Helden des Alltags

Helden des Alltags: Christoph Frass & André Sallmann

Unsere Pros vor Ort halten das Spiel und den Sport am Leben, aber sie stehen selten im Rampenlicht. Es wird Zeit, sie zu würdigen. An dieser Stelle teilen sie mit uns ihre Erfahrungen, ihre Erlebnisse und ihre Tipps.

Christoph Frass André Sallmann

»Akzeptanz, Geduld und Durchhaltevermögen«  

André Sallmann und Christoph Frass – der eine ein ehemaliger Nationaltrainer und Challenge-Tour-Spieler, der andere ein einst ambitionierter Golfer (spielte so manchen Platzrekord) und diplomierter Schauspieler. Ein äußerst unterschiedliches, aber sehr harmonisches Duo. Nachdem die beiden Hamburger Jungs jahrelang als Kollegen im GC Hamburg-Ahrensburg nebeneinander gearbeitet hatten, gründeten sie die Hamburger Golfakademie – aus Kollegen wurden Freund und Geschäftspartner. 

Wie würdet ihr eure Trainingsphilosophie beschreiben? 

André Sallmann (A.S.): Wir arbeiten zusammen und haben auch eine gemeinsame Philosophie: Da sehr unterschiedliche Leute zu uns kommen, ist es unser Bestreben, die Individualität unserer Schüler herauszuarbeiten und zu fördern. Dabei steht über allem, die Begeisterung und auch Liebe für den Golfsport zu wecken. Dazu gehen Trainer und Schüler den Weg gemeinsam. So wie wir unsere Schüler kennenlernen, müssen sie auch uns kennenlernen.  

Ein Ratschlag, den ihr jedem Amateur gerne geben würdet? 

Christoph Frass (C.F.): Auch hier sind wir mal wieder einer Meinung. Bevor wir vom putten oder driven reden, wird es bei uns philosophisch …  

A.S.: … ja, es geht uns dabei um drei Dinge; ein Lebensmotto sozusagen: Akzeptanz, Geduld und Durchhaltevermögen. Diese Felder muss man auf den Golfsport übertragen. Wenn man in diesen Feldern aktiv wird, dann verbessert man auch sein Golfspiel. Das ist es, was am Golfsport auch so »geil« ist.  

Der meistverbreitete Fehler von Amateuren? 

A.S: Den haben wir eigentlich schon in der vorherigen Frage verraten. Die wenigsten Schüler – oder Leute überhaupt – bringen die drei genannten Charaktereigenschaften mit: beim Training sind sie ungeduldig, akzeptieren ihr eigenes Spielvermögen nicht und bleiben auch nicht konsequent am Ball. So kann keine Freude aufkommen – und die braucht man fürs Golfspiel. Die meisten laufen planlos durch die kleine Golfwelt und sind dabei völlig unstrukturiert. Wir möchten Struktur geben. Außerdem sehen wir im Alltag eingerostete Körper – da wäre Flexibilitätstraining sehr hilfreich. Ohnehin sollte auch neben dem Golfspiel am Körper gearbeitet werden.  

Ein Ratschlag, der eurem eigenen Spiel weitergeholfen hat? 

C.F.: Das ist ein Ratschlag, den ich nicht nur zum Golfen bekommen habe, sondern allgemein. Ein Freund riet mir mal: »Sei dein eigenes Ich.« Man muss sich selber finden – im Leben und auf dem Platz. Ich bin kein Tiger Woods. Wir sind André und Christoph. Man muss man selbst und authentisch sein.  

A.S.: Dazu habe ich eine kleine Anekdote: In den Ferien spielte ich immer ein Ferienjugendwettspiel. Nach einer ganz üblen Runde habe ich »no return« gemacht. Meine Laune war entsprechend mies. Dann kam mein Vater, der auch Golflehrer war, setzte sich zu mir und sagte mit ganz ruhiger Stimme: »Gib niemals auf, sonst nehme ich dir die Golfschläger weg.« Er hatte ja so recht. Seit dem lautet mein Motto: niemals aufgeben.  

An was habt ihr früher geglaubt, jetzt aber nicht mehr? 

