ums Grün wertvolle Schläge liegenbleiben. Wer Chip-and-Run, Pitch, Finesse-Wedge und Bunkerschlag systematisch trainiert, kann seine Up-and-Down-Quote deutlich steigern. Golf Magazin bündelt die wichtigsten Techniken, Strategien und Drills für ein effektives kurzes Spiel.
Inhaltsverzeichnis
- Strategie zuerst: Putten – Chippen – Pitchen – Lob nur im Notfall
- Standardwaffe rund ums Grün: Der Chip-and-Run
- Putt-Bewegung als Rettungsanker: Putt-Chip, Wedge-Top & Hybrid-Putt
- Technische Basis für den Pitch: Setup, Bodenkontakt und „Gras bürsten“
- Pitches & Finesse-Wedges: Kontrolle zwischen 20 und 50 Metern
- Spin, Backspin & Spin Loft: Wenn der Ball nach der Landung bremst
- Spezialsituationen: schwierige Lagen, Trouble-Shots & Lob-Shot
- Bunker als Teil des kurzen Spiels – Basics in Kürze
- Training: Vom Theorie-Hub zur besseren Runde
Welche Schläger im Kurzspiel verwenden?
Ein kurzer, klarer Entscheidungsfahrplan hat sich für Spieler mit mittlerem und höherem Handicap bewährt:
- Putten, wenn es irgendwie möglich ist. Liegt kein Hindernis zwischen Ball und Loch und ist der Untergrund halbwegs plan, ist der Putt die sicherste Variante – auch aus dem Vorgrün.
- Chippen, wenn Putten nicht sinnvoll ist. Flacher Chip-and-Run mit Pitching Wedge, Eisen 9 oder 8. Der Ball fliegt nur kurz, landet früh auf dem Grün und rollt kontrolliert zur Fahne.
- Pitch oder Lob-Shot nur dann, wenn es keine Alternative gibt. Etwa über einen Bunker, aus tiefem Rough oder wenn kaum Grün zum Arbeiten zur Verfügung steht.
Je niedriger der Ballflug und je früher der Ball am Boden ist, desto kalkulierbarer werden Länge und Richtung.
Wie funktioniert ein Chip-and-Run? Welche Übungen gibt es?
Der Chip-and-Run ist der Standardschlag für die Mehrzahl aller Lagen rund ums Grün – flach, unspektakulär, effektiv. Statt den Ball steil einfliegen zu lassen, wird er bewusst flacher gespielt:
- kurzer Flug
- frühe Landung
- kontrolliertes Ausrollen.
Der Bewegungsumfang ist klein, die Handgelenke bleiben ruhig, Schultern und Arme pendeln den Schläger wie beim Putten.
Schläger wie Eisen 9, Eisen 8 oder ein Pitching Wedge bieten sich an. Je weniger Loft, desto länger rollt der Ball. Besonders wirksam ist es, im Training mit festen Landezonen zu arbeiten: farbige Kreise, Tees, Headcover oder auch Bierdeckel markieren Bereiche, in denen der Ball aufkommen soll.
Wann sind ein Putt-Chip oder Hybrid-Putt sinnvoll?
Nicht jede Lage lässt einen klassischen Chip zu. Unebener Vorgrünbereich, hohe Grasbüschel, Kanten zwischen kurzgemähtem Gras und Semi-Rough – hier steigt das Risiko, dass zu viel Gras zwischen Ball und Schlagfläche gerät oder der Schläger hängenbleibt. Genau an dieser Stelle setzen Putt-basierte Kurzspiellösungen an:
Putt-Chip mit Eisen
Beim Putt-Chip wird ein Eisen – häufig 9er oder 8er – im Prinzip wie ein Putter geführt. Der Schläger wird stärker aufgerichtet, der Griff eher in der Handfläche gehalten, der Stand enger gewählt. Die Schlagfläche trifft den Ball mit wenig Loft, der Ball startet flach und rollt anschließend wie ein Putt.
Hybrid-Putt für längere Distanzen
Die Bewegung orientiert sich am bewährten Putt-Rhythmus, nicht an komplexen Wedge-Schwüngen.
Auf längeren Distanzen oder bei unruhigem Vorgrün kann das Hybrid zur Putt-Waffe werden. Die Bewegung bleibt puttähnlich, der runde Schlägerkopf gleitet stabil durch das Gras, ohne zu graben. Der Ball löst sich schnell vom Blatt und rollt mit konstantem Tempo.
