GC Treudelberg: Im grünen Bereich

Von Kolja Hause

Rot, robust, umweltfreundlich. In Hamburch, wie die Hamburger zu ihrer Heimatstadt sagen, ist das StadtRAD ein Renner, nicht nur für Öko-Aktivisten. Online registriert, das Pencilbag mit halbem Schlägersatz geschultert, leihe ich mir am Hauptbahnhof per Kreditkarte einen der 1.000 stadtweiten Drahtesel. Mein Ziel: der Golf & Country Club Treudelberg mit 27 Löchern und angrenzendem Steigenberger-Hotel im grünen Norden der Hansestadt.

17,3 Kilometer schön „sutsche“ (Hamburgisch für ruhig) entlang des grünen Alsterlaufs. Durchschnittstempo 15 Kilometer pro Stunde. Mit dem Auto brauche ich 30 Minuten, per Pedale sind es 75. Mit leicht verschwitzter Büx, aber gut aufgewärmt für die Runde erreiche ich den Club im Stadtteil Lemsahl-Mellingstedt.

Der StadtRAD-Beweis ist erbracht: Treudelberg ist stadtnah. Vom Flughafen Fuhlsbüttel wäre der Weg nicht einmal halb so weit. Dort aber gibt es noch keine Leihstation. Leider in Treudelberg auch nicht. Ich muss später mit dem Rad wieder zurück. Zumindest bis zum Stadtpark, dort ist die nächste Leihstation. Noch. Weitere sind in der Umwelthauptstadt 2011 geplant, gut zehn Millionen Euro sollen unter anderem für Fahrradwege ausgegeben werden.

„Dafür verleiht das Hotel fünf eigene Räder“, sagt Rolf Haug (49), Geschäftsführender Direktor im Steigenberger Hotel Treudelberg Hamburg, das zum Golfplatz gehört. Ein Hotel, dass kürzlich von 135 auf 225 Zimmer erweitert wurde, mit SPA- und Fitness-Bereich, in dem auch Club-Ehrenmitglied Wladimir Klitschko ab und an die Muskeln spielen lässt. Der Boxweltmeister wohnt in der Nähe und ist nicht der einzige Sportstar hier.
Goosen, Daly, Langer schlugen hier ne ruhige Kugel

In den Jahren der Deutsche Bank Players Championship auf Gut Kaden war Treudelberg das Spielerhotel. Goosen, Daly, Langer – sie alle schlugen hier ne ruhige Kugel. „Herr Langer musste damals mal dringend zum Arzt, später hat er sich telefonisch bei mir bedankt“, erinnert sich Haug.

Zur Zeit ist die Golfanlage immer öfter Feindesland – aus Sicht der Hamburger. Die Gegner des HSV (Bundesliga-Fußball- und Handball) sowie der Freezers (Eishockey) nächtigen auch gern stadtnah.
Nicht nur das Hotel, auch der Golfplatz profitiert von der Stadtlage. „Wir liegen auf der richtigen Seite Hamburgs“, so der Direktor mit Handicap 26, „denn der beste Golfplatz ist der in der Nähe.“ 750 Erwachsene, 200 Butjes und Jugendliche sowie 300 Mitglieder für die 9-Löcher-Runde Zukunftsängste hat der gebürtige Schwabe Haug nicht. „Die Hotelauslastung liegt trotz Krise und Erweiterung bei über 60 Prozent, über 3.000 Greenfeerunden pro Jahr werden gespielt“ – der gelernte Kellner mit dem seltenen Hobby Radball ist ein richtiger Sabbelbüddel, wenn er von „seiner“ Anlage schwärmen kann. „Jetzt sind wir sogar zertifiziertes pharmakodexkonformes Hotel.“

Was bitte? „Ja, Pharmaunternehmen dürfen weiterhin bei uns tagen“, erklärt Haug. „Dafür durfte der Erlebnischarakter, sprich Golf, nicht im Vordergrund stehen.“ Gut, dass die Pharmazeuten es nicht zu genau wissen wollten. Sonst hätten die Döspaddel entdeckt, dass der Platz und speziell die 2009 neu eröffneten 9 Löcher des C-Kurses (aus der Feder von Architekt David Krause) das absolute Prunkstück der gesamten Anlage sind.
A & B sind ein Klacks für Könner