A.S.: Selbst als ich bereits Golfpro war glaubte ich, dass es ein Geheimnis für gutes Golf gäbe; so als müsste eines Tages ein Schalter umgelegt werden. Dabei ist das »Geheimnis« der Weg – also sich auf die Suche zu begeben, Erfahrungen zu sammeln, Fehler zu machen und dabei das Passende für sich zu finden.  

C.F.: Ich habe früher versucht wie mit einer Brechstange über den Platz zu kommen. Doch im Alter verstand ich, dass es auf Lockerheit und Akzeptanz ankommt. Mal gewinnt man und mal verliert man.  

Was wünscht ihr euch für euren Heimatclub in Zukunft? 

C.F./A.S.: Wir hatten diesen Sommer ein tolles generationenübergreifendes Golf-Lounge-Event. Der Älteste war 97 und der Jüngste war zehn. Das Miteinander von Jung und Alt war so ein schönes Ereignis. Genau das wünschen wir uns für unseren Club; dass man eine tolle Zeit respektvoll miteinander verbringt.  

Was ist das Merkwürdigste, das euch auf dem Platz je passiert ist? 

C.F.: Hier in Ahrensburg gab es einen Jugendcup, ausgespielt als Zählspiel. An unser alten 11. Bahn – damals noch ein Inselgrün – kam ein Jugendlicher nicht über den Teich. Kurzerhand zückte er den Putter und puttete den Weg entlang bis aufs Grün; und auch das ist äußerst schwierig. Es war skurril anzusehen, aber auch bemerkenswert. Der Jugendliche löste das Problem. Letztendlich spielte er an der Bahn eine 27, schloss das Turnier tapfer ab und konnte schon nach der Runde über die Situation schmunzeln. Er hatte nicht aufgegeben.  

A.S.: Anfang der 90er Jahre überwinterte ich in Florida. Bernhard Langer lud Sven Strüver und mich zu einer Runde ein. Langer brachte einen vierten Spieler mit: Larry Moody, der damalige Priester der amerikanischen PGA Tour. Larry spielte desaströs und versenkte über 25 Bälle in den diversen Wasserhindernissen. Mir war das egal, da es für mich spannend war, mal mit Bernhard Langer zu spielen. Abends lud Langer uns zu einer Bibelstunde mit Larry ein. Das Thema: Leiden. Ganz offensichtlich hatte Larry sein Leiden überwunden und deswegen die Runde so gut verarbeitet.  

Was ist das Lustigste, das euch je passiert ist? 

C.F.: Äußerst erinnerungswürdig war, als mein Mitspieler einen Ball aus einem Wasserhindernis spielen wollte und stattdessen comicgleich die Böschung hinunter ins Wasser glitt. Unser ehemaliger Head Pro Jochen Strüver hatte das alles gefilmt. Das Video ist bis heute unter »Niclas rutscht in das Wasserhindernis« auf TouTube zu sehen. Das Beste daran ist die diabolische Strüver-Lache … 

Christoph Frass André Sallmann

Christoph Frass & André Sallmann

Hamburger Golfakdemie 

Heimatclub: Golfclub Hamburg Ahrensburg 
Preis/Stunde: 75 Euro/50 Minuten 

Christoph Frass 

Werdegang: 

Geboren am 25.11.1975 in Hamburg, ist mit dem GC HH-Ahrensburg eng verbunden, da er dort 1988 anfing Golf zu spielen. Nach dem Diplom zum Schauspieler folgte 2004 die Ausbildung zum PGA Professional.  

Kontakt: E-Mail: [email protected] 

Hobbys: »Golf spielen, Joggen und meine Familie« 

André Sallmann  

Werdegang: 

Geboren am 12.5.1971 in Hamburg. Nach einer Amateurkarriere in der Nationalmannschaft folgte 1991 die Ausbildung zum PGA Professional. Bis 1994 spielte er auf der Challenge Tour. 1998 bis 2004 war Sallmann der erste hauptamtliche Bundestrainer der Herrennationalmannschaft des DGV und wechselte dann nach Ahrensburg, wo er mit seinem Freund und Kollegen Christoph Frass die Hamburger Golfakademie gründete. Sallmann ist weiterhin als Co-Trainer für das Golf Team Germany tätig.

Zusatzausbildung: A-Trainer des DOSB 

Kontakt: E-Mail: [email protected] 

Hobbys: »Golf spielen, Fahrradtouren und der HSV«