LIV Golf ist richtig multikulti. Ein paar Engländer, Asiaten, Südamerikaner, Australier, Südafrikaner, vereinzelt Kontinentaleuropäer, viele Amerikaner und natürlich die Verantwortlichen aus Saudi-Arabien. Bei den Turnieren – wie jüngst in Valderrama – geht’s auf der Range von der Sprachenvielfalt zu wie im Terminal eines Großflughafens. Scott O’Neil hält sich dort gerne auf und begrüßt als neuer CEO und Nachfolger des kantigen Greg Norman seine Jungs. Der amerikanische Chef ist ein Top-Experte, dem es aufgrund seiner beachtlichen Vita in der DNA liegt, ein simples Sportereignis zu einem Entertainment-Erlebnis zu verwandeln. Die Pros samt Teams sind seine Protagonisten, aber er ist sich nicht zu schade und taucht auch gerne mal unangemeldet im Media-Center auf. Hier ein Hallo, dort ein Klaps auf die Schulter, hier und da ein Smalltalk. Das wäre undenkbar in der Führungsebene der DP World Tour. O’Neil will Feedback und empfindet Anregungen (auch kritische) positiv. Ihm geht es darum, das Produkt LIV Golf in allen Bereichen nach vorne zu bringen.
Kaymers Zukunft
Sobald O’Neil den Namen Martin Kaymer registriert, gerät er ins Schwärmen. Es fallen Worte wie vorbildlich, tolle Persönlichkeit, einer, der in die Tiefe gehen und das Projekt (LIV Golf) weiterentwickeln möchte. Kaymer also auf Kurs? Diese Interpretation ist jedoch nicht korrekt. Für den zweifachen Major-Sieger ist es eine Herzensangelegenheit und Zukunftsperspektive. »Ich habe die Möglichkeit für eine Karriere nach dem Golfspiel erkannt«, sagt er, weil es für ihn ausgeschlossen ist, mit Mitte 50 noch wettbewerbsmäßig auf einer Senioren-Tour über die Fairways zu schreiten. Aber: »Ich möchte im Golf bleiben, da ich die Passion habe und von dem Produkt LIV überzeugt bin. Ich glaube an die Vision und möchte ein Teil davon sein.«
»Ich möchte im Golf bleiben, da ich die Passion habe und von dem Produkt LIV überzeugt bin. Ich glaube an die Vision und möchte ein Teil davon sein.«
Martin Kaymer
Derzeit als Spieler und Kapitän. Gemeinsam mit seinem Manager Johan Elliot hat er das Baby Cleeks GC ins Rollen gebracht und im Team gab es bereits Veränderungen. Von der Anfangsformation sind nur noch Kaymer und Richard Bland (ENG) dabei – Bernd Wiesberger (AUT) und Graeme McDowell (NIR) wurden durch Adrian Meronk (POL) und Frederik Kjetrupp (DEN) ersetzt. Letzterer, vor einem Jahr noch College-Spieler in Florida, dürfte mangels Erfolg seinen Platz verlieren.
