Golf-Club auf der Wendlohe – Golf in the city

Wer Hamburg im Flugzeug vom Flughafen Fuhlsbüttel aus über Norderstedt verlässt und einen Fens­terplatz ganz links besitzt, der kann unseren Golfplatz aus der Vogelperspektive bestaunen, erzählt Fritz Beier begeis­tert. Ein Insidertipp des 64-Jährigen, der in diesem Frühjahr zum Vizepräsidenten im Hamburger Golf-Club auf der Wendlohe gewählt wurde. Beier selbst ist Nutznießer der Top-Citylage seines Clubs. Er wohnt wie viele der Wendloher Mitglieder in der Hamburger Innenstadt, keine fünf Minuten vom ersten Tee entfernt.
  
Diese Luxus-Lage ist seit der Gründung vor inzwischen 43 Jahren auch der Hauptgrund, warum sich die Wendloher über Mitgliedermangel nie Sorgen machen mussten. Derzeit zählt der klassische Mitgliederclub 1.300 Golfer, davon 1.150 „Spielende“. Und es könnten leicht doppelt so viele sein, wenn man sie nur ließe. Wer Wendloher werden möchte, kam die letzten Jahre aber nicht an einer langen Warteliste vorbei. Die gibt es mittlerweile nicht mehr. Doch auch heute noch bittet Vizepräsident Beier Bewerber zunächst persönlich zum Aufnahmegespräch. Ein Fulltime-Job für den Pensionär, denn die Anfragen haben sich in diesem Jahr nahezu verdoppelt.
Hans Scheibner gibt sein Solo-Stück „Der Golfer“

„Schuld daran ist das etwas andere Clubleben. „Turniere beispielsweise sind bei uns Events mit großem Rahmenprogramm, erklärt Nicole David (37), DGV-Betriebswirtin und seit 1999 Clubmanagerin auf der Wendlohe, „und auch im Winter kümmern wir uns um ein attraktives Angebot.“ Dieses Jahr referiert in der spielschwachen Winterzeit u. a. Dr. Volker Mehnert über die Chronik „100 Jahre Golf in Deutschland“, und Kabarettist Hans Scheibner gibt sein Solostück „Der Golfer“. Das kommt bei den Wendlohern gut an und lockt ungewollt potenzielle Neumitglieder.
  
Hauptverantwortlich für die Begehrtheit des Clubs ist allerdings „der Umbau“ ein Mammut-Projekt als Investition in die Zukunft. Zunächst war das 70er-Jahre-Clubhaus dran. Umkleiden, Clubräume, Empfangs- und Gastronomiebereich wurden renoviert, vergrößert und mit Hilfe einer Innenarchitektin zum Teil neu gebaut. Das Resultat: Ein multifunktioneller und schicker Neubau, der sein bekanntes Gesicht nach außen hin gewahrt hat.
  
Anschließend rückte Golfplatzdesigner David Krause den 27 Wendloher Golflöchern zu Leibe. Über zwei Jahre dauerten seine Modernisierungsmaßnahmen, bis in diesem Sommer Wiedereröffnung gefeiert werden konnte. Für viele Mitglieder eine harte, weil golfarme Zeit. Sie fühlten sich während der Bauphase mit maximal nur neun bespielbaren Golflöchern und Sonderspielregelungen auf den Nachbarplätzen in die Pionierzeit des Clubs zurückversetzt. Damals, in den 60er-Jahren, fand etwa das improvisierte Wintertraining noch in einer Tiefgarage statt. Doch der Eingriff und die Entbehrungen ha­ben sich gelohnt. Krauses Ziel, einen spannenden Golfplatz zu kreieren, ist gelungen. Das merkt man vor allem auf den Grüns. Keines kommt ohne „Riesenwelle“ aus. Da ist es für das Anspiel schon von Bedeutung, welche Grünseite man wählt. 
  
Zusätzlich wurden beinahe alle Abschläge erhöht. Der jetzt geöffnete Blick auf den Verlauf der Bahnen ist besonders beim Wiederfinden verzogener Bälle ein Gewinn. Und der thronende Beginn schafft Vertrauen in den Abschlag. An einigen Tee-boxen mussten wir sehr häufig nachbessern, denn Herr Krause ist äußerst penibel“, erklärt David, „es ging um Zentimeter.“
  
Auch manche Fairways mussten erneuert werden. Speziell auf dem neueren C-Kurs (Einweihung war 1990). Hier hatte man ursprünglich auf Lavagestein gebaut. Der Untergrund verdichtete zunehmend, und es konnte kein Wasser mehr versi-
ckern. Jetzt sind diese feuchten Zeiten Vergangenheit. Nicht zuletzt dank mancher Grasbunker (Zitat Beier: „berüchtigte Krause-kuhlen“) neben den Grüns, die ein Ablaufen des ungeliebten Nass garantieren.
  
