Golfanlage Gut Wulfsmühle – meine Perle

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Sänger Lotto King Karl ist kein Mitglied der Golfanlage Gut Wulfsmühle. Seine HSV-Hymne „Hamburg, meine Perle“ hingegen bereitet vielen Wulfsmühlern Gänsehaut. Auf dem familiär geführten Gut nebst 18-Löcher-Platz nur 20 Minuten von HH-City sind die Hälfte Hanseaten.

Die Eins hat sogar dem Kaiser schon die Runde versalzen. Den Ersten links ins Aus, den Zweiten rechts ins Wasser, mit dem Dritten endlich auf Spur und mit einer 9 vom Grün. Franz Beckenbauer lernte die Herausforderungen der 18 Löcher der Golfanlage Gut Wulfsmühle unter Zeugen per Dampfhammer kennen, als er zugusten seiner eigenen Stiftung abschlug.

Auch Uwe Seeler war beim Beckenbauer-Turnier vor über zehn Jahren dabei, ist Mitglied im romantischen Golfdorf rund um das Gut im Hamburger Norden. Die Sehnsucht nach Rasensport treibt ihn wie viele andere Ex-Fußballprofis schon seit Platzeröffnung 2002 auf die Wulfsmühle. Überwiegend HSV-Urgesteine aus der nur 20 Autominuten entfernten Elbmetropole. Ex-Nationalmannschaftskapitän Willi Schulz etwa, Bundesligarekordeinsätze-Torwart Uli Stein oder der Mann mit der Bundesliga-Spielerpass-Nummer 001 von 1963, Harry Bähre. Übrigens: Auch Beckenbauer war HSVer, lernte rund um Hamburg während einer Verletzungspause 1981 das Golfspielen.

Golfanlage Gut Wulfsmühle

Golfanlage Gut Wulfsmühle

Geschäftsführerin Christina Druve mit ihrem Ehemann Antonio Saraiva und den Söhnen Paul (14) und Luis (5)

Hohes Engagement bei der Golfanlage Gut Wulfsmühle

Und keiner, das gilt für alle Wulfsmühler, ist sich zu fein mitanzupacken, wenn die Dame des Hauses, Geschäftsführerin Christina Druve, um Hilfe bittet. So wie Seeler. 2009 – vier Jahre nachdem er eine meterhohe Bronze-Skulptur seines rechten Fußes vor dem HSV-Stadion einweihte – hängte „Uns Uwe“ als Startschuss zum DGV-Umweltprogramm „Golf & Natur“ an Abschlag 1 ein HSV-Spatzenhochhaus auf.

Inzwischen hat man Silber. Ziel ist Gold. Nicht wegen der Auszeichnung, aus Prinzip. Als Jägerin liegt Chistina Druve neben Haus, Hof und ihren Handicappern vor allem die Natur am Herzen. Nachhaltigkeit ist ihr Stichwort: „Meine Kinder und Enkelkinder sollen hier auf der Wulfsmühle auch noch arbeiten können.“
Nützlicher Nebeneffekt der Jägerei: Bei Druves Ehemann Antonio Saraiva kommt gern heimisches Wild auf die Speisekarte; suizidale Gänse nach Drivekollisionen ausgeschlossen. Der Portugiese mit Leidenschaft zu hochwertigen Fleischgerichten sorgt als Koch im Club sowie im Restaurant & Hotel zur Wulfsmühle nebenan für Speis und Trank – und bringt diese typisch portugiesische Gelassenheit mit, die man zum Führen einer Golfanlage definitiv braucht.

Das Gut mit Clubgebäuden, Hotel, Restaurant und Veranstaltungsscheune sowie die Ländereien sind seit 1984 im Familienbesitz der Druves, damals noch in einem erbärmlichen Zustand. Anfangs verpachtete man an Landwirte, dann an einen Baumschulenbetreiber. Hat alles nicht funktioniert. „Zwischenzeitlich besaßen wir notgedrungen 150 Rinder und 100 Schweine“, erinnernt sich die 39-Jährige. Ihre Eltern führten zu der Zeit eine Straßenbaufirma. Erst zehn Jahre nach Erwerb waren alle Gebäude saniert, die Familie zog ein und es wurde über Golf als sinnvolle wirtschaftliche Nutzung nachgedacht. Viereinhalb Jahre dauerten die Genehmigungen zum Bau. Druve: „Nur als Eigentümer stehst du das durch.“