Minecraft hilft
Das Sportliche hat das Duo Kaymer und Elliot im Griff, beim Aufbau der anderen Bereiche des Start-ups haben sie sich Hilfe geholt. Und schon bei der Wahl des General Managers schlug man einen anderen Weg ein. Seit September 2024 hat Jonas Mårtensson das Sagen. Ein Schwede, leidenschaftlicher Golfer mit einem interessanten Hintergrund aus einer komplett anderen Branche. Mårtensson hat als einstiger CEO von Mojang Studios (wurde 2014 von Microsoft für 2,5 Mrd. USD gekauft) Minecraft zum weltweit bestverkauften Spiel geführt. Der in Marbella lebende Skandinavier führte am Ende 1.000 Mitarbeiter, jetzt bei Cleeks besteht sein Team aus vier Personen. »Ich mag Herausforderungen und Teams zu kreieren.«
Eine der ersten Maßnahmen – natürlich in Absprache mit Kaymer – war die Agentur Akqa aus London ins Boot zu holen. Die Aufgabenstellung: Rebranding und Positionierung. Die Herangehensweise laut Mårtensson: »Wir wollten die Tradition, die Martin als Champion mit Gentlemen-Charakter verkörpert, mit dem neuen Golf von LIV kombinieren. Tradition also neu interpretiert. Unsere Mission ist, neue Zielgruppen zu erschließen und am Ende des Tages Golf größer zu machen. In diesem Prozess fiel die Entscheidung, dass Cleeks Überschneidungen zu Musik, Fashion und Kunst herstellt – wir wollen ein Lifestyle-Brand werden.«
Das mag auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar sein, aber wer, wie der General Manager über den Tellerrand hinausblickt, kann die Positionierung nachvollziehen. Während Teams wie Crushers, Smash, Legion XIII mit ihren Stars wie Bryson DeChambeau, Brooks Koepka und Jon Rahm alle Mitspieler in die Statistenrolle drängen oder andere Equipen aufgrund ihrer Zusammensetzung auf eine Nation (Ripper/Australien, Stinger/Südafrika), Sprache bzw. Kontinent (Fireballs, Torque, HiFlyers, IronHeads, Majesticks) eine Identität haben, ist Cleeks eine kunterbunte Truppe aus Kontinentaleuropäern. Wohl wissend hat man sich an die Arbeit gemacht, eine Nische entdeckt und versucht, die Neuausrichtung mit Kooperationen wie dem Streetfashion-Label Public Drip, der Premium-Lederwarenmarke Martin Key oder dem Künstler Jacob Fellander (fotografierte u.a. Kampagnen für Nike und H&M) mit der Ausstellung in Miami anzukurbeln. Die Rechnung geht bislang auf. Die Kollektion von Public Drip war beispielsweise innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Cleeks GC darf von sich durchaus behaupten, eine Art Trendsetter zu sein, dem es gelingt, andere Bereiche im Golf zu implementieren. Jetzt müssten sie auf dem grünen Rasen nur noch erfolgreicher agieren.
5 Fragen an Jonas Mårtensson (Cleeks GC General Manager)
Was war Ihre Motivation, Ihr Baby Minecraft zu verlassen und sich im Golf zu engagieren?
Die Frage wurde mir oft gestellt und mir fällt es schwer, sie entsprechend zu beantworten. Mein Interesse war immer, etwas zu bewegen. Ich mag die Herausforderung und Teams zu kreieren.
Eine neue Serie, vier Spieler, ein Team. Wie sind Sie beim Aufbau der Identität von Cleeks GC vorgegangen?
Die Ausgangsfrage war: Was wird für immer bleiben? Das ist die Marke Cleeks GC mit den vier Spielern. Es liegt in der Natur der Sache, dass die jetzigen Akteure in einigen Jahren nicht mehr dabei sind. Für Rebranding und Positionierung haben wir eine Agentur mit ins Boot geholt. Wir wollen eine Lifestyle-Brand werden, haben Synergien zu Musik, Fashion und Kunst hergestellt und verschiedene Kooperationen abgeschlossen, die uns dieser Positionierung näherbringen. Im August folgt eine Zusammenarbeit mit der weltweit größten Community für upcoming artists. In der Wahrnehmung sind wir gerade in den sozialen Medien deutlich gestiegen.
Und wie definiert man ein Team?
Da gab es intensive Diskussionen. Ich habe mich noch nicht festgelegt, ob wir dauerhaft eine Art nordeuropäisches Team bleiben. Meines Erachtens funktioniert der europäische Gedanke nicht. Wir werden keine Regeln bei den Nationalitäten aufstellen und Martin bleibt hoffentlich auch dann künftig als Nonplaying Captain an Bord. Die Werte, die er verkörpert, werden immer bei uns sein.
»Meines Erachtens funktioniert der europäische Gedanke nicht.«
Jonas Mårtensson
Wie unterscheidet sich das LIV-Publikum von den traditionellen Touren?
40 Prozent sind Frauen, das ist überdurchschnittlich. Insgesamt ist das Publikum jünger. Es kommt nicht nur wegen Golf, sondern nutzt das vielfältige Angebot wie Kids Zone, Fan Zone etc. Adelaide hat einen Festivalcharakter mit über 100.000 Besuchern – 40 Prozent sind zu der Veranstaltung eingeflogen.
Wie ist die Rolle von Johan Elliot, ebenfalls Schwede, Manager von Martin Kaymer und langer Wegbegleiter, zu verstehen?
