Hamburg-Walddörfer – Geschliffener Diamant

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Hamburg-Walddörfer gehört seit 56 Jahren zu den feinsten Adressen im Norden. Nach einjähriger Platzrenovierung feiert der Traditionsverein nun seine Wiederöffnung. Mitglieder und Gäste freuen sich auf ein „altes Juwel“ mit modernsten Qualitätsstandards.

Hamburg-Walddörfer

Der Badeteich hinter dem Grün von Bahn 6 diente einst dem Gutsherren zur Erfrischung.

Was macht ein Golfclub, wenn die eigenen Mannschaftsspieler auf dem Heimatplatz weniger gefordert sind, als es einst der beste Golfspieler der Welt war? Vor diese Frage sahen sich die Mitglieder des renommierten Traditionsvereins Hamburg-Walddörfer im Nordosten Hamburgs bis vor Kurzem gestellt. Die sportliche Herausforderung auf dem ursprünglichen Layout des 1961 eröffneten 18-Löcher-Meisterschaftsparcours  war einfach nicht mehr in dem eigentlich gedachten Ausmaß gegeben. Eine Folge der immensen technologischen Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre in der Schläger- und Golfball-Konstruktion. Die immer weiter fliegenden Golfbälle drohten, den schönen Parkland-Course zum Kanonenfutter für gute Spieler werden zu lassen.

Als der große Jack Nicklaus (18 Majorsiege) – wahrlich kein Spieler mit kurzen Schlaglängen – 1977 für einen Schaukampf nach Hamburg kam und kurzerhand einen neuen Platzrekord im GC Walddörfer aufstellte (sechs unter Par), blieben ihm für die Schläge ins Grün einige Eisenlängen mehr übrig als heute den jungen Scratch-Spielern der Herrenmannschaft. So groß sind die Unterschiede zwischen den damaligen Persimmon-Hölzern und gewickelten Balata-Bällen zu den heute verwendeten Hightech-Materialien. Auch die einst von Platzarchitekt Bernhard von Limburger konzipierten Hindernisse kamen zuletzt immer seltener ins Spiel. Doch ein Abrutschen in die sportliche ­Bedeutungslosigkeit entspricht so gar nicht dem Selbstverständnis und Anspruch des Premium-Clubs Hamburg-Walddörfer, der Mitglied in der Qualitäts- und Wertegemeinschaft „The Leading Golf Courses of Germany“ ist und zahlreiche nationale und internationale Meisterschaften ausgerichtet hat.

Modernisierung durch einen früheren Spieler

Nach dem 50-jährigen Clubjubiläum 2010 reift im Vorstand und unter den Mitgliedern der Entschluss, den Golfplatz umfassend zu modernisieren. Mit Christoph Städler (65) – der als Spieler im Walddörfer selbst die Titel Deutscher Juniorenmeister 1969 und Deutscher Meister der Herren 1979 holte – ist schnell der geeignete Golfplatzarchitekt für den Umbau gefunden.  „Im Laufe der Jahrzehnte, in denen mich mein Weg immer wieder hierher führte, machte der Golfplatz Hamburg-Walddörfer langsam, aber unaufhaltsam seinen Alterungsprozess durch“, erinnert sich Städler. „Positiv daran war die Entwicklung des üppigen Baumbestands, die zugleich aber auch negative Auswirkungen hatte, indem sie die Spiellinien verengte und für pflegetechnisch problematische Schatten sorgte.“

Hamburg-Walddörfer

Herrschaftlich: Das Clubhaus aus der Vogelperspektive.

Dazu kam, dass der nach heutigen Maßstäben mangelhafte Aufbau der Grüns und Abschläge sich immer stärker im schlechten Rasenzustand bemerkbar machte. In den Herbst- und Wintermonaten hatte der Club mit Staunässe zu kämpfen. „Meist war der Platz erst ab Mitte Mai oder Anfang Juni gut bespielbar“, erzählt Clubmanager Axel Roeb.
Die Herstellung neuer Grüns und Abschläge nach dem modernsten ­Standard der Golfplatzbau-Technik war somit neben der Gestaltung des sportlichen Schwierigkeitsgrads die zentrale Aufgabe für Architekt Städler und die ausführende Baufirma Brehmer.

Neue Abschläge und Grüns in Hamburg-Walddörfer

Nachdem unter der Ägide von Clubpräsident Dr. Henning Voscherau (früher Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg) zweckgebundene Spendenzusagen in ausreichender Höhe aus der Mitgliedschaft vorlagen und die Liquidität zudem durch Mitgliederdarlehen gesichert war, fiel im März 2015 der Startschuss für die Renovationsmaßnahmen, die bis Oktober andauerten. „Wir haben die Abschläge und Grüns grundlegend erneuert und Fairwaybunker so platziert, dass sie für gute Spieler wieder ins Spiel kommen und spieltaktische Entscheidungen erfordern“, sagt Platzvorstand Ron Last. „Für Spieler mit höherem Handicap wird es dagegen leichter, gute Ergebnisse zu erzielen und damit die Golfrunde auf unserem schönen Platz zu genießen.“

Grüns und Abschläge wurden nach neuestem Stand der Technik in einem an die klimatischen Verhältnisse angepassten Schichtenaufbau erstellt. Das verwendete Saatgut ist eine widerstandsfähige Mischung aus verschiedenen Agrostis- und Festuca-Sorten. An zahlreichen Grüns wurden zudem Approach-Zonen mit dem gleichen aufwendigen Aufbau integriert.