Das Zweirad per Zahlencode unter den fragenden Augen der Golfempfangschefin Gabriele Reiter sicher an der Rezeption abgestellt, mache ich mich auf die Runde. Zunächst Kurse A und B: Die 18 Löcher von Donald Steele gibt es seit 1992. Sie sind nicht schwer, ein Klacks für Könner, nix zu meckern. Wie es sich für einen ordentlichen Hotelplatz gehört, sind die Landezonen breit, die Grüns nicht zu verspielt, ist das Rough moderat. Das verkürzt die Spielzeiten und maximiert wegen der guten Ergebnisse die positiven Eindrücke.

Oben drüber lauter Flugzeuge im Landeanflug auf Fuhlsbüttel, ein auf Mäuse spähender Bussard an Loch 14, den die metallenen Fluggenossen mal gar nicht tangieren, und reihenweise tobende Hunde samt Besitzern abseits der Bahnen urbanes Golf im grünen Bereich eben.

Seit 2009 sind neben dem neuen C-Kurs die Schlussbahnen absolute Highlight. Deren Grüns liegen allesamt im Teich vor dem Hotel und der lauschigen Terrasse. A9 (Par 5, 454 m) endet auf einem Halbinselgrün, B9 (Par 5, 502 m) und das Par 3 C9 (101 m) teilen sich ein riesiges Doppelinselgrün, wunderbar eingefasst durch wuchtige Steinwände.

Architekt David Krause hat seine Neuerungen für plietsche Golfer gebaut. Auf dem C-Kurs ist der Driver nicht zwingend. In meinem Pencilbag war der längste Schläger ein Eisen 4. Das zwang zum Denken. Besonders am Inselgrün von C5 (Par 4, 238 m). Eisen 8, Wedge, zwei Putts. Direktor Haug spendet demjenigen, der das Grün vom Abschlag trifft und dessen Ball liegen bleibt, eine Magnumflasche Champagner. Noch keiner ließ den Korken knallen. Gut gelaunt beenden die meisten ihre Runde dennoch.
Bei mir stellt sich diese Freude schlagartig ein: 75 Minuten hin, 360 Minuten vor Ort. Fragen Sie nicht, wie lange zurück! Nur soviel: im übersäuerten Bereich mit schmerzenden Musken. Nächstes Mal wieder mit dem Auto!

Infos Treudelberg
Adresse: Lemsahler Landstraße 45, 22397 Hamburg
Telefon & Fax: 040/60 82 20; 040/60 82 28 88 8
Internet: www.treudelberg.com
Gründungsjahr: 1992
Platz: 27 Löcher; jede Kombination Par 72 und CR/Slope 71,6/128 (Gelb) + 72,8/126 (Rot); Länge AB: 5.849 m/5.000 m (Gelb/Rot); AC: 5.585 m/4.724 m; BC: 5.590 m/4.680 m
Architekt: Donald Steel (A+B), David Krause (C-Kurs)
Greenfee: 55 (wochentags), 75 (Wochenende); Hotelgäste (40 /50 ); 9 Löcher Pitch & Putt-Platz ab 20
Trolley/Cart/Schlägersatz: 5 /30 /30
Gastronomie/Hotel: verschiedene Restaurants, ein Bistro sowie eine Piano Bar; 135 Zimmer im „Landhaus“ + 90 Zimmer/Suiten im neuen „Atrium“, 500 qm Spa, Schwimmbad, 22 Tagungsräume für 2 bis 250 Personen
Anfahrt: 15 Minuten Fahrtzeit vom Airport Hamburg; Shuttle auf Anfrage. Deutsche Bahn (30 Min. mit der
S-Bahn S1 bis Poppenbüttel, dann 15 Min. mit Bus 176 oder 276 bis Haltestelle Treudelberg); stadtRAD (z.B. 75 Min. ab Hbf, Anmeldung: www.stadtradhamburg.de)

GOLFmagazin-Bewertung (Platznote doppelt gewichtet)
Platz: 4 (Bälle)  Clubhaus: 5  Service: 5  Gastronomie: 5
Gesamt: 5