Johan bringt 25 Jahre Erfahrung im Golf Business mit. Er hat ein großes Netzwerk und weiß, wie man Sponsoren für Spieler akquiriert. Er hilft mir sehr viel und er hat die Autorität im Umgang mit den Spielern. Seine Rolle ist sehr vielfältig. Insgesamt muss man sehr anpassungsfähig und flexibel sein. Wir müssen als Team agieren und dabei die Individuen berücksichtigen.
Sie haben große Pläne – wer unterstützt Sie finanziell bei dem Projekt?
Das ist PIF als Investor. Der Fonds aus Saudi-Arabien finanziert die Liga und die Teams. PIF ist Mehrheitseigner aller Teams, und die Kapitäne halten jeweils einen Anteil. Das kann sich ändern, wenn andere Investoren einsteigen, Anteile kaufen oder sogar ein ganzes Team übernehmen.
Cleeks GC – FAQ
Was ist Cleeks GC?
Cleeks GC ist eines der zwölf Teams der LIV Golf League, einer 2022 gegründeten internationalen Profi-Golfliga mit innovativem Format und Teamwertung. Cleeks GC besteht aktuell aus vier Spielern, die gemeinsam um Punkte, Preisgelder und Titel kämpfen.
Wer ist Captain der Cleeks GC?
Der deutsche Ryder-Cup-Star Martin Kaymer ist der Team-Captain der Cleeks. Er war von Beginn an Teil der LIV Golf League und führt das Team seit seiner Gründung 2022 an. Kaymer bringt seine Erfahrung als Major-Sieger (US Open 2014, PGA Championship 2010) in die Teamführung ein.
Welche Spieler gehören aktuell zum Team?
Stand August 2025 besteht das Team aus folgenden Spielern:
Martin Kaymer (Deutschland) – Captain, zweifacher Major-Sieger
Adrian Meronk (Polen) – Konstanter Allrounder, neu im Team 2024
Fredrik Kjettrup (Dänemark) – LIV-Rookie, der das Team aus Leistungsgründen nach der Saison wieder verlässt
Richard Bland (England) – Erfahrener Pro, der für Stabilität sorgt
Was bedeutet der Name „Cleeks“?
„Cleek“ war ein traditioneller Name für einen Golfschläger mit schmalem Kopf, der in der Frühzeit des Golfs verwendet wurde – vergleichbar mit einem heutigen langen Eisen. Der Teamname „Cleeks“ steht sinnbildlich für Tradition, Präzision und klassische Golfwerte – und unterscheidet sich damit bewusst vom aggressiven Branding mancher anderer LIV-Teams.
Welche Erfolge hat Cleeks GC bisher erzielt?
Während der ersten beiden LIV-Saisons rangierte das Team meist im unteren Tabellenmittelfeld. 2024 gelang in Houston der erste Sieg in der Team-Wertung. 2025 landete das Quartett hingegen bei keinem Turnier unter den besten Fünf.
Welche Rolle spielt Cleeks GC in der LIV-Teamstruktur?
Cleeks GC gilt als eines der europäischsten Teams innerhalb der LIV-Struktur – es ist nicht das lauteste oder glamouröseste Team, punktet aber mit Substanz und einem soliden Fundament.
Wie unterscheidet sich das Teamkonzept von Cleeks GC von anderen LIV-Teams?
Im Gegensatz zu Teams wie Torque GC oder Smash GC, die stark auf junge Talente oder US-Stars setzen, ist Cleeks GC eher klassisch aufgestellt – mit einem Fokus auf Erfahrung, internationaler Mischung und kontrolliertem Spielstil. Das spiegelt sich auch im ruhigen Auftreten der Spieler wider.
Wo kann man Cleeks GC verfolgen?
Alle LIV Golf Events – inklusive der Teamwertungen – werden live gestreamt und sind über DAZN auch in deutschem Kommentar zu sehen.
Was sind die Ziele von Cleeks GC für die Zukunft?
Die Top-5-Platzierung in der Teamwertung ist das erklärte Ziel für 2026. Langfristig könnte auch eine personelle Auffrischung erfolgen – etwa durch europäische Nachwuchstalente oder Rückkehrer von der PGA oder DP World Tour. Die Beteiligung an Team-Events und der Ausbau der Markenidentität sind weitere Schritte auf dem Weg zur Etablierung in der LIV Golf League.