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Eine der schönsten Golfbahnen in Deutschland: Das Grün von Loch 6 mit neu gestaltetem Wasserhindernis im Vordergrund. Das alte Badehaus steht hinter dem Grün.

Bei Probebohrungen stieß man auf sehr viel Sand

Durch die vergrößerten Landebereiche erhalten die Grünkomplexe nicht nur eine hochwertige Optik. Sie können auch sehr kurz gemäht werden und lassen dem Spieler mithin die Wahl zwischen Eisen oder Putter. Auch die Fairways erhielten durch ein Besandungsprogramm und intensive Nachsaat eine Frischzellenkur. Zudem sind einige Fairways nun schärfer konturiert. 10.000 Kubikmeter Sand bewegte man zur Durchführung dieser Verbesserungen. Sand, der normalerweise teuer eingekauft und mit zig LKW-Ladungen angeliefert werden muss. Doch vor Baubeginn gab es eine hübsche Überraschung im GC Hamburg-Walddörfer.

Bei Probebohrungen stieß man in mehreren Bereichen der Back Nine auf ausgiebige Sandvorkommen, die für den Unterbau der Grüns und Abschläge wichtig waren. Das war einer der Umstände, die es Christoph Städler und Platzvorstand Ron Last ermöglichten, mit Ausgaben von 1,1 Millionen Euro eine budgetäre Punktlandung zu erzielen. Einige Sandgruben wurden offengelassen, als Renaturierungs­flächen ausgeschrieben und erhöhen dazu die optische Originalität des Platzes.

Originell war auch die Idee von Club-Pro Gerry Bennett. Während des Umbaus initiierte er die Einrichtung eines über mehrere Löcher verlaufenden Reverse-Courses inmitten der Baustelle. Auf diesem Kurs mit Abschlägen auf den Fairways und temporären Grüns konnten die 1.050 Mitglieder in der Bauphase einige Löcher – rückwärts – spielen und gleichzeitig die bauliche Entwicklung verfolgen.

Ausgezeichnetes Umweltkonzept im Golfclub

Durch vergrößerte und neue Teiche, die teilweise als Wasserreservoir dienen, ein modernes Pumpensystem und einen frisch gebohrten Brunnen mit ästhetisch gestaltetem Enteisungsbachlauf mit Natursteinen soll sich das für jeden Golfplatz so wichtige Wassermanagement verbessern. Dem Clubnamen alle Ehre machen die „Walddörfer“ im Bereich Ökologie und Umweltmanagement. 760 neue Bäume wurden gepflanzt, Wildbienenvölker angesiedelt, Lurche und Frösche während des Umbaus umquartiert und später in ihre alte Heimat zurückgeholt. Auf dem Golfplatz aufgestellte Messstationen überprüfen zudem die Auswirkungen der Renovierung auf die Natur.

Das nachhaltige Umweltkonzept wurde bereits vom DGV mit der goldenen Urkunde „Golf & Natur“ ausgezeichnet.  Die größte Veränderung wurde an Loch 10 vorgenommen. Der Großteil der Umbaumaßnahmen auf den anderen 17 Bahnen ist optisch subtiler Natur. Auch Spieler, die den Platz seit vielen Jahren gut kennen, werden oft überlegen, was denn nun eigentlich neu ist. Nicht so an Bahn 10.

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Hügelige Frontnine: Auf den ersten neun Bahnen gibt es beachtliche Höhenunterschiede – hier auf Bahn 8 (Par 3, 131 m).

Ein großer Gewinn für die sportliche Attraktivität

Dieses 145 Meter lange Par 3 ist vollkommen neu; und das aus gutem Grund: Die alte Zehn war der Schwachpunkt des Layouts. Von Mischwald eingerahmt, kam an diesem Loch nicht nur ein Gefühl der Enge auf; auch die Sonne fand kaum noch einen Weg, dem Gras Licht zu spenden. Das neue Loch liegt rund zwanzig Meter von der alten Bahn versetzt. Es wird von einem neu angelegten Teich geschmückt und von prächtigen Buchen begrenzt. Der umliegende Nadelwald holzte man ab. Das Ergebnis ist ein großer Gewinn für die Ästhetik, Pflege und sportliche Attraktivität. Sportlich attraktiv möchte auch der GC Walddörfer sein. „Der umgebaute Platz soll nicht nur die Zufriedenheit unserer Mitglieder, die immerhin sehr viel geleistet haben, verstärken. Er soll auch neue Mitglieder und Top-Mannschaftsspieler anziehen“, sagt Dr. Henning Voscherau.

Mit einer Damenmannschaft, die zur Zeit in der zweiten Bundesliga spielt, und einem jungen und aufstiegsambitionierten Herrenteam in der Regionalliga und Senioren/-innen, die jüngst in die erste Bundesliga aufgestiegen sind, steht der Club schon gut da. Rund 150 Jugendliche üben fleißig für eine erfolgreiche Zukunft. Und vielleicht reift hier ja irgendwann ein neuer Jack Nicklaus heran. Bei der nun gegeben sportlichen Herausforderung des gelungenen Re-Designs ist das jedenfalls wahrscheinlicher als vorher.