Golf Club Jersbek

Von Kolja Hause

Was den Berlinern ihre manikürten Schlossgärten, den Pfälzern ihre sonnigen Weinberge und den Niedersachsen ihre farbenfrohe Lüneburger Heide ist, das sind dem Schleswig-Holsteiner seine Knicklandschaften. Und eines der prächtigsten Exemplare dieses typisch norddeutschen Kulturguts befindet sich auf den 75 Hektar des Golf-Club Jersbek nördlich von Hamburg.

Mehrere Kilometer der haushohen mit Sträuchern und Bäumen bepflanzten Erdwälle verwandeln den Platz in ein Labyrinth und bieten u. a. Heimat für allerlei Vogelarten. Die Übersichtskarte im Birdie Book ist deswegen für Gastspieler als Orientierungshilfe unverzichtbar. Unser Fototipp: Besuchen Sie den GC Jersbek zur Fliederblüte im Mai oder im Herbst, wenn Büsche und Bäume mit ihrer kompletten Farbpalette protzen.

Es ist selten, dass sich trotz der großen Zahl von fast 1.000 Mitgliedern ein zweiter Flight auf der Runde zeigt. Golfer und Spielbahn bleiben meist unter sich damit auch so mancher verschweigenswerter Score. Der Platz in Jersbek ist schwerer geworden, heißt es seitens einer Gruppe von Montagssenioren, die sich landesweit monatlich auf einer anderen Anlage zum organisierten Wettspiel trifft. Besonders die vielen Ausgrenzen abseits der Fairways machen ihrer Meinung nach das anspruchsvolle Layout sehr eng.

Knicks verwandeln den Platz
in ein Labyrinth

Die Vielspielerexperten der Seniorenrunde sprechen da so manchem Mitglied aus der Seele. Damit trotz der Schwierigkeiten immer zügig gespielt wird, haben wir für Gäste eine Spielvorgabenbegrenzung von -36, beschwichtigt Clubpräsidentin Irene Driessen-Oehlschlägel (59) die vorschnellen Kritiker. Grund für die vermeintliche Spielerschwernis sind geschützte Biotope, die nicht betreten werden dürfen. Ein optisch einmaliges und unter Naturschützern gern gesehenes Manko, das sich genau betrachtet nur an Loch 2 (Par 4, 388 m von Gelb) spielentscheidend auswirkt.

Eines der schwersten Par 4-Löcher Europas, nennt Denis Pugh (50), Coach von Ryder Cup-Spieler Colin Montgomerie, diesen Vorgabe 1-Hammer. Wehe dem, der schon am Abschlag einen Knick in der Linse hat. Die Landezonen zwischen den auf Mischwaldgröße angewachsenen Anpflanzungen, dem Biotop zur Linken, dem Wasserhindernis zur Rechten und vereinzelten Solitärbäumen sind verschwindend klein ein Bogey hier top.

Über denselben Score freut sich der gemeine Golfer auch auf den Löchern 8 (Par 4, 368 m) und 15 (Par 4, 358 m). Hier ist auf der sicheren Seite, wer schon in der Teebox eine Strategie parat hält, damit er bei den gut bewachten Grüns nicht plötzlich vor einer unlösbaren Aufgabe steht. Herr Pugh empfielt in solchen Fällen sicherlich die Marschroute: vom Grün zum Tee denken. Doch keine Bange. Unter den 18 Löchern sind mindestens genauso viele knorke wie knifflige Löcher. Wer eben noch die knietiefen Roughs monierte, wird am nächsten Loch schon mit einem knuddeligen 257 Meter Par 4 versöhnt.

Schon am Abschlag
einen Knick in der Linse

Auch der deutsche Architekt Christoph Städler hat den GC Jersbek hinsichtlich seines zeitgemäßen Layouts einmal genauer unter die Lupe genommen. Der Clubvorstand ließ den 55-Jährigen die 18 Löcher überplanen. Städler war angetan. Kein Wunder, gehört doch zu seiner Design-Philosophie: Präzision und kluge Spielstrategie vor bloßer Schlaglänge. Klingt schon heute wie eine Beschreibung des Jersbeker Platzes. Sein bescheidener Vorschlag für die Zukunft: Die oft sehr langen und schweren Par 3-Löcher entschärfen und die sehr unterschiedlichen Par 4-Löcher auf ein einheitliches Level bringen vorausgesetzt, die Mitglieder stimmen zu. Und da gibt es wenig Bedenken. Den sehr sportlich orientierten Jersbekern ist ein zeitgemäßer Championshipplatz wichtig. Vor einiger Zeit wurde eigens für die Belange der Wettkämpfer ein Förderkreis des leistungsorientierten Golfsports gegründet. Vor allem die Jugend wird unterstützt. Sie ist die beste Werbung für unseren Club, erzählt die Präsidentin (zugleich Landesjugendwartin in Schleswig-Holstein) stolz. Die 1. Herrenmannschaft mit einem Stamm aus Eigengewächsen spielte bereits in der Regionalliga, und das Golden Girls-Team der Mädchen wurde letztes Jahr zur regionalen Mannschaft des Jahres gewählt. Bei uns bringen die Kinder die Eltern in den Club nicht umgekehrt, berichtet sie stolz, in den Elternhäusern spricht sich vor allem die gute Betreuung und das exzellente Training schnell rum.

Projekt 35 und Stammtisch 35 sind die neuesten Tendenzen dieses Clubs, der ganz fortschrittlich sein Profil der Zeit und dem Umfeld angepasst hat. Jungen Mitgliedern werden flexible, zeitungebundene Mitgliedschaftsformen angeboten, und in einer Arbeitsgruppe formulieren sie genau wie die anderen Mitglieder ihre ganz eigenen Wünsche fürs Clubleben. Die Jersbeker gehen so mit der Zeit. Sogar die Präsidentin hält sich mit DGV-Platzpflege und Golfbetriebswirt-Seminaren für den Club auf dem Laufenden. Immer nach dem sportlichen Motto: Knicks statt Knigge.

Golf Club Jersbek
Adresse: Oberteicher Weg, 22941 Jersbek; Telefon/Fax: 04532/20 95 0; 04532/247 79; E-mail/Internet: gcjersbek@t-online.de; www.golfclub-jersbek.de

Gründungsjahr: 1986; Platz: 18 Löcher, Par 71; Herren (gelb) 5.921 m, Slope 125, CR 70,7; Damen (rot) 5.220 m, Slope 125, CR 72,2; Greenfee: 50 Euro Mo. bis Fr. (in Begleitung eines Clubmitglieds 40 Euro; max. zwei Gäste), 60 Euro Sa., So. und Feiertage (in Begl. 50 Euro); Schüler und Studenten 20 Euro; Spielberechtigung nur mit eingetragener Stammvorgabe -36 oder besser; keine Reduzierung auf 9 Löcher.
Trolley: 5 Euro; Cart: 25 Euro

Gastronomie: Olaf und Kuno Richter verwöhnen das ganze Jahr über u. a. mit regionalen Spezialitäten.
Hotelempfehlung: Park Hotel Ahrensburg, Lübecker Str. 10a, 22926 Ahrensburg, Tel.: 04102/230-0, www.parkhotel-ahrensburg.de, spezielle Tarife für Gäste des GC. Anfahrt: A1 Hamburg-Lübeck, Ausfahrt Bargteheide Richtung Bargteheide, in Ortsmitte Richtung Jersbek, ca. 1 km bis zum Oberteicher Weg.

GOLFmagazin-Bewertung: Platz: 4; Clubhaus: 4; Service: 5; Gastronomie: 5; Gesamt: 4,5