Helden des Alltags

Helden des Alltags: Adam Cockayne

Unsere Pros vor Ort halten das Spiel und den Sport am Leben, aber sie stehen selten im Rampenlicht. Es wird Zeit, sie zu würdigen. An dieser Stelle teilen sie mit uns ihre Erfahrungen, ihre Erlebnisse und ihre Tipps.

Adam Cockayne

»Fleiß schlägt Talent«

Adam Cockayne wuchs in West Sussex auf, wo ihn sein Vater zum Golfspiel brachte. Auf einem klassischen Links-Course, direkt am Meer. Seit 2001 lebt und arbeitet Cockayne in Norddeutschland. Er, der sich zum Wasser schon immer hingezogen fühlte, kann heute mit Stolz sagen, seine Golfschule auf einer der wohl schönsten Ranges an der Ostsee eröffnet zu haben: da gibt’s Meerblick satt. Wenn Adam Cockayne seine Mittagspause nicht gerade schwimmend im Meer oder am Strand verbringt, unterrichtet er neben der Damen-Mannschaft Golfer aller Spielstärken. 

Wie würdest du deine Trainingsphilosophie beschreiben? 

Bei mir ist das Training individuell. Egal, ob Golf eine entspannte Freizeitbeschäftigung sein soll oder das persönliche Ziel Handicap-Verbesserung lautet – ich gehe auf die individuellen Bedürfnisse ein und finde auf dem Platz heraus, welche »Schwachpunkte« des Spiels noch zu verbessern sind. Und daran arbeiten wir dann gemeinsam. Grundsätzlich lautet mein Credo: »Fleiß schlägt Talent« – das steht auch auf einem Banner auf der Range. Ich selber kann davon ein Lied singen: Als Jugendlicher galt ich als relativ talentiert, habe mich auf meinem Talent zunächst ausgeruht und erst später begriffen, dass man auch trainieren muss. Man sollte sich nicht zu sehr auf sein Talent verlassen. Doch bei allem Fleiß darf auch der Spaß nicht zu kurz kommen.  

Ein Ratschlag, den du jedem Amateur gern geben würdest? 

Nicht nur das trainieren was Du kannst, sondern auch den unangenehmen Teil des Spiels üben. Mein Schwachpunkt ist beispielsweise das Pitchen. Früher habe ich das aber nicht geübt. Meinem Ego gefiel es viel besser, den Driver zu hauen. An den eigenen Schwächen zu arbeiten, sollten Spieler aller Leistungsklassen beherzigen.  

Der meistverbreitete Fehler von Amateuren? 

Immer wieder sehe ich, wie Amateurspieler mit einem hohen Lob-Shot auf die Fahne spielen. Dieses unnötige Spielrisiko einzugehen macht mich manchmal regelrecht wütend. In den seltensten Fällen ist so ein Schlag gerechtfertigt. Besser wäre, wenn alle die Regel befolgen würden: »So hoch wie nötig, aber so flach wie möglich.« Ich bin ja auf einem Links-Course groß geworden. Da hatten wir große und lange Grüns. Dort –wie auch auf den meisten Plätzen der Region – musste man den Ball nicht hochschlagen. Ich habe Chippen beispielsweise mit einem Eisen 6 gelernt. Den flachen Annäherungsschlag trainiere ich mit meinen Schülern aus den verschiedensten Situationen.  

Ein Ratschlag, der deinem eigenen Spiel weitergeholfen hat? 

Als gebürtiger Brite habe ich Golf ganz anders gelernt: ohne Driving Range, ohne Techniktraining, ohne Mannschaftstraining. Golf wurde auf dem Platz gelernt. So hatte ich meine erste »richtige« Trainerstunde im Alter von 36 Jahren. Damals war ich mit Christian Kirchner bei Tim Cusick in Dallas, USA. Cusick hat mir damals die Augen geöffnet. Ich dachte, dass ich beim Pitchen steil schwingen würde, tat das aber gar nicht. Ich wünschte, mir viel früher einen Trainer gesucht zu haben. Stattdessen habe ich ohne jedwede Schwunggedanken vor mir her gespielt. Nachdem ich bei Cusick war dachte ich, wichtige Zeit vergeudet zu haben. Man muss sich eben frühzeitig einen Trainer suchen, um eine entsprechende Anleitung zu bekommen. Das war ein Teil des Puzzles, das mir geholfen hat.  