Wulfsmühle =Familie + Beruf + Heimat

Als Hamburger Naherholungsgebiet ist die Wulfsmühle schon seit 150 Jahren eine Altbekannte. „Sie ist für mich Familie,
Beruf und Heimat in einem“, sagt die Chefin, die in der Saison jeden Tag an Bord
ist, unter anderem selbst an der Rezeption sitzt. Sie kennt jeden mit Namen, weiß, wessen Enkelkind krank ist, hilft beim Anschluss finden. Genervt ist sie höchstens, wenn nachts um Zwei mal wieder einer klingelt, weil das Brautpaar seinen Zimmerschlüssel verbummelt hat. „Brautpaare haben wir hier oft“, stellt die zweifache Mutter fest. Manche kommen sogar per Helikopter. Für 2017 sind die Samstage mit Hochzeitsgesellschaften von April bis September in der Veranstaltungsscheune bereits ausgebucht. Auch sonst locken die üppigen Feiermöglichkeiten eine Reihe großer Firmen an die Pinnau: BMW, Audi, MAN… „Eine Golfanlage muss man täglich leben, nicht bloß bearbeiten“, weiß die 39-Jährige. Das heißt auch, kritikfähig bleiben und Transparenz zeigen.

Letztere gelingt – wenn es um die Aufklärungsarbeit zu Platz-Themen geht – mit Hilfe des „Rasenpapstes“. Dr. Gunther Hardt, unter anderem Vor-sitzender im DGV-Ausschuss „Umwelt & Platzpflege“, berät die Wulfsmühler bei Pflegemaßnahmen, erstellt ein Düngekonzept für das laufende Jahr und steht den Mitgliedern an Rasen-Infoabenden Rede und Antwort. Hardt erklärt, warum im September „schon wieder“ aerifiziert werden muss und weshalb die Fairways im April in Augusta grüner sind. Seine Audienz leistet sich der Club mehrfach im Jahr. Außerdem sind fünf Greenkeeper ständig am Topdressen, Schlitzen oder dabei, die Grüns mit Quarz zu sanden. Und Christina Druve mischt immer mit. So bleibt sie für ihre Mitglieder in allen Belangen kompetente Ansprechpartnerin.
Die Platzqualität ist das Aushängeschild der Golfanlage, die Schwierigkeiten sind das, was meistens zuerst hängenbleibt. Grundsätzlich entscheidend ist auf der Wulfsmühle die Frage: Welchen Schläger nehme ich nicht? Gell, Herr Beckenbauer!

Die 12 (Par 4, 297 m) ist das schönste Loch der Anlage: strategisch anspruchsvoll und geprägt von gigantisch schönem Baumbestand.

Ein Wulfsmühler mit Handicap 10 spielt woanders eine 8

Architektonisch sind die 18 Löcher (bei Par 72 von Gelb kurze 5.772 Meter) ein geschicktes Werk von einem der besten Golfplatzdesigner des Landes: Christoph Städtler – auch wenn ihn dafür nicht gleich alle lieben. Städler integrierte viele Gräben und Teiche in das Layout, die es zuvor auf dem Gelände gar nicht gab. Er versah kurze Löcher mit Schwierigkeiten, beließ die langen moderat. So funktioniert Fair Play. Hängende Fairways und schmale Landezonen zwingen einen dazu, permanent mit Kopf zu spielen. Was nicht daran liegt, dass zu wenig Platz zum Bau zur Verfügung stand. Im Gegenteil. Aber viel Wasser links und rechts entzieht den Spielflächen nunmal Feuchtigkeit. Speziell zu Regenzeiten kommen spürbar mehr Gastspieler aus der Region.

„Es gibt doch nichts Schlimmeres, als wenn ein Platz irgendwann langweilig wird“, schwärmt Spielführer Frank Emmerich (48). „Ein Wulfsmühler mit Handicap 10 wie ich spielt woanders eine 8.“ Stolz sind sie auf ihren Club, vernarrt in ihre Betreiber. An Vatertag wird dem Wirt wie selbstverständlich beim Verkauf auf dem Bierwagen geholfen. Andere engagieren sich ehrenamtlich in der Öffentlichkeitsarbeit – darunter auch immer wieder die Rasensportler vom HSV.