Föhrer Trilogie

Von Dagmar Garbe

Die Strecke von Münster nach Föhr kennt er inzwischen im Schlaf: Christian Althaus ist sie zwischen Mai 2008 und Juli 2009 an die 30 Mal gefahren. Der Einsatz hat sich mehr als gelohnt: Der junge Golfplatzarchitekt aus dem Planungsbüro von Städler Golf Courses hat auf der Nordseeinsel sein erstes, eigenes Projekt verwirklicht: Althaus (Hcp + 0,1) hat die bestehende 18-Löcher-Anlage um weitere 9 Löcher erweitert.

„Heute“ steht auf einem großen Feldstein am 1. Abschlag der roten Bahnen auf Föhr. „Heute“ lautete das Motto von Carl Mensendieck, einem der Baumeister des Golfsports in Deutschland und Gründer des GC Föhr. Die heutigen Verantwortlichen des Clubs haben mit der Erweiterung allerdings noch mehr an die Zukunft gedacht. „Wir wollten uns von den künftigen Generationen nicht vorwerfen lassen, wir hätten die Entwicklung verschlafen“, sagt Präsident Joachim Schweim. Hinter den Kulissen betrieb deshalb vor allem der in diesem Jahr ausgeschiedene Präsident Nickels Peter Hinrichsen zusammen mit seinem Nachfolger Schweim den Ausbau des GC Föhr, der zwar schon 85 Jahre alt ist, aber erst vor 20 Jahren von Donald Harradine auf 18 Löcher erweitert worden war.

Nach vielen, vielen Problemen mit dem Ankauf weiteren Landes und Vorurteilen bei einigen, wenigen Mitgliedern fiel im Mai 2008 der Startschuss für den Ausbau. In nur etwas mehr als einem Jahr hat Althaus alle Vorgaben umgesetzt. Ziel war es, im Rahmen der Erweiterung drei ausgewogene 9-Löcher-Runden am Clubhaus starten und enden zu lassen. Dies zu lösen war kaum möglich, und so muss man denn auch ein wenig laufen, wenn man zum Loch 1 des „gelben“ Kurses möchte. Die Kurse „blau“ und „rot“ – die Farben finden sich im Clublogo wieder – beginnen dagegen direkt vor dem gemütlichen Holzclubhaus mit seiner herrlichen Sonnenterrasse.

6.500 Lastwagen Erde

Für die neuen Löcher sind von der irischen Spezialbaufirma EGS 13.000 Kubikmeter Erde bewegt worden – das sind ca. 6.500 Lastwagen-Ladungen. Zwölf Kilometer Rohre wurden für die Abschlag-, Fairway- und Grünberegnung verlegt. 20.000 Strandhafer, 30.000 Heidepflanzen und 5.000 Ginster gepflanzt – und das alles auf einer Erweiterungsfläche von nicht mehr als 20 Hektar.

Doch Christian Althaus fand den nötigen Platz und, in Schichten tief unter dem ehemals platten Ackerland, wunderbaren Sand. „Nichts ist schöner für einen Golfplatzarchitekten, als auf Sandboden ein Design zu verwirklichen“, sagt er. Damit war auch die Vorgabe von Hinrichsen und Schweim für die neuen neun Löcher gut zu erfüllen, denn es sollte schon ein Kurs mit Links-Charakter werden.

Nun spiegelt sich die ganze Vielfalt der Insel Föhr in 27 Löchern wieder: Natur pur auf Spielbahnen mit Wald, Wasser, Heide, Ginster, Standhafer und Dünenformationen. Jedes Loch ist unverwechselbar mit immer wieder neuen Blicken in die Weite der Landschaft. Gleichzeitig sind nicht nur die neuen Bahnen so voneinander getrennt, dass man sich auch in der Hochsaison allein auf dem Platz wähnt – trotz 740 Mitgliedern und rund 7.600 Greenfeerunden.

Tendenz steigend, denn die Attraktivität von Insel und Platz spricht sich herum. Bis zu 100 Spieler beim wöchentlichen, für jedermann offenen Mittwoch-Herren-Nachmittag sind im Sommer keine Seltenheit, und auch bei den Damen spielen in der Hochsaison regelmäßig knapp 60 Damen die zumeist vorgabenwirksamen Turniere.