An was hast du früher geglaubt, jetzt aber nicht mehr? 

Ich bin groß geworden in den Zeiten von Colin Montgomerie, Ian Woosnam, Costantino Rocca, etc. Alles Typen, die keine typischen Athleten waren. Damals hätte ich nie gedacht, dass Flexibilität wichtig für den Golfschwung sein könnte. Meinen Schülern heute lege ich eine gewisse Golffitness nahe. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass ein Freizeitspieler ein Athlet sein muss wie die heutigen Top-Tour-Spieler. Aber eine gewisse Grundfitness ist essentiell.  

Was ist das Geheimnis von gutem Golf? 

Das wüsste ich auch gern. (lacht) Die Antwort auf diese Frage suche ich seit 30 Jahren. Aber dazu müsste man klären, was die Definition von »gutem Golf« ist. Gutes Golf kann auch eine tolle und entspannte Runde mit viel Spaß und guten Gesprächen bedeuten. Andere Spieler wiederum empfinden es als »gut«, wenn sie ihr Handicap gespielt haben. Wieder andere Spieler meinen »gutes Golf« sei Par oder besser. Egal, was für jeden individuell »gutes Golf« bedeutet, wichtig ist doch, dass man nicht übertrieben ehrgeizig und schlecht gelaunt vom Platz kommt. Denn dann kommt der Spaß zu kurz. Vor allem als Freizeitgolfer sollte man nicht vergessen, dass es abseits des Golfplatzes noch wichtigere Sachen gibt… 

Was wünschst du dir und deinem Heimatclub in Zukunft? 

In der Funktion als Platzwart darf ich im Vorstand einige Entscheidungen mitlenken. Das ist super. Ich liebe diesen »modernen Traditionsklub« und freue mich auf viele weitere Jahre, in denen ich und mein Coaching-Team die Mitglieder weiterhin betreuen können.  

Was ist das Lustigste, das dir je passiert ist? 

Das war Situationskomik vor der Runde: Vor ungefähr 15 Jahren hatte mich eine Firma für eine Schottland-Reise engagiert. Ich sollte vor Ort die Firmenkunden betreuen. Es war eine etwas »steife« Klientel. Morgens am Frühstückstisch erzählt mir der Firmenvorsitzende peinlich berührt von einem Fauxpas: Gestern Abend hatte er über ein Telefonat das Badewannenwasser völlig vergessen. Nachdem alles überschwemmt war, musste er die Hotel-Rezeption samt Hausmeister informieren. Es war ihm unfassbar peinlich. Kaum hatte er diese Geschichte erzählt, kam einer seiner wichtigsten Kunden an den Tisch und erzählte pikiert, dass es beim ihm gestern Abend von der Decke geregnet hätte. Der Vorständler und ich blickten betreten auf die Teller. Wir gaben uns ahnungslos. So klein ist die Welt – vor allem in einem schottischen B&B. 

Adam Cockayne

Adam Cockayne

Werdegang: Geboren am 10. Mai 1978 im englischen Chichester. Als 7-Jähriger hat er mit Golf begonnen, 2002 folgte die Ausbildung zum PGA Professional, seit 2006 ist Adam Cockayne zertifizierter A-Trainer des DOSB, 2006-2012 Jugend Landestrainer des GVSH

Heimatclub: Lübeck-Travemünder Golf-Klub von 1921 e.V. 

Preis/Stunde: 80 Euro/50 Minuten 

Kontakt: cockayne-golf.de, E-Mail: [email protected] 

Hobbys: Reisen, Fahrradtouren, Essen