Inzwischen ist Wasser sogar das Highlight der Anlage. Alle Golflöcher, an denen Teiche und Bäche ins Spiel kommen, bleiben als Signature-Holes in Erinnerung. Dafür hat David Krause gesorgt. Die A2 (Par 4, 333 m von Gelb) zum Beispiel. Hier gilt es, ein schmales, zum Wasser hin abfallendes Grün zu treffen. Oder die B6 (271 m), eines von zahlreichen kurzen Par 4-Löchern auf der Wendlohe. Dieses im Club nicht unumstrittene Loch spielt sich dank eines großen Teichs sinnvoll nur mit zwei soliden Eisenschlägen – optisch ein Leckerbissen, für weniger wasseraffine Golfgemüter aber nur mit anschließendem Alsterwasser zu ertragen.

Humide Schmuckstücke auf dem C-Kurs

Die besonderen humiden Schmuckstücke befinden sich auf dem C-Kurs. Die C3 (Par 4, 368 m), ein Doppeldogleg mit Wasserhindernissen an allen entscheidenen Stellen, ist zugleich das schwerste Loch des Platzes. Holzbohlen an der Grünfront lassen allzu mutige Annäherungen ertrinken. Wie an der C6 (Par 4, 246 m) riskante 210 Meter im Flug über Teich und Bunker, und man hat das Grün des Par 4 mit einem Schlag erreicht. Designer Krause nennt das „unvergesslich“.
  
Kaum zu vergessen und während der Runde zu überhören, sind auf der Wendlohe leider auch die Randgeräusche. Autobahn, Bundesstraße und die  Flugzeuge erzeugen einen permanenten Geräuschpegel. Da kommt schnell echtes „Golf in the City-Feeling“ auf – direkt auf Hamburgs Poleposition.

Kolja Hause

Golf-Club auf der Wendlohe
Adresse: Oldesloer Straße 251, 22457 Hamburg
Telefon/Fax: 040/552 89 66; 040/550 36 68
E-mail/Internet: sekretariat@wendlohe.de/wendlohe.de
Gründungsjahr: 1964
Platz: 27 Löcher; A+B: Par 72, Herren (gelb) 5.691 m, Slope 126, CR 70,5, Damen (rot) 4.909 m, Slope 125, CR 72,0; A+C: Par 72, Herren 5.717 m, Slope 129, CR 71,0, Damen 4.962 m, Slope 127, CR 72,4; C+B: Par 72, Herren 5.692 m, Slope 127, CR 70,2, Damen 4.961 m, Slope 125, CR 71,6
Greenfee: 50 Euro wochentags, 60 Euro Wochenende und Feiertage; Driving Range täglich 10 Euro; Handicapbegrenzung (Damen und Herren) DGV-Stammvorgabe -36; Gäste nur in Begleitung von Mitgliedern; VcG-Spieler: nein.
Trolley: 5 Euro; Cart: 26 Euro 
Gastronomie: Julia Bott und Alexander Tiefenbacher, zuletzt beide bei der Dinnershow Witzigmann & Roncalli Bajazzo, servieren im hohen Norden u. a. auch bayerische Schmankerln. In der Saison täglich ab 10 Uhr geöffnet.
Hotelempfehlung: Hotel Ausspann, Holsteiner Chaussee 428, 22457 Hamburg (Schnelsen), Telefon 040/559 87 0-0, www.hotel-ausspann.de, Entfernung: 4,2 Kilometer, EZ 62 Euro, DZ 90 Euro
Anfahrt: A7 Ausfahrt Schnelsen-Nord Richtung Fuhlsbüttel, dann an der zweiten Ampel links abbiegen.

GOLFmagazin-Bewertung*
Platz: 4    Clubhaus: 5    Service: 5    Gastronomie: 4

                        Gesamt: 4 1/2

*Platznote doppelt gewichtet, es gibt maximal 6 Bälle.