Allen Varianten gemeinsam ist ein Prinzip: Die Bewegung orientiert sich am bewährten Putt-Rhythmus, nicht an komplexen Wedge-Schwüngen.
Was muss man beim Pitch beachten? Setup, Bodenkontakt und „Gras bürsten“
Kurzspiel-Coaches wie Dan Grieve, Marcus Bruns und Ian Holloway betonen immer wieder: Konstanz entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch ein reproduzierbares Setup und Kontrolle über den tiefsten Punkt des Schwungs.
Die Sohle des Schlägers soll flach über den Boden gleiten, nicht tief in den Untergrund hacken.
Typische Eckpunkte:
- Stand: eher schmal, Füße näher beieinander als schulterbreit
- Gewicht: leicht bis deutlich auf dem vorderen Fuß, und dort während des gesamten Schlags belassen
- Ballposition: bei Chips mittig bis leicht rechts der Mitte, bei höher fliegenden Pitches eher mittig
- Schaftstellung: leicht nach vorn geneigt, aber nicht übertrieben – Ziel ist ein leicht absteigender Treffmoment
- Hände & Handgelenke: ruhig, kaum aktive Bewegung; der Schläger wird von Schultern und Oberkörper geführt
- Verbindung zum Körper: Oberarme eher am Brustkorb „angelehnt“, keine weggestreckten, verkrampften Arme
- Ballkontakt: Die Sohle des Schlägers soll flach über den Boden gleiten, nicht tief in den Untergrund hacken.
Pitches & Finesse-Wedges: Kontrolle aus größerer Distanz
Ab rund 20 Metern bis zu jener Distanz, die ein voller Schwung erreicht, trennt sich im Golfsport häufig mittelmäßiges von gutem Scoring. Hier kommen Pitches und das sogenannte Finesse-Wedge ins Spiel.
Ein zentrales Konzept zur Längenkontrolle stammt von Dave Pelz: das Clock-System. Der Rückschwung wird mit Uhrzeiten verglichen – etwa 7:30, 9:00 und 10:30 – und für jede Position die resultierende Distanz mit verschiedenen Wedges ermittelt.
Drall-Drill: Wie geht Backspin?
Der klassische Traum: Der Ball landet, springt ein Mal und bleibt quasi an Ort und Stelle liegen. Dafür braucht es Spin – und zwar nicht zufällig, sondern technisch erzeugt. Kurzspiel-Spezialisten wie Joe Mayo und Paul Dyer beschreiben das über den Begriff Spin Loft.
Mehr Spin ist kein Produkt reiner Schlägerkopfgeschwindigkeit, sondern das Ergebnis aus:
- passendem Loft (typischerweise Gap-, Sand- oder Lob-Wedge)
- sauberer, trockener Schlagfläche mit scharfen Grooves
- Premium-Ball mit weicher Urethan-Schale
- leicht absteigendem, aber nicht zu steilem Eintreffwinkel
- „bürstendem“ Bodenkontakt – wenig Gras, wenig Feuchtigkeit zwischen Ball und Blatt
Spezialsituationen: schwierige Lagen, Trouble-Shots & Lob-Shot
Rund ums Grün sind ideale Lies die Ausnahme. Schräglagen, Kahlstellen, fluffiges Rough, Bunkerhänge oder halbe Bälle auf Kanten verlangen nach angepasster Taktik.
Zentrale Leitgedanken:
- Nur Schläge wählen, deren Erfolgsquote im Training bereits hoch ist – Experimente mit 1-aus-20-Treffern kosten auf der Runde meist Schläge.
- Lage zuerst analysieren: Untergrund, Grasrichtung, Hindernisse, Grünfläche zur Fahne, Auslaufzonen.
- Wo immer möglich, auf flachere Annäherungen setzen; der spektakuläre Schlag sollte die Ausnahme bleiben.
- Lob-Shot ist technisch anspruchsvoll, fehleranfällig und stark von Balllage, Bounce, Loft und Untergrund abhängig.
Wie geht der Schlag aus dem Bunker?
Der Bunker gehört zum erweiterten Kurzspiel. Moderne Bunkerlehre folgt ähnlichen Grundprinzipien wie das Wedge-Spiel vom Gras:
- stabiler, leicht breiter Stand
- deutlicher Gewichtsüberschuss auf dem vorderen Fuß
- kontrollierter Eintauchpunkt in den Sand (Spiegelei-Übungen)
- Nutzung von Loft und Bounce je nach Sandsituation
- Distanzkontrolle eher über Sandmenge und Schwunglänge als über „Gewalt“