Eröffnungsturnier mit 236 Teilnehmern

„Das Eröffnungsturnier mit 236 Teilnehmern – Platzrekord – und einer rauschenden Einweihungsparty war ein echter Härtetest für unseren Club, sagt der Präsident. Ohne das seit Jahren bewährte Team des Sekretariats um Inge Brodersen sowie Head-Greenkeeper Freddy Riewerts und Spielführer Mike Hetsch wäre dieses Mammutturnier undenkbar gewesen.

Natürlich brauchen die neuen Bahnen noch etwas Zeit zum Reifen. So sind die Grüns nicht so schnell wie die der alten 18 Löcher. Einige Roughs – vor allem auf Loch 8 (blau) – sind entschärft worden. Irgendwann sollen nun auch die „gelben“ Spielbahnen „aufgepeppt“ werden. Bei so viel Qualität, die dem Golfspieler auf dem Kurs blau/rot geboten wird, wachsen eben die Ansprüche.

Zusammen mit der Erweiterung des Platzes sind auch die Übungsmöglichkeiten verbessert worden. Für einen wesentlichen Ausbau der Driving Range fehlte zwar der Platz, dafür ist neben dem immer schon großzügigen Puttinggreen eine Pitch- und Putt-Anlage entstanden. Für das Training ist Chefpro Marc Oldsen verantwortlich. Dessen Frau Regina führt den kleinen, aber feinen Pro-Shop, in dem kein Wunsch offen bleibt.

„Für mich gibt es nichts Schöneres, als direkt am Meer das Spiel auf einem Dünenplatz mit festen, schnellen Fairways zu genießen, zwischen Ginster und Heide, wogendem Gras, mit Licht-und Schattenspielen, einer steifen Brise und begleitet vom Geschrei der Möwen und Austernfischer“, sind sich Schweim und Althaus einig. Da stimmen wir den Herren der Föhrer Trilogie doch gern zu.

Golf Club Föhr

www.golfclubfoehr.de
Webseite mit allem, was der User wissen muss. Gäste können Informations-material online anfordern.
Heiß: Turnier-Online-anmeldung, Wetterdienst, hilfreiche Angaben zur aktuellen Platzbelegung.
Kalt: Keine Lochskizzen, Fotos lassen sich unter Platzimpressionen nicht groß aufziehen.
Schulnote: gut

Adresse: Grevelingstieg 6, 25938 Nieblum/Föhr
E-mail: info@golfclubfoehr.de
Telefon/Fax: 04681/58 04 55; 04681/58 04 56
Gründungsjahr: 1925
Platz: 27 Löcher; Kurs „blau/rot“: Par 72, 6.002 m (Gelb)/5.276 m (Rot), CR/Slope 72,7/135 (G), 74,7/132 (R)
Architekt: Frank Penning/Donald Harradine, Christian Althaus (Erweiterung 2009)
Greenfee: 18 Löcher 50 Euro; 9 Löcher 30 Euro. Juli und August nur Spieler ab Hcp -36.
Trolley: 5 Euro
Gastronomie: April bis Oktober täglich 11 bis 21 Uhr; November bis März Dienstag bis Sonntag 14 bis 21 Uhr
Hotelempfehlung: Landhotel Villa Witt, Alkersumstieg 4-6; Tel.: 04681/587 70
Anfahrt: Falls Sie den Pkw mit auf die Insel nehmen möchten, ist es unbedingt erforderlich, diesen unter Telefon 01805/08 01 40 (Wyker Dampfschiffs-Reederei) oder unter www.faehre.de anzumelden.
Vom Hafen auf der Hauptstraße Richtung Nieblum. Nach ca. 3 km links Richtung Flughafen/Jugendherberge in den Fehrstieg abbiegen. Straße 2 km folgen, direkt hinter dem Flughafen rechts Einfahrt zum Golfplatz.

GOLFmagazin-Bewertung (Platznote doppelt gewichtet)
Platz: 5 (Bälle)  Clubhaus: 4  Service: 5  Gastronomie: 4
Gesamt: 4,5